Blog-Blockade: Mehr Miteinander gefragt

Blogs Ein Kommentar zur sächsischen Bloggerszene von Lisa Köhler

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Foto: AlexBrylov/Getty Images/iStockphoto

Dass es hier in der Region eine Blog-Blockade gibt, ist unumstritten. Darüber muss nicht diskutiert werden. Worüber aber gesprochen werden muss, sind die Gründe. Ich selbst blogge mehr oder weniger aktiv seit mittlerweile sieben Jahren im Fashion- und Lifestyle-Bereich und habe ein relativ gutes Bild davon bekommen, was dort in der sächsischen Bloggerwelt so abgeht - und das ist im Großen und Ganzen nicht viel.

Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht?

Eine Vermutung meinerseits hierfür ist, dass Blogging als Beruf oder aber auch nur als Hobby nach wie vor relativ neu ist und - das kann jetzt als Schubladendenke sehen, wer will - in den Osten von Deutschland solche Trends eher spät schwappen. Später ist zwar immer noch besser als nie, aber während sich Köln, München und Berlin zu wahren Blogger-Hochburgen entwickelt haben, muss in Sachsen eher mit hochgezogenen Augenbrauen und einem Schmunzeln gerechnet werden, wenn man davon erzählt. Ganz nach dem Motto: "Und ein richtiges Hobby hast du wohl gar nicht?"

Dass Bloggen als Hobby (von Blogging als Beruf fange ich lieber gar nicht erst an) nicht gerade wohlwollend toleriert wird, liegt jedoch eher an der unaufgeschlossenen Art vieler Leute. Was es wohl zusätzlich noch erschwert, ist der allgemein schlechte Ruf eines Bloggers. Nicht selten fallen Worte wie Oberflächlichkeit oder Affektiertheit in einem Satz mit der Bezeichnung Blogger.

Diagnose: Einzelgänger Blogger

Grundlegend muss es so gesehen werden: Bloggen ist eine Einzeltätigkeit. Hier gibt es keine Mannschaft oder einen Verein, der hinter einem steht. Zusätzlich präsentiert man sich ganz bewusst der Öffentlichkeit. Das braucht Selbstbewusstsein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man als Blogger häufig belächelt oder hinterrücks über einen geredet wird. Das ist die Schattenseite und gehört dazu. Trotzdem ist es abschreckend und ein weiterer Grund, warum ich glaube, dass Bloggen hier in der Region schwierig ist.

Ganz objektiv betrachtet und ohne Berücksichtigung äußerer Einflüsse, möchte ich behaupten, dass sich viel mehr Menschen dem Blogging als Hobby verschreiben würden. Aber sie machen es nicht, weil sie keine Unterstützung erfahren, oder Angst davor haben, schlecht anzukommen und das Risiko scheuen. Und dann ist da noch die andere Seite: Leute, die jeden Tag viel Arbeit in ihren Blog stecken, aber kaum auffallen, weil das Internet niemandem etwas schenkt.

Das magische Wort "Reichweite"

Die Blogger-Branche hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, was nicht zuletzt mit der enormen Bedeutsamkeitszunahme von Instagram zu tun hat. Blogger mit einer großen Anhängerschaft werden immer größer und "Frischlinge" in dieser Welt schaffen es kaum, sich Gehör zu verschaffen. Reichweite ist ein wichtiges Gut als Blogger, aber genau das machte es so schwer, sich untereinander zu vernetzen. Die Vorstellung, dass viele Blogger vielleicht sogar näher beieinander leben als sie vermuten würden, ist nicht besonders abwegig. Generell ist der Zusammenhalt unter Bloggern eher rar. Häufig wird für sich "gekämpft" und genau das ist wohl der falscheste Ansatz, um sich selbst und ein stabiles Blogger-Netzwerk zu pushen und aufzubauen.

Und jetzt?

Mein Vorschlag deshalb: Ein Blogger-Workshop für Neulinge und Einsteiger wäre eine gute Idee - zum gemeinsamen Lernen, gegenseitigen Vernetzen und ganz allgemein: Kennenlernen.