Bei Verbrechern und Rassisten hört das Verständnis auf

Philosophien Die Entwicklung in den Kinderschuhen

Yannicks Philosophien

Soweit ich weiß war ich irgendwann da und existierte einfach. Kam sozusagen direkt in den Hauptteil, Spannungskurve für den Arsch. Während die Zeit unerbittlich nach vorne treibt, vergeht sogar die Erinnerung an den Anfang des Hauptteils. Vergleichbar mit dem Tageslicht, das wandert und nur bestimmte Teile der Erde beleuchtet, wandert mit der Zeit auch unser Erinnerungshorizont weiter und lässt Teile der eigenen bedeutsamen Existenz verbleichen. Interessanterweise wird behauptet, irgendwo im Oberstübchen sei alles gespeichert, aber fast unmöglich abzurufen, ein ewig währender Kornspeicher, ohne Leiter und damit Zugang. Mich würde einfach interessieren, welche Erinnerungen und Erfahrungen mich zu dem gemacht haben, was ich letztendlich geworden bin. Wie oft wurde mir mein Eis geklaut oder aus der Hand gerissen, wie oft hab ich es hinuntersegeln sehen? So in Zeitlupe, mit Dramatik pur: Der wertvollste Gegenstand in meinem Besitz, innerhalb weniger Sekunden zerstört und als Schandfleck auf dem Boden verteilt. Tiefenpsychologisch gedeutet könnten hier meine Verlustängste gründen, oder aber meine bewundernswerte geringe Sympathie für Eis, für dessen Umstand ich noch heute häufig schief angeschaut werde.

Es könnte jedenfalls so viel passiert sein, das ich erklären könnte. So viel könnte ans Licht kommen. Stattdessen eine unerbittliche Schwärze und wenig Ahnung, einfach in den Hauptteil geschmissen. Hier, viel Spaß, mach weiter so. Das ist dein Körper, das dein Geist. Komm klar damit oder verzweifle!

Sein ist nicht schwer

Und trotzdem: Sein ist nicht schwer. Man kommt auf die Welt, und schon kann man sein. Einfach so, ohne Anstrengung, ohne Qualifikation. Niemand wollte bereits vorher herausfinden, ob man es wert ist, zu sein, oder ob man schlussendlich nur ein weiterer Menschenfleck auf der Erde wird. Niemand hat ein Interview geführt, das Ungeborene im Bauche aufgesucht und  gefragt, wie es denn verhindern will, sich selbst mit seinem Verhalten zu diffamieren. Deshalb: Kurz nach der Befruchtung der Eizelle kommt jemand daher und will wissen, ob man es bringt. Kurz und knapp. Keine blumigen Reden, harte, trockene Realität. Quasi die zweite Chance, sich den ganzen Mist noch einmal zu überlegen. Voller Optimismus würde man natürlich mit vehementen Ambitionsbeteuerungen um sich schmeißen,  damit dieser ungebetene Besuch verschwindet und man weiter machen kann mit den Anfängen des Seins. So läuft es natürlich nicht. Man ist dann irgendwann einfach. Ungefragt.

Keine Ausrede

Ich denke ich bin nicht der Einzige, der sich über Menschen aufregt und fragt, wie sie sich als Spermium behaupten konnten. Dabei ist es egal, ob es Rassisten, Verbrecher oder einfach nur unangenehme Menschen sind. Es erscheint schwer, sich in manche Person hinzuversetzen, aber vielleicht versucht man es auch zu wenig. Ist aber auch egal, denn für vieles gibt es keine Entschuldigung, Verurteilung ist oftmals gut, sogar notwendig. Aber was genau war Grund bei so diesen Spezialfällen, was war ihr Auslöser, was hält ihr schlechtes Verhalten aufrecht? Eine Vielzahl von Faktoren, gewiss. Ein Blick in die Vergangenheit kann sich durchaus lohnen und kann vieles aufklären. Denn seid ehrlich: Was ist eure erste Erinnerung?

Vielleicht lohnt es sich, bei manchen Verständnis für die individuellen, meist unverschuldeten Umstände der Kindheit und auch Genetik aufzubringen. Aber nicht bei allen.