CDU-Parteikollegen zu Tillich-Rücktritt

Politik Zwischen Überraschung und Verständnis

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Stanislaw Tillich beim Festakt zu "70 Jahre CDU" am 29. Juni 2015. Foto: CDU / Laurence Chaperon

Dresden. Gut drei Wochen nach der Bundestagswahl gab Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich seinen Rücktritt bekannt. "Ich bin davon überzeugt: Für eine gute Zukunft Sachsens sind neue Antworten wichtig. Ich weiß, dafür braucht es neue und frische Kraft", sagte Tillich am Mittwochnachmittag in Anspielung auf das schlechte Abschneiden der Landes-CDU bei den Bundestagswahlen. Bis Dezember will Tillich noch weiterregieren.

Am 9. Dezember steht der Landesparteitag der sächsischen CDU auf dem Programm. Tillich, der nicht erneut für den Landesvorsitz seiner Partei kandidieren möchte, hat sich bereits seinen Parteikollegen Michael Kretschmer als Nachfolger auserkoren - sowohl in der Funktion des Landeschefs als auch im Amt des Ministerpräsidenten.

Unter Dach und Fach ist die Nachfolge noch nicht. "Ich werde meiner Partei vorschlagen, Michael Kretschmer zum neuen Landesvorsitzenden zu wählen", kündigte Tillich an. Das Parteipräsidium hat sich hinter diesen Vorschlag gestellt. Um Kretschmer auch zum Landeschef zu machen, setzt Tillich auf die Unterstützung durch die sächsische SPD.

Jan Hippold: "Verantwortung für etwas übernehmen, ist heute nicht mehr üblich."

Für den Landtagsabgeordneten Jan Hippold (CDU) kam der Rücktritt so überraschend wie für viele andere auch. "Es hat sich nicht angedeutet", sagte der Limbach-Oberfrohnaer, der dem Landesvater aber für dessen Entscheidung viel Respekt zollte. "Verantwortung für etwas zu übernehmen, ist ja heute nicht mehr unbedingt üblich", betont der 43-Jährige.

Wenn Tillich für sich erkannt habe, dass er nicht der richtige Mann für die Lösung der Probleme sei und sich für einen Generationswechsel ausspricht, sei das eine Entscheidung, die von Größe zeugt. Den Vorschlag, dass Michael Kretschmer der Nachfolger werden soll, unterstützt Hippold. "Aus Niederlagen kann man mehr lernen als aus Erfolgen, das kann auch ein Vorteil für ihn sein", sagt er mit Blick auf die Vorwürfe der Gegner, die Kretschmer eine Wahlschlappe vorhalten.

Ittershagen und Voigt: Respekt für Tillichs Entscheidung

"Für den Schritt von Stanislaw Tillich empfinde ich großen Respekt", sagte der Landtagsabgeordnete Steve Johannes Ittershagen (CDU) aus Freiberg. Eine solche Entscheidung treffe man nie leichtfertig. "Ich bin allerdings der Überzeugung, dass er nicht der Verantwortliche für das schlechte CDU-Ergebnis ist", stellte Ittershagen klar. "Es war eine Bundestagswahl mit Bundesthemen und ich wünschte mir, dass in der Bundes-CDU das Wahlergebnis entsprechend aufgearbeitet würde."

Sören Voigt, Landtagsabgeordneter der CDU-Fraktion aus Falkenstein sagte: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Stanislaw Tillich, als Ministerpräsident des Freistaates Sachsen zurückzutreten. Er übernimmt Verantwortung für ein Ergebnis der Bundestagswahl und stellt das Wohl des Freistaates Sachsen und seiner Menschen über die eigene Person." Weiter sagte Sören Voigt: "Wir erwarten eine klare Stärkung des ländlichen Raums und müssen ein deutliches Zeichen setzen, alle Regionen mitzunehmen.

Krauß: Verlust eines volksnahen Ministerpräsidenten

"Ich bedaure den Rücktritt", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Krauß. Tillich sei ein sehr volksnaher Ministerpräsident. "Mit Michael Kretschmer wird er einen dynamischen Nachfolger haben. Ich kenne ihn seit vielen Jahren. Er ist überaus fleißig, durchsetzungsstark und weiß, welche Themen den Menschen auf den Nägeln brennen. In Dresden wie auch in Berlin ist er gut vernetzt."

Magwas: Ein Rücktritt, der nicht hätte sein müssen

"Der Rücktritt von Ministerpräsident Stanislaw Tillich kam für uns alle sehr überraschend", sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas am Donnerstag. Aus ihrer Sicht sei dieser Schritt nicht notwendig gewesen. Eine Kabinettsumbildung und eine politische Neuorientierung wären ein guter Weg gewesen, so Magwas auf BLICK-Anfrage.

Löffler: "Menschlich kann ich den Schritt verstehen, sachlich bleibt es schwierig."

Überrascht von der Rücktrittsentscheidung zeigte sich der Landtagsabgeordnete Jan Löffler (CDU) aus Neukirchen. "Der Ministerpräsident hat schließlich zu Beginn der Woche noch angekündigt, erst über Inhalte und dann über Köpfe sprechen zu wollen", erinnerte sich Löffler, der am Mittwoch und am Donnerstag an verschiedenen Beratungen der CDU-Gremien in Dresden teilgenommen hat.

Dadurch ergaben sich auch für Jan Löffler neue Erkenntnisse. Danach sagte er: "Menschlich kann ich den Schritt verstehen. Sachlich bleibt es schwierig, weil der Ministerpräsident normalerweise nicht als erster die Konsequenzen aus dem Ergebnis bei einer Bundestagswahl ziehen muss." Wichtig sei, dass der Freistaat in den nächsten Wochen trotzdem mit einer "starken sächsischen Stimme" bei den Verhandlungen in Berlin vertreten ist.

Heinrich: Kretschmer wird CDU auf guten Kurs bringen

Auch der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich sei überrascht gewesen über Tillichs Rücktritt, sagte er. "Ich habe aber großen Respekt vor dieser, für ihn konsequenten, Entscheidung", so Heinrich. Positiv blickt er auf den anvisierten Nachfolger Michael Kretschmer. "Er steht für Frische, kennt die hiesige Politik und ist selber Sachse. Ich bin zuversichtlich, dass er die CDU auf einen guten Kurs bringen wird."



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