Der spiegelverkehrte Placeboeffekt

Philosophien Wie aus einer Mücke ein Elefant wird

Yannicks Philosophien

Die kleinen Dinge, oder? Stellt euch Folgendes vor: Ihr seid gerade mitten in euren mega angesagten Meditationsübungen, voll eins mit euch, der Natur und der Umgebung, die innere Ruhe ist euer, ihr touchiert die göttliche Gelassenheit. Natürlich macht ihr dies nicht, weil es Trend ist oder gut für eure Gesundheit, nein, ihr seid intrinsisch motiviert, Freigeister halt, einfach dafür geboren worden.  Frei und unabhängig.

Plötzlich ein Summen und Brummen, eine Erschütterung, einer Kettensäge gleich! Welch' grausame..

Ihr stellt fest, es ist nur eine Fliege. Eine ganz einfache, stupide Stubenfliege. Während ihr quasi mit Gott geflüstert habt, hat sie eure Welt erschüttert. Ist wieder und wieder gegen die verdammt große Stirn geflogen, um Ohren und Kopf herum, als sei euer Kopf ein Fliegenmagnet. Ihr habt euch natürlich nicht geärgert, denn ihr seid eins mit euch selber. Selbstverständlich. Ein kurzer heftiger Schlag mit der Fliegenklatsche und auch die Fliege war wieder eins mit sich selber.

 

Wo kommt der Elefant plötzlich her?

 

Eine kleine Fliege, so große Auswirkungen. Ich glaube ich habe mich schon oft über diese kleinen Nervenbiester aufgeregt, wie sie herumschwirren und so tun, als seien sie beschäftigt, dabei fliegen sie doch nur so lange im Kreis, bis sie jemand erlöst, oder nicht? Nein, es stimmt, auch sie haben ihre Daseinsberechtigung. Aber wenn so ein kleines Geschöpf solch' große Wirkung entfaltet, was vermögen dann kleine Worte anzurichten, kleine Gesten, so welche, die man von sich selbst aus, Tag für Tag an sich selber richtet, das Leben damit positiv erschüttert, kein nerviges Summen und Brummen, sondern eine liebliche Symphonie, Töne, die auf den Ohren zergehen! Die Fliege hat es einfach geschafft, all unseren Fokus zu erhaschen. Mit ganz kleinem Aufwand. Und das ist die ganze Kunst. Kleine Stellschrauben, richtiger Fokus, positive Gedanken. Leider können viele, auch in Zeiten der Sensationsgeilheit, diesen Trick ins Gegenteilige kehren.

 

Das Zeitalter der Gesundheit

 

Gerade wir in unserem modernen Gesundheitszeitalter lassen uns häufig verrückt machen. Manchmal wirkt es so, als wäre damit ein Mehrwert für beide Seiten geschaffen: Endlich wieder ein bisschen was los bei der Familie Schmidt, Behauptungen und kursierende Halbwahrheiten zum Diskutieren und Spekulieren, während die Quelle der neuen Information mit einem gewissen Grad an Bekanntheit als praktischem Nebenprodukt rechnen kann.

Na gut, so ausufernd wie Verschwörungstheorien ist das natürlich nicht in jedem Fall, ich will aber nur mal schnell was deutlich machen: Der Fokus macht manchmal die Musik! Denn wie die Fliege sich zu einem Objekt riesigen Ausmaßes entpuppen kann, nur weil man sich in der Ruhe zu sehr darauf fokussiert, so kann auch der Fokus auf die vermeintlich von Pestiziden vergiftete Gemüsesuppe, oder der geringfügig erhöhte Fettgehalt des versehentlich gekauften Joghurts auf lange Dauer für wirkliche Gesundheitsprobleme sorgen. Oder doch die Salami auf dem Brot, man denke doch an Magenkrebs,  vegan leben! Mist, ein Sonnenstrahl, die steigende Hautkrebsrate, im Haus bleiben! Coronavirus, so ein Quatsch, gezüchtet im Labor, Weltverschwörung! Von Helikoptereltern mal ganz zu schweigen!

Aus Gedanken werden nur allzu oft Wahrheiten, nur, weil wir es zu sehr wollen. Ich spreche hier von dem Placeboeffekt, nur spiegelverkehrt. Und das ist nicht gut, im Gegenteil. Die Macht der Psyche und eigenen Gedanken wird - so meine Meinung - noch weitläufig unterschätzt. Vieles ist möglich und natürlich noch viel mehr unmöglich, aber eins weiß ich genau: Bewusster Kauf und Ernährung, Sicherheit und Sorgsamkeit sind an manchen Stellen angebracht und bringen ein paar Jahre Lebenszeit. Eine überzogene Gesundheitsfanatik, gemischt mit hypochondrischen Tendenzen und dem Drang, alles und jeden zu hinterfragen, schränken nicht nur unheimlich ein, nein, sie verschwenden eine Menge Zeit, die man mit dem Fokus und dem Erleben von schönen Dingen hätte erleben können.