Weltmusik aus Oberbayern

Die Folkrocker von Django 3000 verlassen sich auf ihrem fünften Studioalbum auf altbewährte Mittel und sind doch in gewisser Weise erwachsen geworden.

Egal ob beim Taubertal-Festival, beim Chiemsee Summer oder auf dem Münchener Tollwood-Festival: Auf kaum einem Line-up eines süddeutschen Festivals fehlte in den letzten Jahren die Musik von Django 3000. Mit ihrem eigenwilligen Mix aus Gypsy Music, Balkan Boogie und Blues hat es die fünf Musiker um den charismatischen Sänger Kamil Müller aber auch schon längst über den Weißwurstäquator hinaus verschlagen. Selbst in Indien und Südkorea begeisterten die Musiker aus dem Chiemgau mit ihrem energetischen Folkrock schon die Zuschauer. Zwei Jahre nach ihrem letzten Album melden sich Django 3000 nun mit neuer Musik zurück. Während "Im Sturm" so wild war wie keine vorherige Veröffentlichung der Band, nimmt das Quintett auf ihrem neuesten Langspieler "Django 4000" den Wind aus den Segeln.

Ein "bisserl erwachsener, vielleicht auch reflektierter" sei der Sound geworden, drückt es der Geiger Florian Starflinger aus. Und tatsächlich: Im Vergleich zu der überbordenden Intensität des Vorgängers präsentiert sich der immer noch klassische Bandsound auf "Django 4000" differenzierter und weniger üppig arrangiert. Am deutlichsten kommt die Neuausrichtung auf der vorab veröffentlichten Single "Heimat" zum Tragen, in der der gebürtige Slowake Kamil Müller seine bayerische Wahlheimat besingt: "Wo de Berg san / Oda nur a ebens Feld / Wo de Freind san / Do is ah dei Herz / Do gspiast as Lem, gspiast ah an Schmerz / Des is dei Dahoam, wo sich Heimat nennt". Musikalisch spiegelt sich die Liebeserklärung in einer klassischen Pop-Ballade wider.

Vielfältige Einflüsse

Trotz dieses Ausfluges in massentaugliche Gefilde bleiben sich Django 3000 in den elf neuen Songs immer treu. Die Band lässt sich musikalisch keinem Genre eindeutig zuordnen, sondern besticht mit vielfältigen Einflüssen - Weltmusik aus Oberbayern sozusagen. Der Titel "Dirty Scum" etwa beginnt orientalisch angehaucht, nur um sich dann in einem rockigen Refrain zu entfalten und nach einem akustisch-poppigen Teil mit experimentellen Synthesizer-Klängen zu enden. Prägnant sind auch die Balkansounds, die sich beispielsweise im energetischen Song "Voodoo" finden, der von einer toxischen Beziehung handelt. Der gesellschaftskritische Album-Opener "Menschen von morgen" ähnelt gar einstigen ESC-Beiträgen osteuropäischer Länder.

Durch das ständige Pendeln zwischen verschiedenen Stilen ist "Django 4000" nicht immer leicht zugänglich. Gerade Neueinsteiger werden sich nach den ersten Höreindrücken schwertun mit dieser Platte. Die Fans der Band dürfte das fünfte Studioalbum allerdings zufriedenstellen.

Django 3000 - Heimat