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Corona-Öffnungspläne: Lokale Maßnahmen statt Kompett-Lockdown

Corona Corona Robert-Koch-Institut skizziert Stufenkonzept über Inzidenzwert hinaus

Sachsen. 

Sachsen. Der Jahrestag nähert sich: Am 18. März vor einem Jahr ging Deutschland in den ersten Lockdown. Die Bundeskanzlerin sprach von der "größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg". Nach dem moderaten und gut nachverfolgbaren Infektionsgeschehen im Sommer und Frühherbst 2020 kam die zweite Welle... und mit ihr ein Lockdown, der erneut nur ein Ziel kannte: schließen, schließen, schließen. Seitdem hängen mögliche Öffnungen einzelner Branchen wieder an einem Wert, dessen Verlässlichkeit im Pandemiekampf arg bezweifelt wird: der Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Neuninfektionen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner. Immer mehr Experten fordern ein mehrdimensionales Vorgehen über diesen Wert hinaus. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) schaltet sich nun mit einem eigenen Konzept in diese Debatte ein.

"Transparente Perspektive für kommende Monate"

Es sei "ein Rückgang der Akzeptanz von Maßnahmen in der Bevölkerung zu beobachten", heißt es jüngst vonseiten des RKI. Es brauche deshalb "eine klare Zielstellung und transparente Perspektive für die nächsten Monate." Klar sei aber auch: Bis sich auf Populationsebene Immunität durch die Impfungen einstellt, ist es erforderlich, den erneuten Eintritt in ein exponentielles Wachstum der Pandemie zu verhindern. Die Fallzahlen müssten sich weiter deutlich in einem kontrollierbaren Bereich bewegen. Ein vom RKI vorgeschlagenes Stufenkonzept soll dabei als Hilfestellung verstanden werden. Unter der Überschrift "ControlCovid" skizziert die oberste deutsche Seuchenbehörde ein lokal angelegtes vierstufiges Konzept, das sich nicht nur an der Sieben-Tage-Inzidenz orientiert. Ziel der Strategie sei es, "die Zahl der schweren Erkrankungen, Langzeitfolgen und Todesfälle durch Covid-19 zu minimieren und eine Überlastung des Gesundheitswesens nachhaltig zu vermeiden". Kurzum: Ein Vier-Stufen-Plan soll den Weg zu vollständigen Öffnungen sicherer machen.

Maßnahmenbündel auf lokaler Ebene

Das RKI plädiert in seinem zwölfseitigen Papier neben dem Inzidenzwert für drei weitere Indikatoren, die zu beachten seien, um die epidemische Lage lokal einschätzen zu können: der Anteil intensivmedizinisch behandelter Corona-Fälle an der Gesamtzahl der betreibbaren Intensivbetten, die wöchentliche Inzidenz hospitalisierter Fälle unter den über 60-Jährigen sowie der Anteil der Kontaktpersonen, die nachverfolgt werden können. Berücksichtigung sollen zudem der R-Wert, der Anteil neuer Varianten am Infektionsgeschehen, der Anteil von Fällen ohne ermittelbare Infektionsquelle sowie Anzahl, Größe und Setting einzelner Ausbruchsereignisse finden. Anhand dieser Kriterien soll auf lokaler Ebene definiert werden können, welches Maßnahmenbündel zu wählen ist. Dabei seien keine scharfen Grenzwerte sinnvoll. Bei ansteigenden Fallzahlen soll die Sieben-Tage-Inzidenz als "Leitfaktor" dienen, bei abnehmendem Infektionsgeschehen rückt die Intensivbettenbelegung stärker in den Mittelpunkt.

Das Konzept im Detail

Auf der höchsten "Intensitätsstufe 3" des Konzepts liegt der Inzidenzwert bei mehr als 50, die Intensivbetten sind zu mindestens zwölf Prozent ausgelastet. Zudem können weniger als 60 Prozent der Kontaktpersonen nachverfolgt werden. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt bei diesem Szenario unter anderem Treffen in Innenräumen nur mit der Familie, geschlossene Lokale und Geschäfte sowie Schulschließungen und Distanzunterricht. Religion, Kultur, körpernahe Dienstleistungen und Einzelhandel schließen.

Auf "Intensitätsstufe 2" liegt der Inzidenzwert zwischen 50 und 35, die Intensivbettenauslastung bei zwölf bis fünf Prozent. 60 bis 80 Prozent der Kontaktpersonen können nachverfolgt werden. Auf dieser Stufe sind vorsichtige Öffnungen mit Schutzkonzepten und Auflagen im Kultursektor und im Einzelhandel möglich. Bars und Clubs sollten weiterhin geschlossen bleiben. In Innenräumen sollten sich weniger als zehn Menschen treffen dürfen, im Freien sind bis zu 100. Außerdem empfohlen: Fernunterricht oder reduzierte Klassen in weiterführenden Schulen, Grundschulen und Kitas offen, höhere Taktung im ÖPNV, Einzelhandel nur mit einem Kunden pro 20 Quadratmeter.

Auf "Intensitätsstufe 1" liegt die Sieben-Tage-Inzidenz unter 35, die Intensivbettenbelegung bis fünf Prozent, die Inzidenz hospitalisierte über 60-Jährige bis 4 und 80 bis 90 Prozent der Kontaktpersonen können nachverfolgt werden. Das RKI empfiehlt Zusammenkünfte von weniger als 50 Menschen in Innenräumen und weniger als 500 draußen.

Auf der Basisstufe, bei einer Inzidenz von unter zehn, könnten sich unter 100 Menschen drinnen und unter 1000 im Freien treffen. Alle Bereiche sind mit Schutzkonzepten offen.

 

Am 3. März wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder über Lockerungen beraten. Ob das Konzept des RKI dabei Berücksichtigung findet, bleibt abzuwarten.



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