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Chemnitz

60 Jahre Frohburger Dreieck kann nicht gefeiert werden

MOTORSPORT Traditionsveranstaltung lebt weiter

Frohburg. 

Frohburg. Nun ist auch das Frohburger Dreieck 60, doch wegen Corona bekommt das kaum jemand mit. Am 21. August 1960 dröhnten bei einer Ein-Tages-Veranstaltung erstmals Rennmotoren auf dem Dreieckskurs südlich der Kleinstadt, dem Tor zum Kohrener Land. Eine geplante Jubiläumsfestveranstaltung musste auf Grund der lähmenden Restriktionen genauso abgesagt werden, wie das diesjährige Rennen.

Das erste wurde noch vom MC Braunkohle Borna, doch schon am 15. September des gleichen Jahres wurde der MC Frohburger Dreieck gegründet. Als Strecke wurde die damalige F95 in südliche Richtung bis zum Eschefelder Kreuz (F 95/F 7), auch als Jugendkurve bekannt, befahren. Dort bog sie links ab Richtung Geithain und führte am "Grauen Wolf" wieder links zurück nach Frohburg. Das ergab eine Streckenlänge von 5,834 km. Schon beim ersten Rennen gab es neben Ausweis- und Serienrennen auch eine Lizenzklasse. Den Lauf zur DDR-Meisterschaft der 125-ccm-Klasse gewann der später auch als Tuner sehr erfolgreiche Hartmut Bischoff auf MZ.

Das Dreieckrennen mausert sich

Mit dem zweiten Rennen 1961 rückte man in den September. Der Termin drittes oder viertes Septemberwochenende ist seit dem, mit geringen Abweichungen, der Traditionstermin für das Frohburger Dreieckrennen für Motorräder, denn ab 1970 wurde das Programm mit Autorennen ergänzt. Am 24. September 1961 waren dann schon die beiden DDR-Solo-Lizenklassen bis 125 bzw. 250 ccm am Start. Beide Rennen gewann der MZ-Werksfahrer Werner Musiol.

Im April 1962 wurde der bis heute markante, wenngleich nicht mehr in seiner eigentlichen Funktion genutzte Start- und Zielturm in Eigenleistung der Clubmitglieder gebaut. Er erleichterte über viele Jahre die Arbeit der Rennleitung bzw. der Organisation und dient noch heute als Vereinsheim. 1966 gewann Helga Steudel, nach ihrem Sensationssieg 1965 auf dem Sachsenring, im Rennen der Klasse bis 125 ccm Ausweis nun auch auf dem Frohburger Dreieck als erste Frau ein Motorradrennen.

1968 fiel das Frohburger Dreieckrennen wegen des Prager Frühlings erstmals aus. Die F 95 war für Panzer der sowjetischen "Bruderarmee" freizuhalten. Trotz enger (Positions-)Kämpfe ging es dann ab 1970 erstmals mit Rennautos weit friedfertiger über den Kurs. Erst ab dem Rennen 1973 war das Frohburger Dreieck durchgängig mit einer Bitumen-Schicht überzogen. Zuvor ging es teilweise über Kopfsteinpflaster. In den Genuss dieser Verbesserung sollten Fahrer aus dem nichtsozialistischen Ausland nicht mehr kommen, denn ab jenem Jahr hatten die DDR-Bonzen deren weitere Teilnahmen am Motorsport in der DDR untersagt.

DDR-Rennfahrer mischen auch wieder in der Top-Klasse vorn mit

1986 fuhr der Zschopauer Johannes Kehrer im Rennen der DDR-Königsklasse (bis 250 ccm Zweizylinder) auf den dritten Rang und brachte damit den Gesamtsieg im "Pokal für Freiden und Freundschaft", wenn man so will die sozialistisch geprägte osteuropäische Meisterschaft, unter Dach und Fach. Zwei Jahre später durchbrach der Thalheimer Lothar Neukirchner bei den 250er-Zweizylindern sogar die Dominanz und Siegesserie der vornehmlich ungarischen Fahrer

Ein Jahr später durften in der bröckelnden DDR auch wieder Fahrer aus dem westlichen Ausland starten. Auch die internationale Top-Klasse bis 500 ccm wurde dabei erstmals in Frohburg vorstellig. Das Rennen gewann der Österreicher Rudolf Zeller.

1990 waren dann erstmals auch die Superbikes im Programm. Dieses Rennen sah mit Arpad Harmati einen altbekannten Ungarn als Sieger.

Die Kultveranstaltung in neuem Gewand

Nachdem 1991 in Frohburg im Zuge der Nachwendewirrungen kein Rennen stattfand, ging es 1992 letztmals über den alten Kurs. Ab 1993 wurde die Strecke mittels der Gewerbegebietsstraße im Süden Frohburgs auf 4,780 km verkürzt, was für die Zukunftssicherung des Dreiecks, welches seitdem eigentlich gar keines mehr ist, ein absolutes Muss war.

Nachdem 1994 erstmals auch Gespanne über den Kurs bretterten, erhielt das längst zur Traditionsveranstaltung mutierte Rennen 1995 hohen Besuch. Der erfolgreichste Rennfahrer auf der Isle of Man, der Nordire Joey Dunlop, trat in zwei Klassen an und gewann von denen das internationale 125er-Rennen.

Vielleicht entwickelte sich auch daraus in Frohburg nach und nach die Liebe zum puren Road Racing. In dieser Szene ist man inzwischen eine der ersten Adressen und Ideengeber. So fanden hier zu Beginn des neuen Millenniums die ersten Gespräche mit gleichgesinnten Niederländern und Belgiern zum Drei-Nationen-Cup statt. Dieser wurde schließlich 2003 mit Rennen in Hengelo und Oostende aus der Taufe gehoben und 2009 vom Limbach-Oberfrohaner Didier Grams erstmals gewonnen. 2010 wurde daraus die IRRC - International Road Racing Championship, in der sich Didier Grams als erster Gesamtsieger in den Geschichtsbüchern verewigte.

Mit zum Beispiel Rennen in Tschechien (Horice, Terlicko) oder auch Finnland (Imatra) wurde die IRRC sukzessive ausgebaut und genießt heutzutage ein hohes Ansehen. Dem Frohburger Dreieckrennen kam dabei immer der Part zu, das Saisonfinale auszurichten. Leider nicht in diesem verflixten (ersten?) Corona-Jahr 2020, in dem es weder die IRRC, noch das 58. Frohburger Dreieckrennen gibt. Demzufolge musste man schweren Herzens auch die Jubiläen 60 Jahre Frohburger Dreieckrennen und 60 Jahre MSC Frohburger Dreieck auf 2021 verschieben.