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Ehrlich oder pessimistisch? Kretschmer glaubt nicht an Osterurlaub

Corona Aussage von Sachsens Ministerpräsident schlägt hohe Wellen

Ehrlichkeit macht unbeliebt. Das musste Sachsens Ministerpräsident während der Corona-Pandemie ein ums andere Mal erfahren. Mit seiner Aussage, dass dieses Jahr kein Osterurlaub möglich sein werde, zieht Michael Kretschmer einmal mehr die Kritik auf sich.

Rückblick: "Mobilität ist Gift"

"Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben. Zu große Mobilität etwa durch Reiseverkehr und Tourismus bereits im April ist Gift. Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben", sagte Kretschmer kürzlich der "Bild am Sonntag". Tatsächlich entwickelt sich die Corona-Lage in vieler Hinsicht positiv. Neuinfektionen und die Zahl der intensivmedizinischen Behandlungen gehen zurück. Auch die Zahl der Todesfälle ist rückläufig. Aufgrund der unsicheren Lage könne die Bundesregierung - anders als Kretschmer - noch keine Prognose abgegeben. Vieles spreche dafür, "dass wir jetzt die Entwicklung der nächsten Wochen abwarten und dann bewerten, welche Lockerungen zu welchem Zeitpunkt möglich sind", beschwichtigte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung arbeite daran, dass Ostern 2021 wieder ein etwas anderes Fest wird, als Ostern 2020 war.

DEHOGA-Präsident: "Schlag ins Gesicht der Branche"

Kritik kommt vor allem vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Die Verlängerung des Lockdowns ohne Öffnungsperspektive treffe das notleidende Gastgewerbe besonders hart. Der Umsatzverlust im Januar 2021 betrug laut einer Umfrage im Vergleich zum Vorjahr 78 Prozent. "Die Verzweiflung und die existenziellen Sorgen in der Branche sind immens groß", sagt DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. In dieser Situation seien Vorstöße zum Osterurlaub "völlig inakzeptabel und ein erneuter Schlag ins Gesicht der Branche." Zöllick weiter: "Die Politik hat die Aufgabe, das Infektionsgeschehen laufend zu analysieren und zu beurteilen, was gesundheitspolitisch geboten ist. Die Infektionszahlen sinken seit Wochen und so haben Gastronomie und Hotellerie die nachvollziehbare Erwartung, eine Öffnungsperspektive zu erhalten." Dafür seien die politisch Verantwortlichen aufgerufen, das Impftempo zu beschleunigen und flächendeckend kostenfreie Schnelltests zur Verfügung zu stellen. Spätestens zur nächsten Bund-Länder-Schalte am 3. März müsse es einen konkreten Fahrplan geben, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen, die Betriebe wieder Gäste empfangen dürften.

Vorsichtig und Schritt für Schritt

Kretschmer betont jedoch, dass Lockerungen vorsichtig und Schritt für Schritt erfolgen müssten. "Gaststätten und Hotels werden in Sachsen auch über Ostern geschlossen sein müssen. Auch der Spielbetrieb in Opernhäusern und Theatern kann frühestens erst nach Ostern wieder aufgenommen werden", blickt der CDU-Politiker voraus. "Kleinste Veränderungen im Verhalten der Bevölkerung, beispielsweise eine höhere Mobilität und mehr Kontakte, führen sofort zu höheren Infektionszahlen." Das hätten die Erfahrungen der letzten Monate gezeigt. Am Montag schickte Michael Kretschmer per Twitter hinterher: "So sehr ich Wunsch nach Normalität verstehe und teile, das Virus wird Unvorsichtigkeit und Übermut bestrafen. Wir wollen raus aus dem Lockdown. Mit der Öffnung von Kitas und Grundschulen haben wir den ersten Schritt getan. Weitere Lockerungen sind nur möglich, wenn Infektionszahlen niedrig bleiben."