Erstes Geisterrennen in Deutschland steigt auf sächsischem Boden

MOTORSPORT Der Anfang ist gemacht

Meißen. 

Meißen. Ende Februar war das alljährlich im Küchwald-Eisstadion in Chemnitz stattfindende Eisspeedway "Drift on Ice" eine der letzten Motorsport-Veranstaltungen vor den massiven Corona-Beschränkungen. Organisiert und ausgerichtet wurde dieses wieder von Ronny Weis und seinen Mitstreitern vom MC Meißen. Nun, am gestrigen Samstag, dem 6. Juni, veranstaltete der Motorsportclub der Elbestadt das deutschlandweit erste Rennen nach bzw. während Corona und schrieb damit Geschichte, denn dieses war kein gewöhnliches Rennen, sondern ein "Geisterrennen" ohne Zuschauer. "Am Anfang stand die Idee und vor sechs Wochen haben wir mit der Ausarbeitung eines Konzeptes und dem Einholen verschiedenster Genehmigungen begonnen. Vor drei Wochen hatten wir dann alles soweit in trockenen Tüchern, sodass wir mit der konkreten Planung beginnen konnten", erklärte die sichtlich abgekämpfte aber umso glücklichere Clubchefin Anke Geyer zu den besonderen Umständen der Vorbereitungen.

Volles Programm, gut gefüllte Felder

Die Resonanz der Fahrer war dann riesig. In den fünf ausgeschriebenen Klassen waren letztendlich insgesamt 31 Fahrer am Start, wobei man den Fokus auf den Nachwuchs gelegt hatte. So zeigten neben vier gestandenen 500er-Fahrern Kinder und Jugendliche in den bis 50, 125 und 250 ccm sowie U21 ihr Können.

In der Hauptklasse schien der Tagessieg des einen von zwei Lokalmatadoren, dem MC-Meißen-Eigengewächs Richard Geyer, nach den ersten drei Heats mit einem beruhigendem Punktepolster nur noch eine Formsache zu sein. Im vierten und letzten Lauf schlidderte der 21-Jährige allerdings bei einem harmlosen Sturz dahin und mit ihm seine große Siegchance. Vom Wiederholungslauf war er als Abbruchverursacher dann reglementkonform ausgeschlossen. Diesen entschied sein sportlicher Ziehvater Ronny Weis für sich und schnappte Richard Geyer damit den Tagessieg vor der Nase weg.

"Natürlich war das heute ein etwas komisches Rennen ohne Zuschauer, aber wir sind vor allem glücklich, dass wir den Kindern etwas bieten konnten. Sie konnten ihr erstes Rennen 2020 fahren, was super angenommen wurde. Die Kinder hatten ihren Spaß, und auch vom Ablauf her hat alles super geklappt", meinte der 20 Jahre ältere Ronny Weis kurz nach dem Rennen und führte des Weiteren aus: "Eigentlich wäre unser Frühjahrsrennen der Autohaus-Cup gewesen, den wir wegen Corona absagen mussten. Dass die Autohäuser in dieser Zeit trotzdem zu uns gehalten und uns toll unterstützt haben, finde ich echt klasse. Darüber hinaus haben mehrere Leute, die hier im Hintergrund arbeiten, kostenlos mitgemacht. Das schweißt zusammen. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass wir alles richtig gemacht haben."

Mehrfacher Weltmeister zeigte sich vom Engagement beeindruckt

Viel Lob gab es auch vom prominentesten Teilnehmer, wenngleich der mit Rang vier vorliebnehmen musste. Der ebenfalls 41-jährige Jörg Tebbe aus dem Emsland kam als zweifacher Deutscher Meister (2015, 2018) auf der Langbahn sowie dreifacher Team-Weltmeister (2011, 2012 und 2014) nach Meißen. Er sagte: "Ich bin zu dem Geisterrennen gekommen, weil ich meine Kinder angemeldet hatte und bin dann gefragt worden, ob ich nicht auch Lust hätte. Das war zwar mein erstes Speedway-Rennen seit über einem Jahr, aber dennoch ein super Training. Ich bin dem MC Meißen sehr dankbar, dass wir hier fahren konnten. Es war eine Supermöglichkeit in dieser schwierigen Zeit. Hut ab, wie sie das auf die Beine gestellt haben."

Kleine Fahrer mit ebenfalls großen Leistungen

In der U21-Kategorie gewann der Bayer Erik Bachhuber alle Läufe und damit souverän die Tageswertung. In den Juniorenklassen bis 250 bzw. 125 ccm trugen mit Patrick Hyek und Mario Häusel zwei weitere junge Bayern die Siege davon. In der kleinsten Hubraumkategorie blieb der Pokal für den Gesamtsieg dank Magnus Rau wiederum in Meißen.