Glatteis und Schneeverwehungen drohen: Wie man sich jetzt rüsten sollte

Der Winter hat Sachsen fest im Griff

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Der Winter hat Sachsen fest im Griff. Schneefall, Glätte, gefrierender Regen und eisige Temperaturen sorgen derzeit für erhebliche Einschränkungen im Alltag. Besonders der Verkehr, aber auch Hausbesitzer, Reisende und Menschen mit eingeschränkter Mobilität stehen vor Herausforderungen. Ein Überblick über die aktuelle Lage – und was jetzt wichtig ist.

Warm und sicher: Gut vorbereitet für den Winterstau

Wer bei Schnee unterwegs ist, sollte auf längere Staus vorbereitet sein.

Auf dem Laufenden bleiben und bei Bedarf Hilfe holen

Dauert ein Stau lang, scannt man den Verkehrsfunk im Radio oder auf Handy-Apps nach Infos für den betreffenden Abschnitt. Es kann auch sein, dass dann Helfer geschickt werden, die beispielsweise Getränke oder Decken verteilen.

Geht der Kraftstoff oder die Energie zur Neige oder falls medizinische Hilfe benötigt wird, wählt man am besten den Notruf 112 oder macht sich bei Nachbarautos im Stau bemerkbar, rät der ADAC.

Wie lange können E-Autos oder konventionelle Verbrenner laufen?

Eine Horrorvorstellung: Nach längeren Standzeiten geht der Saft im E-Auto aus oder der Tank neigt sich dem Ende zu – keine Heizung mehr, kein Licht. Wie realistisch sind solche Szenarien?

Der ADAC gibt Entwarnung und verweist auf eigene Tests. Demnach verbrauchen E-Autos rund 1,5 bis 2 Kilowattstunden (kWh), um den Innenraum im Stand bei minus 10 Grad Außentemperatur eine Stunde lang konstant auf 20 Grad zu erwärmen.

Genug Energie für stundenlange Wärme

Ganz entscheidend aber dabei ist: Der Akku muss ausreichend voll sein. Daher nie auf den letzten Drücker nachladen. Denn E-Autos verbrauchen im Winter im Schnitt beim Fahren rund 20 bis 30 Prozent mehr Energie - die Reichweite sinkt.

Auf der Kurzstrecke kann sie sich nach ADAC-Angaben im Extremfall um die Hälfte reduzieren, da Stromer ja keine Motorabwärme für das Heizen des Innenraums nutzen können. Auch der Antriebsakku muss auf Betriebstemperatur gebracht werden - all das kostet Energie.

Rechtzeitig nachtanken und mit gut gefülltem Tank starten

Allerdings benötigen auch Autos mit Verbrenner nun mehr Energie. Sie verbrauchen im Winter dementsprechend mehr Kraftstoff - Benziner im Schnitt um plus 15 Prozent, Diesel plus 24 Prozent, so der Autoclub. Daher gilt auch hier: Rechtzeitig deutlich vor Erreichen der Reserve tanken. Hier liegt der Verbrauch im Stand bei etwa 1 bis 1,5 Liter pro Stunde. Also reicht der Vorrat im Tank in der Regel für viele Stunden.

Wichtige Winterutensilien, die an Bord eines Autos sein sollten:

  • Decken, warme Kleidung
  • Haltbare Snacks, Wasser, heißer Tee
  • Powerbank oder Ladekabel

Zunächst sollte die übliche Winterausrüstung an Bord sein. Dazu gehören:

  • Eiskratzer
  • Handfeger
  • Handschuhe - etwa um sie beim Freikratzen der Scheiben zu tragen Scheibenfrostschutz
  • Starthilfekabel oder Starthilfe-Booster Taschenlampe - kann bei Außenarbeiten im Dunkeln nützlich sein

Besonders für Strecken mit möglichem starkem Schneefall sinnvoll:

  • Schaufel
  • etwas Streusplitt oder Sand
  • Abschleppseil
  • Bei Reisen in den Skiurlaub Schneekettenpflicht am Zielort oder unterwegs prüfen

Winter zu Hause: Das sollten Hausbesitzer jetzt erledigen

Der Wintereinbruch betrifft nicht nur Straßen, sondern auch Gebäude:

  • Schnee nicht an Hauswände schippen, sondern auf Pflanzen oder unter Bäume
  • Schneeverwehungen an Türen, Balkonen und Hausecken entfernen
  • Eiszapfen frühzeitig abschlagen oder Gefahrenbereiche absperren
  • Ungenutzte Wasserleitungen entleeren, Kellerfenster schließen
  • Selten genutzte Räume beheizen, Armaturen isolieren

Besondere Vorsicht gilt bei Schnee auf dem Dach: Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern das Gewicht. Schon zehn Zentimeter nasser Schnee können enorme Lasten verursachen. Dächer sollten nicht selbst betreten, sondern von Fachbetrieben kontrolliert und geräumt werden

Wann gefriert Diesel?

Es ist ein bekanntes Winterproblem: Bei starkem Frost springen Dieselfahrzeuge nicht mehr an oder bleiben sogar während der Fahrt liegen. Ursache ist meist nicht die Batterie, sondern der Kraftstoff selbst. Der ADAC erklärt, warum Diesel bei Kälte Probleme macht – und wie sich Pannen vermeiden lassen.

Warum Diesel bei Kälte Probleme macht

Bei tiefen Temperaturen können sich im Dieselkraftstoff feine Paraffinteilchen bilden. Diese flocken aus und verstopfen den Kraftstofffilter. Das Kraftstoffsystem wird blockiert – der Motor bekommt keinen Diesel mehr.

Schon ab etwa minus sieben Grad können sich auch im sogenannten Winterdiesel erste Paraffinpartikel bilden. Sinkt die Temperatur weiter, kann der Motor nicht mehr starten oder während der Fahrt ausgehen.

Ab wann gibt es Winterdiesel?

In Deutschland sind Tankstellen verpflichtet, von Mitte November bis Ende Februar sogenannten Winterdiesel anzubieten. Autofahrer müssen darauf nicht extra achten – er kommt automatisch aus der Zapfsäule und kostet nicht mehr als normaler Diesel.

Winterdiesel enthält spezielle Additive, die das Ausflocken der Paraffine hinauszögern und so das Kraftstoffsystem schützen sollen. Zusätzlich verfügen viele moderne Dieselautos über Kraftstoff- oder Filterheizungen, die das Problem abmildern.

Bei welcher Temperatur gefriert Diesel?

Diesel „friert“ nicht im klassischen Sinn ein. Stattdessen flocken Paraffine aus:

  • erste Probleme möglich: ab etwa minus 7 Grad
  • Winterdiesel ist bis etwa minus 20 Grad einsatzfähig
  • darunter steigt das Risiko deutlich – vor allem bei starkem Wind und langer Standzeit

Was tun, wenn der Diesel eingefroren ist?

  • Ist der Diesel „versulzt“ und springt das Auto nicht mehr an, hilft nur eines: auftauen.
  • Das Fahrzeug muss in eine beheizte Garage (deutlich über 0 Grad)
  • Erst wenn sich alle Paraffinpartikel im gesamten Kraftstoffsystem wieder aufgelöst haben, läuft der Motor wieder

Wichtig: Kein Föhn, kein Heißluftgebläse einsetzen – Brand- und Beschädigungsgefahr, außerdem erreicht man so nicht alle betroffenen Leitungen.

So geht das Schneeschippen nicht auf den Rücken

Beim Schneeschippen sollte die Rückenmuskulatur warm eingepackt und vollständig bedeckt sein, rät die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Ebenso wichtig: Wer die Schaufel schwingt, sollte sich vorab aufgewärmt haben, also Rücken, Schultern und Arme etwas in Bewegung gebracht haben.

Denn Schippen bedeutet eine starke Belastung für den Rücken. Ein „Kaltstart“ kann gerade untrainierte Muskeln verletzen - etwa wenn wir uns ruckartig bewegen, falsch drehen oder besonders schwere Schneelasten heben. Wer Pech hat, bekommt die Quittung in Form einer Zerrung, Wirbelblockierung oder gar eines Hexenschusses.

Schieben statt heben lautet das Motto

Generell gilt: Wer beim Schippen dem Motto „Schieben statt heben“ folgt, macht viel richtig. Und wenn der Schnee am Ende doch auf den Haufen bugsieren werden muss? Dann kommt es auf die richtige Haltung an: Der Oberkörper bleibt beim Heben gerade, die Knie sind leicht gebeugt, rät die DGOU.

Sinnvoll ist auch, immer mal wieder den aktiven Arm zu wechseln. Diesen Tipp gibt die Aktion Gesunder Rücken (AGR), um eine einseitige Belastung von Bandscheiben und Muskulatur zu vermeiden.

Gut auch, wenn man eine ergonomische Schippe zur Hand hat. Beim Kauf kann man laut AGR darauf achten, dass das Gerät leicht ist und eine aufrechte Arbeitshaltung möglich macht. Die Seitenwände der Schippe sind am besten angewinkelt, sodass der Schnee nicht seitlich herunterrutschen kann.

Wer die Schneeschaufel anderen in die Hand drücken darf

Einige Menschen dürfen das Schneeschippen allerdings guten Gewissens anderen überlassen. Zum Beispiel alle, die in den vergangenen drei Monaten an der Wirbelsäule operiert worden sind, so die DGOU.

Auch Herzpatientinnen und -patienten sollten im Idealfall nicht selbst zur Schippe greifen, lautet der Rat der Deutschen Herzstiftung. Wer diese Aufgabe keiner anderen Person übertragen kann, sollte Pausen einlegen und darauf achten, den Körper nicht zu überlasten.

Salz, Sand oder Sägespäne? Umweltfreundlich bei Eis streuen

Der private Einsatz von Streusalz ist in den vielen Gemeinden mittlerweile verboten. Aus gutem Grund: „Streusalz verätzt Wurzeln und verschlechtert den Nährstoffgehalt im Boden. Das Salz reichert sich im Boden an und stört dann auch das ganze Jahr über die Wasseraufnahme von Bäumen“, erklärt Christian Hönig. Er ist Abteilungsleiter für Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch für Tierpfoten kann Streusalz zum Problem werden.

Zum Salz, das die Eisfläche antaut, gibt es aber auch sogenannte stumpfe Streumitteln als Alternativen. „Bei diesen Streumitteln geht es darum, glatte Oberflächen zu durchbrechen - damit Schuhe auf dem Gehweg oder Reifen auf der Straße Halt finden. Dafür eignen sich grundsätzlich erst einmal alle klassischen Streumittel“, sagt Hönig. Dazu gehören etwa Sand, Kies, Asche oder Holzspäne oder Granulat.

Doch welches dieser Streumittel ist für die Umwelt besonders verträglich? Und gibt es bei der Wahl zu bedenken?

Kies, Sand und Granulat - die Unterschiede

Während Kies, Granulat oder gröbere Sägespäne oft länger liegen bleiben, wird Sand meist schneller abgetragen, so Hönig. „Bei gröberem Kies darf man ruhig großzügig sein, damit die einzelnen Steinchen die Fläche des Gehweges auch abdecken.“

Sind auf dem Weg auch Fahrräder unterwegs, kann Sand statt Kies die bessere Wahl sein. Denn bei feineren Streumitteln hat der Fahrradreifen oft mehr Grip, „zumal sich Sand auf größeren Flächen besser verteilen lässt“, so Hönig. Generell rät er, regelmäßig zu streuen.

Auf Herkunft und Zeichen achten

Wem die Umwelt am Herzen liegt, der achtet beim Kauf auf ein Zeichen: den Blauen Engel. „Damit kann man sicher sein, dass das Streumittel bei der Ausbringung unbedenklich ist.“

Wer noch mehr auf Nachhaltigkeit achten will, sollte Streumittel vermeiden, für deren Herstellung Energie aufgewendet wurde und lange Transportmittel nötig sind - etwa Vulkangestein, das extra abgebaut werden muss. Stattdessen kann man regionale Reststoffe verwenden, die ohnehin bei der Produktion anfallen.

Asche, Holzspäne & Co.: Was es bei Reststoffen zu bedenken gibt

„Befindet sich in der Nähe ein Sägewerk oder eine Tischlerei, kann man dort nachfragen, ob etwa Hobellocken oder Sägespäne übrig sind“, sagt Christian Hönig. Auch feine Hackschnitzel vom Gartenbau sind geeignet. Mit Glück spart man sogar Geld und muss für das Abfallprodukt nicht einmal bezahlen.

Wichtig ist nur: Das verwendete Holz muss unbehandelt sein, darf als beispielsweise nicht lackiert sein. Sonst bringt man im schlimmsten Fall Schadstoffe in die Umwelt.

Das gilt übrigens auch für Asche. „Da ist immer die Frage, was vorher verbrannt wurde. Am besten nimmt man nur Asche aus dem eigenen Kamin. Denn dann weiß man sicher, ob da nur unbehandeltes Holz verbrannt wurde“, so Hönig.

Heißes Wasser - auch eine Lösung?

Streuen ist das eine. Der beste Schutz vor Glätte ist aber, wenn man vorhandene Eisschichten beseitigt. Da kann heißes Wasser helfen.

Der Einsatz ist aber meist nur punktuell sinnvoll. „Die Rutschgefahr ist dadurch aber nicht automatisch gebannt“, sagt Hönig. Im Gegenteil, die Methode birgt sogar Risiken. „Besonders gefährlich sind Eisflächen, wenn sie nur antauen und dann ein rutschiger Wasserfilm darauf bildet.“

Im Idealfall beseitigt man Eis und Schnee, wenn er frisch gefallen ist. Denn richtig rutschig wird die Fläche oft erst, wenn sie mit Druck - also durch unsere Schritte oder Reifen - verdichtet wird.

Räumfahrzeuge auf der Straße: So verhält man sich richtig

Wie verhalten sich Autofahrer eigentlich richtig bei der Begegnung mit Räum- und Streufahrzeugen?

Räumfahrzeuge haben laut ADAC nicht automatisch immer Vorfahrt, aber Sonderrechte. Der Club verweist auf Paragraf 35 der Straßenverkehrsordnung (StVO). So dürfen sie zu jeder Zeit auf allen Straßen und Straßenteilen fahren und halten, soweit der Einsatz das erfordere.

Zu den Fahrzeugen hält man am besten ausreichend Abstand, auch um nicht von Streugut getroffen zu werden. Das verbessert außerdem die Sicht. Als Faustregel nennt der ADAC mindestens den halben Tachowert in Metern. Wird das Auto durch Streugut beschädigt, hafte der Winterdienst in der Regel nicht.

Man kann auch die Warnblinkanlage anstellen, um Nachfolgende vor den meist relativ langsam fahrenden Winterdienst zu warnen.

Darf ich Räumfahrzeuge eigentlich überholen?

In der Regel fahren Räumfahrzeuge mit etwa 20 bis 25 km/h, Streufahrzeuge mit 40 bis 55km/h. Beide fahren allerdings auch nur, wenn es die winterlichen Straßen erfordern - man also ohnehin langsamer fahren sollte.

Darf man diese Fahrzeuge eigentlich überholen? Kurze Antwort: Ja, aber sonderlich sinnvoll ist das nicht.

Rein rechtlich ist das Überholen erlaubt, notiert der Verkehrsclub. Allerdings gelten dabei weiter die normalen Vorschriften beim Überholen: Bei unklarer Verkehrslage, wenn man die Überholstrecke nicht komplett überblicken kann oder die Sicht witterungsbedingt eingeschränkt ist, ist es verboten. Überholen darf man außerdem bis auf Ausnahmen auch auf der Autobahn nur links - rechts vorbei darf man auch dann nicht, wenn der Winterdienst auf der Autobahn etwa ganz links fährt.

Wie sinnvoll ist das Überholen eines Räumfahrzeuges?

In den meisten Fällen ist das Überholen wenig sinnvoll: Hinter dem Winterdienst ist die Straße in der Regel besser geräumt und gestreut als davor. Zudem besteht die Gefahr, durch Streugut beschädigt zu werden oder kurzzeitig die Sicht zu verlieren.

So ist man mit Rollator sicher unterwegs

Arztbesuch oder Einkauf müssen sein, doch die Wege sind glatt und rutschig? Wer sich bei Eis und Schnee mit Rollator nach draußen begibt, muss besonders aufpassen, um nicht zu stürzen.

Für Menschen mit Rollator ist Winterwetter besonders riskant. Wichtig sind:

  • Reifen mit gutem Profil, idealerweise Outdoor-Modelle
  • regelmäßig Bremsen und Räder reinigen
  • rutschfeste Schuhe oder Spikes
  • Rucksack statt Tasche, um die Hände frei zu haben
  • helle Kleidung, Reflektoren und Beleuchtung

Der sogenannte Pinguingang – kleine Schritte, Gewicht leicht nach vorn – sorgt für mehr Stabilität auf glattem Untergrund.

Wie man das Smartphone vor dem Blackout bewahrt

Bei Kälte, Eis und Schnee kommen nicht nur Fußgänger mitunter gefährlich ins Rutschen, auch der Akkustand des Smartphones kann bei sehr niedrigen Temperaturen plötzlich und bedrohlich abschmieren. Denn je kälter ein Akku ist, desto weniger Energie speichert er, erklärt der IT-Branchenverband Bitkom.

Auch Technik leidet unter Frost. Damit das Smartphone nicht plötzlich ausfällt:

  • möglichst nah am Körper tragen
  • starke Temperaturwechsel vermeiden
  • Akku möglichst über 50 Prozent halten
  • Stürze vermeiden – kalte Displays sind spröde
  • isolierende Schutzhüllen nutzen

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