Übergriffe von Hunden stehen in Sachsen auf der Tagesordnung. Während die meisten Fälle glimpflich ausgehen, werden vermehrt auch schwerwiegendere Vorfälle gemeldet. So kam es nach der tödlichen Attacke auf eine Schafherde in Chemnitz (BLICK.de berichtete) kürzlich auch in Plauen zu einem Übergriff - diesmal auf eine 19-jährige Frau, die in Arm und Wade gebissen wurde. Die Tierrechtsorganisation PETA forderte jüngst die Einführung des Hundeführerscheins in Sachsen, der in anderen Bundesländern bereits Pflicht ist. BLICK.de fragte bei Hundetrainer und Verhaltensberater Erik Mocker von der Plauener Hundeschule "Hundekoennen" nach, was es damit genau auf sich hat.
Herr Mocker, was halten Sie von der Debatte um einen Hundeführerschein in Sachsen?
Ich kann durchaus verstehen, dass es bequemer ist, den geliebten Vierbeiner ohne entsprechenden Nachweise zu halten. Trotzdem sollte ein Hundeführerschein in Sachsen genauso verpflichtend sein wie in anderen Bundesländern. Natürlich müssten gleichzeitig Anreize geschaffen werden, um die Motivation für so einem Nachweis zu wecken. In anderen Bundesländern, in denen Leinenpflicht besteht, dürfen Hunde in extra eingerichteten Freilaufzonen zum Beispiel nur mit einem entsprechenden Hundeführerschein von der Leine gelassen werden. Das wichtigste Argument ist aber die Sicherheit: durch die fundierten Trainings, die für so einen Hundeführerschein absolviert werden, können wir Beißvorfälle in Sachsen auf ein Minimum reduzieren. Das sollte Anreiz genug sein.
Wie sieht so ein Training mit dem Hund aus?
Wir trainieren im Grunde weniger den Hund, sondern vielmehr den Menschen. Björn Thun von PETA hat das richtig eingeordnet als er meinte, dass viele Halterinnen und Halter Schwierigkeiten haben, die Signale und die Körpersprache der Hunde richtig zu interpretieren. Daran arbeiten wir wöchentlich mit bis zu 80 Teams.
Mit Teams meinen Sie die Menschen mit ihren jeweiligen Hunden?
Richtig, Mensch und Hund sind eine Einheit, die Herausforderungen im Alltag gemeinsam meistert. Genau das wird auf dem Weg zum Hundeführerschein trainiert. Ziel ist das sichere Halten und Führen des Hundes in der Öffentlichkeit ohne Belästigung oder Gefährdung Dritter. Die praktischen Fähigkeiten im Alltag sind dabei genauso wichtig wie die theoretischen Kenntnisse, die am Ende ebenfalls geprüft werden - beispielsweise grundlegendes Wissen über Hundehaltung, Verhalten und rechtliche Bestimmungen. Es gibt übrigens sogenannte Listenhunde, für die so ein theoretischer Sachkundenachweis erforderlich ist.
Was sind die Inhalte der praktischen Ausbildung?
Hierbei lernen Hund und Halter, gemeinsam sicher und kontrolliert durch den Alltag zu gehen. Dazu gehört das zuverlässige Ausführen von Grundkommandos, das entspannte Laufen an der Leine und die notwendige Gelassenheit in verschiedenen Umgebungen wie Fußgängerzonen, Parks oder Einkaufszentren. Auch das Verhalten bei Begegnungen mit Joggern, Radfahrern oder spielenden Kindern wird geübt. Im Freilauf steht das sichere Abrufen im Fokus. Das heißt, der Hund sollte bei Ablenkungen wie anderen Tieren oder spannenden Gerüchen zuverlässig zurückkommen. Auch der Umgang mit stressigen Situationen wird geübt - notwendige Berührungen des Tierarztes zum Beispiel. Halterinnen und Halter werden während der Ausbildung darauf geschult, den Hund sicher zu führen, seine Körpersprache richtig zu interpretieren und in jeder Situation souverän zu reagieren.
Welchen Rat haben Sie abschließend für jene, die überlegen, sich einen Hund anzuschaffen?
Wer vorher noch nie mit Hunden zu tun hatte, sollte das Tier im Welpenalter in den Alltag integrieren. Unsere Erfahrung zeigt: Je älter die Hunde, desto intensiver die Arbeit. Die Vierbeiner entwickeln im Laufe des Lebens ganz eigene Strategien, die sie nur schwer wieder ablegen. Wir Menschen sind in der Regel ja nicht anders.
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