Razzia in sieben Bundesländern wegen Pokerrunden-Betrug

Polizei Sechs Haftbefehle vollstreckt, 300 Beamte im Einsatz

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Foto: Haertelpress

In den frühen Morgenstunden des 15. Mai wurden im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Dresden Wohnungen, Nebengelasse und Gewerbeobjekte von Einsatzkräften des Landeskriminalamtes (LKA) durchsucht.

Besonders in Sachsen, aber auch in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz wurden diese Maßnahmen wegen Verdachts von "Verbrechen des banden-und gewerbsmäßigen Betrugs" in Zusammenhang mit Pokerspielen durchgeführt.

Viele Tatverdächtige gehören den "Hells Angels" an

Die Regionalstelle des Landeskriminalamts in Görlitz ermittelt bereits seit Oktober 2017 wegen solcher Verbrechen gegen eine Tätergruppe von derzeit fünfzehn bekannten Beschuldigten. Bei mehreren Tatverdächtigen soll es sich laut des Landeskriminalamtes um Mitglieder der Berliner "Hells Angels" handeln. Sie sollen mindestens seit April 2014 regelmäßig Pokerrunden organisieren und daran persönlich teilnehmen. Vorrangig sehr zahlungsfähige, teils auch prominente oder besonders in der Öffentlichkeit stehende Personen, werden dann angeworben.

Indem die Tatverdächtigen in vorher detailliert abgestimmter Aufgabenverteilung und mit wechselnder Beteiligung teilnehmen und eigens dafür angeschafftes technisches und entsprechend manipuliertes Equipment benutzen, wird dann absichtlich ein finanzieller Schaden bei den Betroffenen herbeigeführt.

Laut Informationen des LKA soll sich der Gewinn der Gruppierung pro Spieltag im vier- bis fünfstelligen Bereich bewegen. Seit 2014 soll nach gegenwärtigen Erkennnissen ein Gesamtgewinn von mindestens 660.000 Euro erzielt worden sein. Einige Tathandlungen müssen allerdings noch ermittelt werden. Die bisher bekannten Pokerrunden fanden in Dresden, Hamburg, Rostock, Zwickau, Leipzig und sogar auf Mallorca statt.

Viele Beweismittel sichergestellt

Bei dem Einsatz am 15. Mai wurden in 23 Durchsuchungsobjekten viele Beweismittel sichergestellt, beispielsweise manipuliertes Equipment und zahlreiche Unterlagen sowie diverse Datenträger. Außerdem stellten die Einsatzkräfte eine Schusswaffe, Betäubungsmittel und umfangreiche Vermögenswerte sicher.

Des Weiteren wurden sechs bestehende Haftbefehle vollstreckt. Vorläufig festgenommene Tatverdächtige werden zuständigen Ermittlungsrichtern vorgeführt, heißt es. Insgesamt waren etwa 300 Beamte im Einsatz. Die Ermittlungen dauern an.