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AstraZeneca: Debatte um den Impfstoff wird immer kurioser

Regel Sachsen setzt Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz um

Dresden. 

Dresden.  Es wird immer kurioser anstatt vertrauenswürdiger um den Impfstoff AstraZeneca. Grund: Nach einem einstimmigen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz gibt es schon wieder einen Impfstopp, diesmal für Menschen unter 60 Jahren ab dem 1. April. Anfangs wurde das Vakzin nur für Menschen im Alter von von 18 bis 64 Jahren zugelassen, da für Ältere nicht genügend Studiendaten verfügbar waren. Mitte März wurde der Impfstoff dann vorübergehend aufgrund von Verdachtsfällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen ausgesetzt. Nachdem die europäische Arzneimittel-Agentur EMA und die Ständige Impfkommision sich für eine weiteren Einsatz den Mittels ausgesprochen hatten, ging das Impfen mit AstraZeneca weiter. Mit der erneuten Entscheidung, den Impfstoff nur für einen Teil der Bevölkerung zuzulassen, verzögert sich die deutsche Impfkampagne nun erneut. 

31 Verdachtsfälle vermehrt bei Frauen

Grund für den erneuten Stopp sind derzeit verfügbare Daten zum Auftreten "seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen". Diese seien 4 bis 16 Tage nach der Impfung überwiegend bei Personen im Alter unter 60 Jahren aufgetreten, teilte das beim Robert Koch-Institut angesiedelte Gremium mit. Wie das Paul-Ehrlich-Institut am Dienstag berichtete, sind mittlerweile 31 Fälle solcher Blutgerinnsel nach Impfungen mit Astrazeneca bekannt. Mit Ausnahme von zwei Fällen betrafen alle Meldungen zu den Auffälligkeiten Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren 36 und 57 Jahre alt. Laut Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts wurden bis einschließlich Montag 2,7 Millionen Erstdosen und 767.000 Zweitdosen von Astrazeneca verimpft.

Auch Sachsen reagiert

Nach einem einstimmigen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Bund und Ländern kommt der Impfstoff von AstraZeneca in Sachsen ab sofort vorsorglich in der Regel nur noch bei Personen zum Einsatz, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Dazu erklärt Gesundheitsministerin Petra Köpping: "Wir nehmen die Berichte über Komplikationen sehr ernst. Nach den Beratungen der Gesundheitsminister hat Sachsen sofort gehandelt. Wir werden der betroffenen Altersgruppe ab morgen einen anderen Impfstoff anbieten, die Termine können stattfinden. Wichtig ist mir, dass die Impfungen in Sachsen trotzdem zügig und sicher weitergehen können." Gleichzeitig gelte aber weiterhin: "AstraZeneca ist ein hochwirksamer Impfstoff, der sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützt."

Alternativen für bereits Geimpfte

Alle für den heutigen Mittwoch (31. März) vereinbarten Termine können stattfinden. Betroffenen Personen unter 60 Jahren wird die Impfung mit Moderna oder Biontech/Pfizer angeboten. Für Personen über 60 Jahren, gilt: Bereits vereinbarte Termine mit AstraZeneca haben Bestand. Sollten diese Personen den Impftermin nicht wahrnehmen, wird ihnen automatisch und schriftlich in der Woche nach Ostern ein neues Impfangebot unterbreitet. Ab dem 1. April werden alle bereits vereinbarten Erstimpf-Termine in den sächsischen Impfzentren mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech bzw. Moderna durchgeführt, unabhängig von Alter oder Geschlecht.

Jüngere können sich trotzdem impfen lassen

Es ist aber weiter möglich, dass jüngere Personen aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 mit AstraZeneca geimpft werden können. Dies gilt, wenn die Entscheidung gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entschieden wurde. Dies soll gemäß GMK-Beschluss grundsätzlich in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erfolgen. Der Beschluss sieht darüber hinaus vor, dass Bundesländer bereits jetzt auch die 60- bis 69-Jährigen für AstraZeneca in ihre Impfkampagne einbeziehen können. Sachsen bereite dies nun vor, heißt es in einer Mitteilung. 

Durchstarten mit angezogener Handbremse

Wie sehr sich die Entscheidung auf das Impftempo insgesamt auswirkt, bleibt offen. Fakt ist: Im zweiten Quartal werden insgesamt deutlich größere Impfstoffmengen erwartet. Die Hersteller haben laut einer Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums rund 70 Millionen Dosen in ihren Prognosen zugesagt: 40,2 Millionen sollen demnach von Biontech/Pfizer kommen, 12 bis 15 Millionen von AstraZeneca, 6,4 Millionen von Moderna und rund 10 Millionen vom neu zugelassenen Impfstoff Johnson & Johnson. 

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