Autorin aus Sachsen geehrt: Heike Geißler erhält den Sächsischen Literaturpreis 2026

Sie schreibt über Gegenwart, Arbeit und gesellschaftliche Widersprüche. Jetzt erhält Heike Geißler dafür eine große Ehrung.

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Literatur, die ringt, fragt und der Gegenwart nicht ausweicht: Für genau dieses Schreiben wird Heike Geißler nun geehrt. Die Schriftstellerin erhält den Sächsischen Literaturpreis 2026.

Entscheidung der Jury gefallen

Das hat die vom Sächsischen Literaturrat eingesetzte Jury entschieden. Ihr gehörten der ehemalige Direktor der Leipziger Buchmesse Oliver Zille als Vorsitzender, die Journalistin und Literaturkritikerin Dr. Katrin Schumacher, die Literaturwissenschaftlerin und Lektorin Prof. Dr. Silke Horstkotte, die Veranstaltungskuratorin Odile Vassas sowie der Literaturkritiker und Autor Dr. Burkhard Müller an.

Jury würdigt kämpferisches und fragendes Schreiben

In ihrer Begründung beschreibt die Jury Heike Geißler als Autorin, die sich in ihren Texten konsequent mit Gegenwart und gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzt.

Wörtlich heißt es: „Wo auch immer sie antritt, sie kämpft. Ob in ihren Essays („Verzweiflungen“ 2025, „Arbeiten“ 2025, „Liegen“ 2022, „Saisonarbeit“ 2014) oder in ihren Romanen von dem 2002 publizierten Debüt „Rosa“ über den Protestroman „Die Woche“ von 2022 bis zu dem gerade erschienenen Roman „Michaela Kohlhaas“ – in ihrer Literatur macht sie es sich und ihren Leserinnen und Leser nicht leicht, sie ringt und denkt und fragt.“

Zwischen Analyse und Zärtlichkeit

Die Jury hebt hervor, dass Geißlers Texte nie verbissen wirkten. Stattdessen seien sie fragend, mitunter zärtlich und oft sacht im Verzweifeln begriffen.

Weiter heißt es, ihre Analyse der Gegenwart sei „doppelt und dreifach“ und zeige sich sowohl in den persönlichen Essays als auch in den überbordenden, märchenhaften und experimentellen Formaten ihrer Bücher.

Blick auf den aktuellen Roman

Besonders verweist die Jury auf den aktuellen Roman „Michaela Kohlhaas“. Darin lasse Heike Geißler die Titelfigur „mit ihrer ganzen Körperlichkeit und ihrem Sprachvermögen gegen die brüchige Solidarität und die Kapitalisierung der Gesellschaft in einen so noch nicht erdachten Kampf ziehen“.

Außerdem bescheinigt die Jury der Autorin einen besonderen Zugriff auf die Welt. Heike Geißler schaue „mit dem Blick einer politischen Philosophin“ auf die Wirklichkeit.

Eine der interessantesten Stimmen der Gegenwartsliteratur

Zum Abschluss ihrer Begründung würdigt die Jury das bisherige Werk der Autorin als über zwanzigjähriges Schaffen. In dieser Zeit habe sich Heike Geißler „den Status einer der interessantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur erschrieben“.

Genau dafür werde ihr nun der Sächsische Literaturpreis 2026 zugesprochen.

Kulturministerin Klepsch gratuliert

Auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch äußerte sich zur Preisvergabe. Sie erklärte: „Ich gratuliere Heike Geißler herzlich zum Sächsischen Literaturpreis 2026. Wir zeichnen eine Autorin aus, die unseren Alltag und die moderne Gesellschaft mit großer Präzision analysiert.“

Ihre Texte übersetzten komplexe Beobachtungen und gesellschaftliche Widersprüche in eine klare und bisweilen humorvolle literarische Form. Zudem rege Geißler ihr Publikum zum Nachdenken an und lade dazu ein, gemeinsam nach Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu suchen.

Arbeit als zentrales Motiv

Barbara Klepsch betont besonders das Thema Arbeit als zentrales Motiv im Werk der Autorin. Heike Geißler beleuchte dabei sowohl die Realität prekärer Beschäftigungsverhältnisse als auch den intellektuellen Prozess der Erkenntnisgewinnung.

Die Ministerin nennt sie „eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“, deren Strahlkraft weit über Sachsen hinausreiche.

Geboren in Riesa, heute in Leipzig zu Hause

Heike Geißler wurde 1977 in Riesa geboren. Sie studierte Amerikanistik, Politik und Geographie in Dresden sowie Hispanistik und Literaturwissenschaften in Halle an der Saale.

Zu ihren zahlreichen bisherigen Auszeichnungen zählen unter anderem Stipendien des LCB und des DAAD, ein Aufenthalt in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, der Förderpreis zum Lessingpreis des Freistaates Sachsen, der Klopstock-Preis für neue Literatur, der Heinrich-Böll-Preis und der Bayerische Buchpreis.

Heute lebt Heike Geißler mit ihrer Familie in Leipzig.

10.000 Euro Preisgeld und Verleihung im Oktober

Der Sächsische Literaturpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Preisgeld stellt das Sächsische Kulturministerium zur Verfügung.

Die Preisverleihung findet am 15. Oktober in der Leipziger Stadtbibliothek statt.

Diese Autoren wurden bisher geehrt

Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern des Sächsischen Literaturpreises zählen Angela Krauß 2024, Lukas Rietzschel 2022, Daniela Krien 2020, Róža Domašcyna 2018, Franziska Gerstenberg 2016, Jan Kuhlbrodt 2014 und Andreas Altmann 2012.

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