Zum Abschied: The kids are erwachsen

So geht Abschied: Die Killerpilze beenden vorerst mal ihre Karriere und präsentieren dazu ein sozialkritisches, politisches, nachdenkliches Album. Hörenswert!

Nach "17 Jahren Vollgas", wie es das Trio aus München selbst in ihrem digitalen Abschiedsbrief formuliert, ist nun die Zeit des Abschieds gekommen. Diese Platte und die anschließende Tour im November sollen die "vorerst" letzten Bandaktivitäten der Killerpilze sein. Und weil alles vielleicht nicht mehr so wichtig erscheint, läuft die ehemalige Teenieband in den zwölf Songs von "Nichts ist für immer" zur Höchstleistung auf.

"Da lässt sich was dran ändern, wenn du aufstehst, für etwas auf die Straße rausgehst", singen Jo und Mäx im Song "Mutausbruch", und das bezieht sich sicherlich nicht nur auf den allgemeinen Konsens, dass es höchste Eisenbahn ist, das Klima zu schützen, Populisten zu entlarven und generell bewusster zu leben. Spätestens seit der ersten Protestaktion von Klimaschutz-Galionsfigur Greta Thunberg sollten die Leute in den Machtpositionen der Welt verstanden haben, dass die Jugend nicht darauf hofft, dass endlich etwas passiert, sondern selbst die Initiative ergreift.

Luft für Ideen

Jugend bedeutet für die Killerpilze die Gründung der Band im Jahr 2002 in Dillingen an der Donau, als sie alle noch zur Schule gingen. Die Bekanntheit der Alternative-Rock-Punkband nahm rasant zu. Ein erfolgreiches erstes Album bei einem großen Plattenlabel und endlos viele Konzerte in allen Ecken von Europa warfen die noch nicht volljährigen Musiker bald schon in den Rockstar-Strudel, mit dem man eben erst einmal umgehen lernen muss. Der bandeigene Kinofilm "Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze" von 2017 berichtet ausführlich und differenziert darüber. Aber auch von den nicht gerade wenigen negativen Seiten des plötzlichen Erfolgs.

Und nun haben sich die drei ehemaligen Teeniepresse-Schwärme für eine unbestimmt lange Pause entschieden, wie sie in einem auf der Homepage zu lesenden Brief verkünden. "Nach diesem Jahr ist es aber an der Zeit, Luft zu holen. Luft, um neuen Ideen zu begegnen", heißt es da. Das hat mit Erwachsenwerden zu tun, mit dem Wandel der Musikindustrie und vielleicht auch mit schwindendem Erfolg einer Band, die einst die durchaus coole und später wieder selbstbestimmte Variante eines Teenie-Rockstartraums war.

An den Rändern rau

Da gerät das neue Album beinahe in Vergessenheit, völlig zu Unrecht. Sozialkritisch, politisch, nachdenklich, und in einen fetten Gitarrenrocksound verpackt, der immer noch in den Mainstream hineinpasst, aber an den Rändern auch ein bisschen rauer geworden ist. Die Distanz zum Genre "Deutschpunk" ist in einer guten Art und Weise schmaler geworden, und Features von Curse ("Nachtronauten"), Massendefekt ("Letztes Leben"), ZSK ("Gegenparty") und ITCHY ("Gefahr") beweisen, dass hier tatsächlich eine im Musikgeschäft durchaus geschätzte Band verloren geht.

Vorerst, wie es mehr als einmal von Seiten der Band heißt. Und mit einem souveränen und erwachsenen Album wie "Nichts ist für immer" kann man die Proberaumtür dann auch mit gutem Gewissen erstmal abschließen und Luft atmen gehen. The kids are erwachsen, das gilt nicht nur für die Band, sondern sicher auch für die Fans, die diese unbestimmte Pause und das zugehörige Album mit Trauer, aber auch mit Verständnis aufnehmen werden.

Killerpilze - Planet B