Neuanfang nach Schicksalsschlag: Warum eine Friseurin für die Liebe nach Sachsen zog

Ein Urlaub, eine Begegnung, eine Entscheidung: Rebecca ließ für die Liebe (fast) alles hinter sich

Wolkenburg-Kaufungen

Die schönsten Liebesgeschichten beginnen in der Regel nicht mit einem Knall. Sie beginnen mit einem scheinbar kleinen Moment, der alles verändert. Manchmal mit einer letzten freien Liege. Mit einem Mann, der seinem Sohn zuliebe versucht, wieder Licht ins Leben zu lassen. Und mit einer Frau, die noch nicht ahnt, dass sie ihr Zuhause, ihren eigenen Friseursalon und ihr bisheriges Leben bald hinter sich lassen wird.

Eine Reise, die eigentlich nicht geplant war

„Eigentlich bin ich gar nicht gern auf Schiffen unterwegs“, lacht Rebecca Flösch rückblickend. Auf Empfehlung einer Kollegin tat sie es im Mai 2024 trotzdem: Gemeinsam mit dem älteren ihrer beiden Söhne ging sie an Bord des Kreuzfahrtschiffs AIDA. Einmal im Jahr nimmt sie sich bewusst Zeit nur für eines ihrer Kinder. „Der Altersunterschied ist einfach groß, die Interessen sind verschieden.“

Die letzte Liege am Pool

An einem der letzten Tage der Reise gibt es keinen Landgang. Rund um den Pool ist es entsprechend voll, laut und unruhig. „Wir haben dann tatsächlich die allerletzte Liege in der hintersten Ecke bekommen.“ Dort sieht sie André zum ersten Mal. Er ist mit seinem Sohn unterwegs. Sie kommen ins Gespräch. Unaufgeregt, offen und warm. „Da war sofort eine besondere Stimmung“, erinnert sich Rebecca. „Man merkt ja, wenn jemand viel erlebt hat.“

Begegnung mit tragischer Geschichte im Gepäck

Erst Wochen später sollte sie erfahren, was hinter Andrés Urlaub steckt, warum er allein mit seinem Sohn die Reise auf dem Kreuzfahrtschiff antrat. Ein Jahr zuvor war seine Ehefrau und die Mutter des Jungen auf einer Urlaubsreise tragisch gestorben. „Er wollte mit seinem Sohn raus“, erzählt Rebecca. „Mal etwas anderes sehen. Auf andere Gedanken kommen.“

Ein Kontakt, der nicht abreißt

Rebecca und André tauschen Nummern, wollen sich abends zum Essen treffen. Doch es kommt anders. Kein Empfang. Keine Nachricht. „Ich hatte das innerlich schon abgehakt“, sagt Rebecca. Trotzdem schreibt sie ihm später noch: Schönen Abend. Ein kleiner Satz, der alles offenhält. So bleiben sie in Kontakt.

Gespräche, die Nähe schaffen

Was folgt, sind Telefonate. Lange Gespräche. Auch die Kinder verstehen sich auf Anhieb, telefonieren miteinander. „Das war für mich ganz wichtig“, sagt Rebecca. „Die Kinder haben sofort zueinander gefunden.“ Nur drei, vier Wochen später sitzt sie im Auto. Dieses Mal mit ihrem jüngsten Sohn. Ziel: Wolkenburg in Sachsen. 622 Kilometer, sechs Stunden Fahrt. An diesem Wochenende fällt die Entscheidung. Im Sonnenlandpark verbringen sie einen Tag miteinander. Die Kinder lachen, alles fühlt sich leicht an. „Da hat es Klick gemacht“, sagt Rebecca. „Es war harmonisch. Als wäre das schon immer unser Leben gewesen.“

Zwischen zwei Leben und zwei Orten

Ein Jahr lang pendelt sie fast jedes Wochenende. Jedes Mal die lange Strecke. Auf das Wiedersehen folgt immer ein Abschied. „Ich habe angefangen, im Salon weniger zu arbeiten“, erzählt sie. Irgendwann stellt sich die Frage, die sich nicht mehr wegschieben lässt. „Nichts Halbes, nichts Ganzes – das war für alle anstrengend. Vor allem für die Kinder.“ Der Umzug folgt, vom Kaiserstuhl nach Wolkenburg.

Eine Entscheidung aus Rücksicht

Die Entscheidung, warum sie ihre Heimat verlässt und nicht umgekehrt, ist für Rebecca klar: „Ich wollte seinem Sohn nach allem, was er erlebt hat, nicht auch noch den Ort nehmen, der ihn an seine Mama erinnert.“ Ihren Stiefsohn in spe schließt sie vom ersten Moment an ins Herz. Und ihr eigener kleiner Sohn? „Unser Glück war, dass er überhaupt kein Problem mit dem Umzug hatte.“

Abschied mit gemischten Gefühlen

Schwer bleibt nur der Abschied vom Großen. „Er blieb in der Heimat, hatte nur noch ein Jahr Schule und die Ausbildungsstelle bereits sicher. Als Mama kam ich mir natürlich trotzdem miserabel vor“, sagt Rebecca ehrlich. „Aber er ist sehr selbständig, hat ein gutes Verhältnis zu seinem Papa.“ Heute hat er sein eigenes Reich bei der Oma. „Wir telefonieren jeden Tag.“

Ein beruflicher Neuanfang

Auch beruflich beginnt sie noch einmal neu. „Was du einmal geschafft hast, das klappt auch ein zweites Mal“, sagt Rebecca, die sich im badischen Ihringen seit 2017 ihren eigenen Salon mit jeder Menge Stammkundschaft aufgebaut hatte. In Wolkenburg findet sie einen Salon, in den sie mit einsteigen kann – ein Haus nahe dem Schloss, unweit der Mulde. Schritt für Schritt kommt sie an.

Ankommen in einem neuen Alltag

Natürlich fehlt manches: „In erster Linie mein großer Sohn. Dazu die Reben, der Wein, das Landschaftspanorama.“ Doch es gebe auch viel, was sie gewonnen hat – eine neue Lebensqualität zum Beispiel: „Die Menschen hier sind nicht so auf Karriere gepolt. Familie und Freizeit zählen mehr. Ich habe gelernt, mit weniger glücklich zu sein“, sagt Rebecca.

Wenn aus einem Schritt ein Zuhause wird

Auch die Wolkenburger haben ihre neue Friseurin längst angenommen. Wenn Rebecca heute im Salon steht, die Schere in der Hand, den badischen Klang noch immer auf der Zunge, dann ist klar: Manche Neueröffnungen sind mehr als ein beruflicher Schritt. Diese hier ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, getragen von Liebe, Rücksicht und Mut.

Art of Hair style Rebecca Flösch

Herrnsdorfer Straße 2

09212 Limbach-Oberfrohna

Kontakt: 0174 6435682

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