Machen Reporter den Sportgenuss kaputt?

Angemerkt Zu viel Gerede, zu wenig Begeisterung bei den Zuschauern - ein Kommentar von Wieland Josch

Foto: skynesher/E+

Alles könnte so schön sein, ein wenig wie früher: Man macht es sich auf dem Sofa bequem und schaut in aller Ruhe die Olympischen Winterspiele. Aber ach, nix ist wie früher. Zwar geben sympathische Athleten nach wie vor ihr Bestes, jagen durch Eiskanäle oder Loipen, drehen Pirouetten oder sausen durch die Lüfte, aber Begeisterung wie einst kommt nur noch ganz selten auf.

Ein Grund dafür sind die Reporter. Bei denen beschleicht einen das Gefühl, als wäre ihnen die sichtbare Dramatik einfach noch nicht genug, und deshalb schreien und kreischen, jammern und weinen sie in ihre Mikros oder schnappen bei Bedarf über, nur um noch mehr Dramatik aus einem Vorgang herauszuquetschen, der für sich genommen schon spannend genug ist.

Außerdem ist es ihnen offenbar nicht gegeben, länger als eine Nanosekunde still zu sein. Alles wird zugequasselt. Die haben da in ihren engen Kabinen ganz bestimmt keinen einfachen Job, aber dem Zuschauer daheim den Sportgenuss zersägen, das dürfte nicht ihre Aufgabe sein.