"Wir machen einfach eine gute Komödie"

Seit 13 Jahren spielt Janina Hartwig Schwester Hanna in "Um Himmels Willen". Nun geht die ARD-Serie in ihre 18. Staffel.

Wenn Janina Hartwig von ihrer Beteiligung am sozialen Projekt "Wünschewagen" erzählt, ist sie kaum zu bremsen. Wirkt privates Engagement bei anderen Prominenten manchmal aufgesetzt, erscheint die 57-Jährige in dem Wunsch, anderen zu helfen, authentisch. Das Gute im Menschen zu sehen und selbst vermeintlich aussichtslosen Situationen etwas Positives abzugewinnen, ist auch ihrer Rolle als gutherzige, aber resolute Nonne Schwester Hanna in der ARD-Serie "Um Himmels Willen" immanent. Seit 2006 liefert sich Hartwig in dem TV-Dauerbrenner einen Schlagabtausch mit Fritz Wepper als kauzigem Bürgermeister Wöller. Vor Beginn der 18. Staffel des Traditionsformats (Dienstag, 26. März, 20.15 Uhr) verrät die Schauspielerin, weshalb die Serie noch immer so erfolgreich ist, spricht über Schubladendenken und erzählt von einer ganz besonderen Freundin.

teleschau: Im Interview mit Werner Schmidbauer erzählten Sie einst, dass Sie gerne reisen. Was war Ihr letztes Ziel?

Janina Hartwig: Jedes Jahr nach den Dreharbeiten fahre ich weg und mache eine Ayurvedakur. Jetzt war ich in Sri Lanka. Dort hatte ich 14 Tage, in denen ich mich nur um mich kümmern durfte. Das ist ein großer Luxus. Durch spezielle Ernährung und Massagen entgiftet man dort, ich meditiere und mache Yoga.

teleschau: Was macht für Sie die Faszination des Reisens aus?

Hartwig: Einmal bin ich Sternbild Zwilling, die reisen sowieso sehr gerne. Und zum anderen bin ich ein DDR-Kind, durfte also 30 Jahre lang nur sehr eingeschränkt reisen. Insofern habe ich immer das Gefühl, ich muss sehr viel nachholen, und ich will auch nichts verpassen.

teleschau: Glauben Sie an Spiritualität und Sternzeichen?

Hartwig: Jein. Ich bin nicht gläubig erzogen worden, aber ich glaube, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir uns nicht mit dem menschlichen Verstand erklären können. Als ich kürzlich in Jerusalem war, hat es mich zutiefst berührt, mich auf die Wurzeln unseres christlichen Abendlandes zu begeben. Das sind unsere Werte, damit leben wir seit 2.000 Jahren.

teleschau: Vor zwei Jahren haben Sie eine besondere Reise gemacht, waren mit der Welthungerhilfe in Sierra Leone.

Hartwig: Ja, für mich ist es wichtig, Menschen und andere Kulturen kennenzulernen und so über den Tellerrand hinauszuschauen. Es erweitert den eigenen Horizont und relativiert sehr viele Probleme, mit denen wir uns hier herumschlagen.

Sozial engagiert

teleschau: Sie engagieren sich auch für das Projekt "Wünschewagen".

Hartwig: Ich bin Projektpatin. Der "Wünschewagen" ist ein Krankenwagen des Arbeiter-Samariter-Bundes, der sterbenden Menschen einen letzten Wunsch erfüllt. Das ist eine sehr emotionale Arbeit, die einen an Grenzen bringen kann. Wir sind ein Team von rund 60 ehrenamtlichen Mitarbeiten, und das ganze Projekt finanziert sich nur durch Spenden.

teleschau: Können Sie von einem Ihrer Fahrgäste erzählen?

Hartwig: Wir hatten vor Kurzem eine Frau Mitte 50, die an Brustkrebs im Endstadium litt. Sie wollte gerne an den Spitzingsee. Eigentlich hieß es, die Dame sei nicht ansprechbar und habe nicht mehr die Kraft, auf ihre Umgebung zu reagieren. Aber als sie bei uns im Wagen lag, hat sie die Augen aufgemacht und war ansprechbar. Wir erleben einfach, dass es nicht nur ein Moment des Sterbenden ist, sondern auch der Angehörigen. Alle können danach leichter loslassen. Mittlerweile ist die Frau verstorben.

teleschau: Wollen Sie mit Ihrem Engagement dazu beitragen, einen natürlicheren Umgang mit dem Tod zu etablieren?

Hartwig: Jeden von uns wird das Thema irgendwann betreffen, ob durch die Verwandtschaft oder den eigenen Tod. Sterben und Tod spielen in unserer Gesellschaft aber kaum eine Rolle. Wie kann man den Ängsten, die damit verbunden sind, begegnen? Das finde ich extrem wichtig.

"Wir machen einfach eine gute Komödie"

teleschau: Sie haben in Ihrer Rolle in "Um Himmels Willen" schon getanzt, gesungen, sind Fallschirm gesprungen und verkörpern allgemein ein modernes Bild der Nonne. Wer oder was inspiriert Sie?

Hartwig: Ich habe eine gute Freundin, die ist Nonne, heißt Schwester Hanna und mit bürgerlichem Namen Janina. Sie habe ich auch schon mehrfach in ihrem Kloster besucht. So ein Orden ist wie ein kleiner Mikrokosmos, auch da menschelt es. Da gibt es hundert verschiedene Meinungen. Wir machen ja keinen Dokumentarfilm über das Leben in einem Kloster, sondern erzählen Geschichten über Menschen in einem Ort, in dem es eben auch ein Kloster gibt.

teleschau: Damit sind Sie sehr erfolgreich und fahren auch nach 17 Staffeln noch immer gute Quoten ein. Was macht in Ihren Augen den Erfolg von "Um Himmels Willen" aus?

Hartwig: Viele unserer Zuschauer sagen: Ich möchte keinen Mord und Totschlag mehr, sondern mich am Abend gepflegt und sinnvoll unterhalten. Wir erzählen Geschichten aus dem Heute und Jetzt. Dabei ist uns wichtig, die Zuschauer mit einem positiven Ende aus der Folge zu entlassen. Außerdem erkennen sich die Leute in den Geschichten wieder oder den Nachbarn, den Politiker. Diese Nahbarkeit macht den Erfolg aus, und wir machen einfach eine gute Komödie.

teleschau: In der öffentlichen Wahrnehmung werden Sie hauptsächlich als Schwester Hanna gesehen. Wurmt Sie das, auf diese Rolle reduziert zu werden?

Hartwig: Ich möchte natürlich als Schauspielerin wahrgenommen werden, deshalb versuche ich in den Drehpausen auch immer andere Sachen zu machen. Sollte es "Um Himmels Willen" irgendwann nicht mehr geben, hoffe ich, dass ich in keine Schublade gesteckt werde. Dass die Leute mich als Schwester Hanna identifizieren, ist aber auch eine Anerkennung. Scheinbar erreiche ich die Menschen mit meinem Spiel.

teleschau: Die Kirche hat in den vergangenen Monaten mit den Missbrauchsvorwürfen sehr viele Schlagzeilen gemacht. Nehmen Sie das durch Ihre Rolle als Nonne besonders wahr?

Hartwig: Das beschäftigt mich als Janina Hartwig, und ich finde Missbrauch gehört bestraft und geahndet, weil das nirgendwo passieren darf. Und schon gar nicht in der Kirche!