Weiße Sterne auf grünem Grund: Was bedeuten die Bio-Siegel auf Lebensmitteln?

Wer im Supermarkt bewusst einkaufen möchte, der stößt auf eine Menge Bio-Siegel. Doch was steckt eigentlich hinter den Abzeichen und welchen können Sie vertrauen?

Immer mehr Menschen kaufen Bio-Lebensmittel. Weil sie sich gesünder ernähren wollen oder auch einfach nur fürs gute Gewissen. Denn Bio-Bauernhöfe düngen und spritzen weniger (und mit anderen Mitteln als konventionelle Höfe) und sie geben ihren Tieren mehr Auslauf. Doch wie viel, ist unterschiedlich. Denn neben den beiden Hauptsiegeln - dem EU-Logo und dem deutschen Bio-Siegel - gibt es noch weitere Labels. Ein Überblick.

Das EU-Bio-Logo

Es ist die Grundlage für alle hierzulande verkauften Bio-Lebensmittel. Jedes Bio-Produkt in Deutschland kann noch ein zusätzliches Siegel tragen, das EU-Bio-Logo muss aber in jedem Fall auch darauf sein. Die Kriterien dafür stehen in der EG-Öko-Basisverordnung.

Die wichtigsten Vorschriften sind: Es dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel (wie Glyphosat) verwendet werden, keine mineralischen Stickstoffdünger, keine Gentechnik. Bio-Produkte dürfen nur bestimmte Zusatzstoffe (Farb- und Konservierungsstoffe sowie Geschmacksverstärker) enthalten. 53 sind derzeit erlaubt, in der konventionellen Landwirtschaft sind es mehr als 300.

Damit die Pflanzen auch ohne Pestizide und Dünger gut gedeihen, sollen sie so angebaut werden, dass Schädlinge und Unkraut sich gar nicht erst ausbreiten können. Viele von ihnen mögen nämlich nur bestimmte Pflanzen in ihrer Umgebung. Deswegen wird empfohlen, die Bepflanzung der Felder öfter zu wechseln. Als Düngemittel soll vor allem Mist dienen oder auch Pflanzen, die Stoffe in sich anreichern, mit denen man gut düngen kann, zum Beispiel die sogenannten Leguminosen.

Tiere müssen artgerecht gehalten werden. Das heißt, sie müssen genügend Platz haben und nach draußen gehen können, wenn das Wetter es zulässt. Sie dürfen nicht angebunden oder isoliert werden (es sei denn, sie sind krank). Antibiotika sollen sie nur im Notfall bekommen.

Das deutsche Bio-Siegel

Das grün umrandete Sechseck mit dem "Bio"-Schriftzug drin ist älter und bekannter als das EU-Bio-Logo. Deswegen befindet es sich auch heute noch auf vielen Bio-Produkten, obwohl es nichts anderes bedeutet als das EU-Logo. Denn die Anforderungen, die man erfüllen muss, wenn man die Siegel auf seinem Produkt haben möchte, sind dieselben.

Ein Bio-Produkt muss übrigens nicht unbedingt zu 100 Prozent aus ökologischem Landbau kommen. 95 Prozent reichen, wenn es Zutaten enthält, die es nicht als Öko-Variante gibt.

Dass die Kriterien für den Ökolandbau eingehalten werden, dafür sorgen diverse Kontrollstellen. Sie schauen mindestens einmal im Jahr angemeldet beim Landwirt vorbei, manchmal auch unangemeldet. Auf einen Missbrauch des Bio-Labels stehen Geldbußen und Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr.

Das Naturland-Logo

Neben dem EU- und dem staatlichen Label gibt es noch einige private Verbände. Manche von ihnen gibt es schon deutlich länger als die EG-Öko-Basisverordnung oder das deutsche Bio-Siegel. Die bekanntesten sind Naturland, Bioland und Demeter. Sie alle stimmen in vielen Punkten mit den EU-Regeln überein, einige Punkte sind bei ihnen aber strenger.

Den Öko-Landbauverband Naturland gibt es seit 1982. Mit zehn Bauern fing es an, heute machen 54.000 Bauern, Imker und Fischwirte in 52 Ländern mit. Den Verband zeichnet unter anderem aus, dass er Regeln für einen sozialen Umgang mit Mitarbeitern entwickelt hat. Zudem hat er beim Dünger und dem Platz für die Tiere niedrigere Grenzwerte als die EU - beziehungsweise überhaupt welche, denn beim Dünger gibt es in der EU-Verordnung keine Höchstmenge.

Außerdem ist die Liste der erlaubten Zusatzstoffe kürzer. 22 sind es. Die EU erlaubt 53.

Das Bioland-Logo

Bioland ist älter als Naturland. Den Verein gibt es seit Mitte der 1970er-Jahre. Rund 7.300 Landwirte, Gärtner, Imker und Winzer machen mit, dazu kommen mehr als 1.000 Bäckereien, Molkereien, Metzgereien, Gastronomen und andere.

Wie Naturland macht Bioland strenge Vorgaben zur maximalen Düngemenge, nämlich 112 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr. Die Zahl der Tiere, die pro Hektar gehalten werden dürfen, ist ebenfalls identisch mit den Naturland-Vorgaben: 140 Hennen, 280 Masthähnchen und 10 Mastschweine. Nach EU-Richtlinien dürfen es 230 Hennen, 580 Hähnchen und 14 Schweine sein.

Bioland erlaubt 24 Zusatzstoffe. Verboten ist unter anderem Nitritpökelsalz für eine längere Haltbarkeit von Wurst. Die EU erlaubt das. Anders als in der EU-Verordnung ist zudem Fischmehl als Futtermittelbestandteil nicht zulässig.

Das Demeter-Logo

Demeter ist der älteste Bioverband in Deutschland. Ihn gibt es seit 1924. Mehr als 1.500 Landwirte mit knapp 82.000 Hektar arbeiten nach Demeter-Standards. Außerdem gibt es rund 330 Einzelhandel- und Großhandelspartner.

Demeter legt besonders viel Wert darauf, dass der Bauernhof ein weitgehend geschlossener Kreislauf ist, also möglichst wenig auf Mittel von außen angewiesen ist. So müssen mindestens 50 Prozent des Futters für die Tiere vom eigenen Betrieb (oder einem Partnerbetrieb) stammen. Außerdem sollen auf jedem Hof auch Tiere gehalten werden, damit Tierdung und -gülle als Dünger verwendet werden können.

Nach Demeter ist es nicht erlaubt, Milch zu homogenisieren. Nitritpökelsalz zum Haltbarmachen ist ebenfalls verboten. Es gibt auch spezielle Regelungen zum Tierschutz: Zum Beispiel dürfen bei Kühen - anders als in der EU-Verordnung - die Hörner nicht entfernt werden. Diese "Enthornung" wird von manchen Betrieben gemacht, um mehr Tiere in einem Stall unterbringen zu können.

Die Bio-Siegel der Discounter

Auch Discounter wie Aldi und Lidl haben den Markt der Bio-Lebensmittel längst für sich entdeckt. Dass sie zusätzlich zum EU-Logo oder dem deutschen Bio-Siegel noch eigene Label haben, ist nur eine Sache des Marketings. Die Standards sind die der EG-Öko-Basisverordnung.