Das Abenteuer beginnt: Warum Sachsen quasi bald ein eigenes Formel 1 Team hat

Mit der Gründung von Audi 1910 in Zwickau ist der Freistaat der Ausgangspunkt des Ingolstädter Formel-1-Abenteuers

Ingolstadt

Wie nicht nur unter glühenden Formel-1-Fans inzwischen allgemein bekannt ist, steigt Audi in diesem Jahr in die Königsklasse des Motorsports ein. Der Saisonauftakt erfolgt vom 6. bis 8. März mit dem Grand Prix von Australien im Albert Park von Melbourne. Mitten im Geschehen wird dann quasi auch Sachsen sein.

Klingt anmaßend, denn Audi hat seinen Sitz heutzutage in Ingolstadt, doch ein Blick auf den Stammbaum zeigt, dass der Ursprung von Audi in Zwickau und somit in Westsachsen liegt.

Blick auf den Stammbaum

1899 gründete August Horch in Köln seine erste Automobilbau-Firma, die er 1901 nach Reichenbach im Vogtland und 1904 schließlich nach Zwickau verlegte. Sein Unternehmen wuchs ständig und damit auch der notwendig gewordene Vorstand. Auf Grund der immer häufiger werdenden Unstimmigkeiten mit der Unternehmensleitung verließ August Horch 1909 seine Firma, um sich sofort neuen Aufgaben zuzuwenden, einer neuen Automobilfabrik.

Da er seinen Namen nicht hatte schützen lassen, sah er sich gezwungen, seine Nachfolgefirma neu zu benennen, was in Anlehnung an Horch und hören auf lateinisch audi in Audi mündete. Der Geburtstag des neuen Unternehmens ist auf den 25. April 1910 datiert. Der erste ausgelieferte Audi trug die Modellbezeichnung Typ A, die später im Motorsport noch eine Rolle spielen sollte.

1932 bzw. mit rückwirkendem Handelsregistereintrag von 1931 verschmolzen die führenden (west-)sächsischen Automobil-Hersteller Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Auto-Union-Konzernleitung in den Westen Deutschlands abgesetzt und gründete 1947 in Ingolstadt die Auto Union GmbH. Auf den anfangs provisorischen Ersatzteilhandel folgte 1949 der erste "West-Auto-Union". 1965 wurde der Name Audi wiederbelebt.

 

Geschichtskunde im "Audi museum mobile"

Anlässlich des Formel-1-Einstiegs von Audi wirft "Audi Tradition" seit Ende letzten Jahres mit der Sonderausstellung "Grand Prix Legenden" im Audi museum mobile in Ingolstadt einen Blick zurück auf die Ursprünge des Grand-Prix-Sports bzw. auf über 100 Jahre Formel-Rennsport auf höchstem Niveau. Die Formel 1 (Weltmeisterschaft) gibt es erst seit 1950, doch schon zuvor zogen Monoposto Tausende und Abertausende Fans in ihren Bann.

Mit dem Einstieg in die FIA-Formel-1-Weltmeisterschaft betritt Audi Neuland - gleichzeitig blickt die Marke mit den vier Ringen auf eine erfolgreiche Motorsport-Historie zurück. Unvergessen sind beispielsweise die historischen Siege in der Rallye-Weltmeisterschaft in den 1980er-Jahren, die Erfolge in der DTM und auf der Rundstrecke sowie beim Pikes-Peak-Bergrennen in den USA sowie die 13 Siege beim härtesten Langstreckenrennen der Welt, den 24 Stunden von Le Mans.

Das Thema Formel 1 ist bei Audi hingegen neu, doch mit der besagten Sonderschau sollen nicht nur Fans des eigenen Lagers, sondern gern auch generell Neu-Interessierte zunächst mit der Formel-Historie an dieses herangeführt werden.

Die Ausstellung geht zunächst zurück bis in die frühe Grand-Prix-Zeit, beleuchtet anschließend die Ära der Auto-Union-Silberpfeile und spannt den Bogen der 75-jährigen Geschichte der Formel 1 von den frühen Nachkriegsrennwagen bis in die heutige Zeit. Lobenswert und geradezu beispielgebend ist die großzügige Präsentation der 16 frei zugänglichen, spektakulären und wunderschönen Exponate.

Die Vorläufer der Formel 1

Opener der Ausstellung ist ein Renault AK 90 CV. Mit diesem geht man zurück bis in die ganz frühe Grand-Prix-Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts. Am 26. und 27. Juni 1906 schrieb der französisch-ungarische Rennfahrer Ferenc Szisz am Steuer eines solchen 90-PS-Renault Motorsportgeschichte, indem der damals 33-jährige Ingenieur den Großen Preis von Frankreich (Grand Prix de l‘ACF) auf einem 103,18 Kilometer langen Dreieckskurs bei Le Mans gewann. Dieser gilt als das erste jemals ausgetragene Grand-Prix-Rennen überhaupt. Das Originalfahrzeug existiert leider nicht mehr, doch das ausgestellte Fahrzeug ist ein maximal detailgetreuer Nachbau des Leihgebers Vintage Classic Car Collection aus den Niederlanden.

Aus der historischen Fahrzeugsammlung der AUDI AG stammt der NSU 6/60 PS von 1926. Das erste Sechszylindermodell der später von Audi einverleibten Neckarsulmer Marke leistet 60 PS, wiegt 830 Kilogramm und bringt es in der Spitze auf 175 km/h. Vor fast 100 Jahren, am 11. Juli 1926, feierte NSU auf der Berliner AVUS mit dem ganz in Weiß lackierten Rennwagen beim ersten "Großen Preis von Deutschland" einen vielbeachteten Vierfachsieg in der 1,5-Liter-Klasse.

Ebenfalls aus dieser Ära stammt der Bugatti Typ 35 C, einer der erfolgreichsten Rennwagen aller Zeiten. Sein Achtzylindermotor leistet dank Doppelvergaser 95 PS; mit dem seit 1926 eingesetzten Roots-Kompressor steigt die Leistung auf bis zu 130 PS.

Die einst in Sachsen auf die Räder gestellten Exponate der Sonderausstellung "Grand Prix Legenden" sind neben einem Wanderer W8 von 1928 die Zwickauer Auto-Union- Grand-Prix-Rennwagen Typ A, Typ C und Typ D der Baujahre 1934, 1936 und 1939.

Sieben Formel-1-Boliden und ein Audi Showcar

Mit dem Cisitalia 360 von 1947 und dem Talbot Lago T26 C des Baujahres 1948 taucht die Sonderausstellung dann in die Formel-1-Zeit ein. Das ausgestellte in Frankreich-blau gehaltene Fahrzeug ist eines von insgesamt fünf Talbot Lago T26 C, die beim allerersten Formel-1-Rennen, dem Großen Preis von Großbritannien am 13. Mai 1950 in Silverstone, an den Start gingen.

Weiter geht es mit den 1960er-Jahren, konkret einem Porsche 804 Formel 1 des Baujahres 1962 und einem Matra MS84 in dem 1969 der Brite Jackie Stewart sowie die Franzosen Jean-Pierre Beltoise und Johnny Servoz-Gavin um WM-Punkte kämpften. Erfolgreicher als der MS84 mit Gitterrohrrahmen war der MS80 mit Aluminium-Monocoque, mit dem Sir Jackie Stewart im gleichen Jahr schließlich Weltmeister wurde.

Weitere ausgestellte Formel-1-Boliden sind ein Toleman-Hart TG184 von 1984, den auch der Brasilianer Ayrton Senna pilotiert hat, und ein Jordan 191 von 1991, in dem Michael Schumacher sein erstes Rennen in der Königsklasse fuhr.

Ebenfalls 1991 wurde der ebenso gezeigte Lamborghini 291auf die Räder gestellt, mit dem der Italiener Nicola Larini bzw. der Belgier Eric van de Poele an der Formel-1-Weltmeisterschaft teilnahmen.

 

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich