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Wolfgang Niedecken: "Muss mich bei Angela Merkel entschuldigen"

Lange hatte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken von Angela Merkel nicht die beste Meinung. Nun verriet der Musiker in einem "Bild"-Interview, warum sich das geändert hat und warf einen Blick auf Merkels möglichen Nachfolger beziehungsweise ihre mögliche Nachfolgerin.

Mit der Bundestagswahl am 26. September beendet Angela Merkel ihre 16 Jahre andauernde Amtszeit als Bundeskanzlerin. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken erläuterte nun in einem Interview mit "Bild", dass er Merkel mit seiner Einschätzung lange Zeit Unrecht getan habe. "Bei Angela Merkel habe ich seit 2015 das Gefühl, dass ich mich bei ihr entschuldigen müsste", so das Kölsche Original. "Denn zu Anfang ihrer Amtszeit habe ich mich eher über sie lustig gemacht." Niedecken revidierte seine Meinung zur Kanzlerin nicht zuletzt aufgrund ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage. "Spätestens nach ihrem Verhalten bei der Flüchtlingskrise habe ich vor ihr den Hut gezogen. Das war wirklich großartig."

Der 70-Jährige ist der Meinung, man müsse sowas eben auch einmal zugeben können. Wolfgang Niedecken hebt auch Merkels Charaktereigenschaften hervor. "Auch ihre Besonnenheit, die wird uns noch mal fehlen. Das Irre ist ja, dass sie überhaupt nicht eitel ist." Zu Beginn ihrer Amtszeit habe man das noch Aussitzen genannt, dies sei jedoch der falsche Begriff. "Sie hat bei der Flüchtlingskrise nichts ausgesessen, sie hat für ihre Werte gestanden. Das war beispielhaft", lobte der BAP-Sänger im Gespräch mit "Bild".

"Die Geschichte der Menschheit ist nicht mit eurem Ableben zu Ende"

Mit Blick auf Merkels möglichen Nachfolger respektive ihre Nachfolgerin erklärte Niedecken, er finde Armin Laschet privat durchaus sehr sympathisch. "Wir sind uns mehrfach über den Weg gelaufen, und ich habe nie gedacht, hoppla, was ist denn das für einer?", so der Kölschrocker. "Wenn Sie mich fragen, was ich ihm sagen würde: Mach mal klare Kante beim Thema Impfpflicht anstatt herum zu lavieren." Bei den Grünen habe er den Eindruck, man habe bei der Kandidatenkür zu hoch gepokert. "Der Robert Habeck war zu dem Zeitpunkt bereits sehr gut eingeführt und hat seine hervorragenden Bücher auch selbst geschrieben", spielt Niedecken auf Annalena Baerbock an.

Dann wäre da ja noch der Spitzenkandidat der SPD, Olaf Scholz. Niedecken ist der Meinung, Scholz habe sich die ganze Zeit über so unauffällig verhalten, dass er nun Lieblingskanzler der Deutschen wäre. Seiner Meinung nach ist dies nicht der richtige Weg. "Ich weiß nicht, ob diese Leisetreterei jetzt das Programm ist", so der Musiker. "Die Entschlossenheit, etwas durchzusetzen, bekommst du natürlich nicht mit Leisetreten vermittelt." Mit Blick auf die Bundestagswahl appellierte Wolfgang Niedecken: "Geht unbedingt wählen und denkt an die nächste Generation, an die eurer Kinder und Enkel. Die Geschichte der Menschheit ist nicht mit eurem Ableben zu Ende."

Niedecken fand neben Angela Merkel auch noch für eine weitere Politikerin lobende Worte: Henriette Reker, die parteilose Bürgermeisterin seiner geliebten Heimatstadt Köln. "Frau Reker macht das gut! Sie versucht ausgleichend zu sein und für Köln das Beste zu erreichen." So habe sich die Fahrradtauglichkeit in der Rheinmetropole deutlich verbessert. "Von Sechs auf Drei Minus ist doch schon einmal super, oder?"