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Bringt der Schulalltag die dritte Coronavirus-Welle?

Corona Einige Experten warnen vor Lockerungen, andere üben Kritik an Corona-Kennziffern

In zehn weiteren Bundesländern öffnen diese Woche wieder die Kindertagesstätten und Grundschulen mit eingeschränktem Regelbetrieb. Nach zweimonatiger Schließung wird in den Schulklassen zumeist mit festen Gruppen im Wechselunterricht gestartet. Sachsen hatte bereits vor einer Woche die Einrichtungen wieder geöffnet. Ein Drahtseilakt, denn nachdem die Kurve der Neuinfektion in den letzten Wochen stetig nach unten zeigte, steigen die Fälle seit einigen Tagen erneut an. Auf der anderen Seite warnen Experten vor den negativen Folgen für Kinder und Eltern, sollten die Einschränkungen an Kitas und Schulen noch länger dauern.

Mittlerweile scheint auch die Bundeskanzlerin ihren strikten Kurs - trotz Corona-Mutante - zu ändern. Ein entsprechender mehrstufiger Lockerungsplan soll bis zur nächsten Bund-Länder-Schalte erarbeitet werden.

Schnellere Impfung für Lehrkräfte und Kita-Personal?

Familienministerin Franziska Giffey verteidigte die Kita- und Schulöffnungen, betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aber, dass diese verantwortungsvoll und mit Blick auf das Infektionsgeschehen erfolgen müssten. "Es ist gut, dass viele Schulen in Deutschland jetzt schrittweise wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen", sagte auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Präsenzunterricht sei durch nichts zu ersetzen. "Kinder, besonders jüngere, brauchen einander", so die Ministerin.

Karliczek sprach sich auch für eine höhere Priorisierung bei der Impfung von Grundschullehrkräften und Kita-Personal aus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will darüber am Montagnachmittag mit seinen Länderkollegen beraten. Überschattet werden die anstehenden Entscheidungen dabei vom Anstieg wichtiger Corona-Kennziffern.

 

Corona-Mutanten im Vormarsch

Sorgen bereitet den Experten zurzeit vor allem die weitere Ausbreitung der ansteckenderen Virusvarianten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn teilte vergangene Woche mit, dass sich der Anteil der britischen Virusvariante B.1.1.7 bei den analysierten Tests binnen einer Woche auf mehr als 20 Prozent verdoppelt hatten. Der Molekularbiologe Rolf Apweiler sprach am Sonntag in der "Welt" von zwei gegenläufigen Entwicklungen. Während die alten Virusvarianten zu einer Senkung der Inzidenz geführt hätten, gingen die Zahlen dort, wo die Mutanten bereits dominierten, nach oben. In diesen Gegenden müsse man stark auf die Bremse treten, sonst "fliegt einem die Lage um die Ohren". Aktuell steigen die Fallzahlen nach einem wochenlangem Sinkflug wieder an: Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, welche die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche anzeigt, lag den Angaben des RKI zufolge am Montag bundesweit bei 61. Sie stieg damit zum dritten Mal in Folge über den Wert vom Vortag. Von der Bundesregierung wird ein Wert von 35 angestrebt, um den Lockdown weiter zu lockern. Aber ist das noch realistisch?

 

Kritik am Inzidenzwert

Zahlreiche Wissenschaftler kritisieren schon seit langem den Inzidenzwert als Maß aller Dinge. Der 7-Tage-Wert sei aus drei Gründen angreifbar: Erstens ist er eine Hochrechnung und schon deshalb ungenau. Zweitens werden die getesteten Personen nicht repräsentativ ausgewählt, sondern zufällig. Es wird also nicht angezeigt, welche Altersgruppen infiziert sind. Das wäre aber wichtig, weil ältere Menschen stärker gefährdet sind, jüngere weniger. Und drittens hängt die Zahl der ermittelten Infizierten von der Zahl der insgesamt getesteten Personen ab.

Es sei besser, "repräsentative Kohorten" zu beobachten und zu testen, sagt der Chef des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach. "Wenn wir wissen, wie groß das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Einkaufen, im Kino, im Museum oder im öffentlichen Verkehr ist, können wir gezielter reagieren und müssen nicht eine ganze Volkswirtschaft herunterfahren", erklärte der Spahn-Berater. Notwendig sei eine nach Altersgruppen ausgerichtete Inzidenzanalyse als Frühwarnsystem. Aus dem Kreis der Berliner Amtsärzte hieß es jüngst, es sei ein "großer Unterschied", ob eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 herrsche, alle Infizierten symptomfreie Kinder und Menschen über 80 schon durchgeimpft seien oder ob bei einer Inzidenz von 50 vor allem Risikogruppen betroffen seien. Danach müsse man die politischen Maßnahmen ausrichten.

 

Merkel stellt Öffnungen in Aussicht

Trotz des erneut steigenden Infektionsgeschehens stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag zum ersten Mal vorsichtige Lockerungen in Aussicht. In der Bevölkerung gebe es eine "große Sehnsucht danach", das verstehe sie, sagte die Kanzlerin der Deutschen Presseagentur. Angesichts einer möglichen dritten Ansteckungswelle müssten Lockerungsschritte aber sorgfältig abgewogen werden, hieß es. Lockerungen stellte die Kanzlerin bei persönlichen Kontakten, für Schulen und Kitas sowie bei ausreichenden Testkapazitäten auch für Sportgruppen, Restaurants und die Kultur in Aussicht.

Bis zum neuen Corona-Gipfel von Bund und Ländern am 3. März soll nun ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden. Hoffnung machen übrigens auch die jüngsten Untersuchungen zur Wirkung von Impfstoffen. Geimpfte in Israel hätten zu rund 99 Prozent keine schweren Krankheitsverläufe mehr und würden zu 90 Prozent das Virus auch nicht mehr weitergeben.



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