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Der verhinderte erste deutsche Formel-1-Weltmeister

MOTORSPORT Zum 60. Todestag von Wolfgang Graf Berghe von Trips

Als Michael Schumacher 1994 seinen ersten WM-Titel in der Formel 1 feierte, war er der erste Deutsche, dem das gelang. 1961 stand ein anderer Deutscher schon einmal kurz davor, dies zu schaffen, doch verunglückte er am 10. September jenes Jahres im italienischen Monza tödlich. Die Rede ist vom ebenfalls aus dem Rheinland kommenden Wolfgang Alexander Graf Berghe von Trips.

Ausstrahlung auf die breite Masse

Früher sprach man gern von "Gentleman Driver", wobei der Name Trips nicht fehlen durfte. Nicht nur seine Herkunft und seine Manieren rechtfertigten dieses Attribut, nein, vor allem seine Ausstrahlung auf die breite Masse, verbunden mit dem Streben nach Verkehrssicherheit und der Förderung des Nachwuchses. Doch der Reihe nach.

Ein Ass im Organisieren

Am 4. Mai 1928 erblickt Wolfgang Alexander Graf Berghe von Trips als einziger und letzter Sohn einer alten rheinischen Adelsfamilie in Köln das Licht der Welt. Seine Jugend durchlebte er in der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit, wo es ihm mit Mut und Raffinesse immer wieder gelang, Dinge zu beschaffen, welche es eigentlich nirgends gab. Im Organisieren war Wolfgang von Trips, wie er in Rennsportkreisen der Einfachheit halber genannt wurde, ein Ass.

Noch während seiner Ausbildung, bei der er nicht gerade der eifrigste war, bestritt er erste Rallyes und Geländerennen, vorwiegend auf seiner BMW R51. Dabei entdeckte er seine Liebe zum Motorsport. Später begann er ein Studium zum Diplom-Landwirt, um den elterlichen Hof weiterzuführen und kam schließlich mit dem Porsche-Club Köln in Berührung.

Erste Autorennen unter Pseudonym

Im Jahr 1954 kauft sich Wolfgang von Trips schließlich, mit erspartem und geborgtem Geld, seinen ersten Porsche und bestritt unter dem Pseudonym "Axel Linther", seiner Eltern wegen, Rallyes und Sportwagenrennen. Er kontaktierte den Porsche-Rennleiter Fritz Huschke von Hanstein und bekam als "Namenloser" ein Angebot, als zweiter Mann im Wagen mit Walter Hampel für die Mille Miglia, sowie die erforderliche Lizenz. Zusammen gewannen sie bei den GT-Wagen bis 1.300 ccm - eine Sensation. Am Ende der Saison war Wolfgang von Trips, alias Axel Linther, deutscher Meister in der Kategorie Seriensport- und GT-Wagen bis 1.600 ccm.

Katastrophe beendete Engagement frühzeitig

Die eingefahrenen Preisgelder verflüchtigten sich umgehend beim Tilgen der Schulden, doch der Porsche sollte ihm noch lange dienen. Mitte nächsten Jahres holte Alfred Neubauer den jungen Grafen zu Mercedes. Doch das Engagement war nur von kurzer Dauer, da sich die Untertürkheimer am Saisonende, auch als Konsequenz der Katastrophe von Le Mans, von der großen Motorsportbühne verabschiedeten. Der Franzose Pierre Levegh kam damals mit seinem Mercedes von der Strecke ab und riss 80 Zuschauer mit in den Tod.

1956 kam Wolfgang von Trips zur Werksmannschaft von Porsche. Bei seinem ersten richtigen Einsatz für die zweite Stuttgarter Wagenschmiede erreichte er zusammen mit Hans Herrmann den Klassensieg bis 1.500 ccm, sowie den sechsten Gesamtrang bei den 12 Stunden von Sebring/USA. Später siegte er noch zusammen mit Richard von Frankenberg bei den legendären 24 Stunden von Le Mans in der gleichen Klasse. Noch im gleichen Jahr pilotierte er erstmals einen Ferrari, und zwar den 3,5 Liter Sportwagen.

Debüt in der Formel 1

Sein Debüt in der Formel 1 gab Wolfgang von Trips 1957 ebenfalls in einem Ferrari beim Großen Preis von Argentinien, wo er mit Platz sechs die Punkteränge (damals nur bis Platz fünf) nur knapp verpasste. Ein weiteres Highlight des Jahres war neben seinem zweiten Gesamtrang bei der Mille Miglia im 3,5 Liter Ferrari, sein erster Podestplatz in der Formel 1 beim GP von Italien in Monza mit Rang drei.

Förderung und Entwicklung des Nachwuchses

1958 belegte von Trips den zehnten Schlussrang mit neun Punkten bei drei zählbaren Resultaten im Ferrari "46 Dino" (benannt nach Enzo Ferraris früh verstorbenen Sohn). Im Jahr 1959 pausierte Wolfgang von Trips in der Formel 1 verletzungsbedingt; die Folge eines Testunfalles in Monza. Allerdings gab er sich bei einigen Sportwagenrennen im Porsche die Ehre. Zudem trieb er seine Pläne weiter voran, den Nachwuchs stärker als bisher zu entwickeln und zu fördern.

1960 wurde unter seiner Führung schließlich die "Scuderia Colonia" gegründet. In Italien entstanden nach seinen Anregungen preiswerte Formel-Rennwagen. Für dieses Jahr empfahl er sich auch wieder bei Ferrari, nicht zuletzt weil die Mannschaft aus Maranello in den vergangenen Jahren durch Unfälle stark dezimiert wurde. Der Graf rechtfertigte das Vertrauen, fuhr fünf Mal in die Punkte und wurde mit zehn Zählern Gesamtsechster, einen Rang und sechs Punkte hinter seinem Stallgefährten Phil Hill aus den USA.

Drei Doppelsiege in Folge

1961 wollte Wolfgang von Trips die Nummer 1 bei Ferrari werden. Mit dem "156 Dino", nach neuem 1,5 Liter Reglement gebaut, verfügten die beiden Ferrari-Stars über ein Arbeitsgerät, mit dem sie die Saison dominieren sollten. Nach den ersten nicht ganz so erfolgreich verlaufenen Rennen, feierten die "Roten" drei Doppelsiege in Folge, wobei Wolfgang von Trips nach seinem ersten GP-Sieg in Zandvoort, auch im englischen Aintree, damals im Wechsel mit Silverstone ausgetragen, gewann.

Dazwischen siegte Hill in Spa-Francorchamps. Auf dem Nürburgring konnte sich Wolfgang von Trips nach einem packendem Duell erneut vor seinem Teamkollegen auf der zweiten Stufe des Podestes platzieren. Es gewann Stirling Moss auf Lotus.

Höhenflug endete abrupt

Daraus ergab sich folgende Konstellation vor dem Heimspiel in Monza, dem vorletzten Lauf. Wolfgang von Trips führte mit 33 Punkten vor Phil Hill mit 29. Da 1961 nur die fünf besten Resultate in die Wertung kamen, standen Hills Chancen eher schlecht. Journalisten gestand der Graf, in Monza nicht alles riskieren zu wollen, stellte seinen Ferrari am 10. September allerdings auf die Pole Position. Es war das erste Mal in seiner Karriere, es sollte ihm auch kein zweites Mal gelingen, denn an jenem Rennsonntag verunglückte Wolfgang von Trips in der zweiten Runde. Fünfzehn Zuschauer verloren ebenfalls ihr Leben.

Das Schicksal des Wolfgang Graf Berghe von Trips war ohnehin gnadenlos. Am gleichen Tag hätte er in seiner Rolle als Diplom-Landwirt nach Amerika fliegen sollen. Das Flugzeug mit den deutschen Naturburschen kam nie an. Genau fünf Jahre nachdem ihn der "Commendatore" Enzo Ferrari in seinen Rennstall aufgenommen hatte, sollte sein Leben auf der Rennstrecke enden.