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Runder Tisch: Mediziner und Politiker diskutieren über Corona-Impfpflicht

Diskussion "Ärzte für alle Bürger" gegründet

Leipzig. 

Leipzig. Ein runder Tisch namens "Ärzte für alle Bürger" gründete sich kürzlich in Leipzig. An die 30 Mediziner laden im Wechsel lokale und überregionale Gäste aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft zu Videotalks anlässlich der Corona-Impfpflicht ab 16. März im Gesundheitswesen ein.

 

Krise in Medizin und Gesellschaft

Mitbegründer Torsten Mahn, Leipziger Hausarzt und Ethikberater im Gesundheitswesen, sprach gegenüber BLICK von einer "großen Krise" in medizinischer Versorgung und bei demokratischen Prozessen. Es herrsche starke Verunsicherung in der Bevölkerung, "Spaziergänge" nähmen zu. Er finde es schade, dass Bürger, die sich ernsthaft um ein Miteinander bemühten, "in eine bestimmte Ecke" gedrängt würden. "90 Prozent gehören dort nicht hin", sagte er und meint: "Jeder, der aktuell das Narrativ der Wissenschaft hinterfragt oder verstehen will, wird verhöhnt oder verlacht - ein gruseliges Framing".

Der runde Tisch will das entschärfen. Gefragt ist ein offener und respektvoller Diskurs - auch bei Denkblockaden. Das Anliegen: "Aufruf zu Ehrlichkeit, Toleranz und Mitmenschlichkeit".

 

Gegen Diskriminierung und Gewalt

Die angeschlossenen Mitglieder verwehren sich gegen Diskriminierung und Gewalt in jeglicher Form. Sie fordern die sofortige Aussetzung der Impfpflicht im Gesundheitsbereich. Auch für die Allgemeinheit lehnen sie sie ab und wollen Alternativen zur Pandemiebekämpfung.

 

"Impfen ist kein Notfall"

Mahn hatte 2021 den "Coronapieks" in seiner Praxis beendet, da Patienten nach seiner Erfahrung überwiegend unter gesellschaftlichem Druck zur Impfung gekommen wären. Die Entscheidung über eine Therapie dürfe indes nicht unter Druck oder der Androhung von Sanktionen erfolgen. Dann sei es keine freier Wille mehr, so der Arzt. Nur im Notfall gebe es Ausnahmen. "Impfen ist kein Notfall", betont er.

 

Stimmen vom Debüt des Runden Tischs:

 

Annett Sudarma, Pflege-Teamleiterin an der Uniklinik Leipzig, sieht in der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ein großes Problem. Sie beobachte eine Verhärtung der Meinungen. Man lasse andere Ansichten teils nicht mehr zu. "Ich kenne viele, viele Mitarbeiter, Kollegen, die sich nicht impfen lassen", erklärte sie. "Es ist sowieso schon so, dass wir eine sehr dünne Personaldecke haben", ergänzte die erfahrene Krankenschwester und zeigte drastisch auf: "Wir laufen seit Jahren unter dem Limit". Sudarma fragt sich, wie man dazu noch ein berufliches Aussteigen von Kollegen langfristig kompensieren könne.

 

Ermessen beim Beschäftigungsverbot

Zum gesetzlichen Vollzug der Impfpflicht sprach Landrat Henry Graichen (CDU). Demnach könne das Gesundheitsamt bei Verstoß ein Beschäftigungsverbot umsetzen, gab er zu verstehen. Das sei ein weiter Ermessensspielraum. Es gelte, verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen. Graichen: "Die Versorgungssicherheit hat oberste Priorität". Landkreis und Stadt Leipzig setzten auf Impfberatung. "Das soll keine Impfüberredung sein", beruhigte er.

 

Dialog mit Spaziergängern suchen

Der parteilose Oberbürgermeister Roland Dantz für Kamenz (Ostsachsen) sorgt sich um die gesellschaftliche Spaltung. Sein Credo zu den aktuellen Spaziergängen: "Es sind alles Menschen, sucht den Dialog mit ihnen!" Die Gesetze gingen an den Menschen vorbei. Da brauche man sich nicht zu wundern, wenn der Druck auf der Straße immer größer werde. Er freue sich, wenn Menschen "in ordentlicher Weise" , ohne Gewalt, aber in einer klaren Bestimmtheit für ihre persönlichen Rechte einträten. Dantz befürwortet eine Aussetzung der Impfpflicht. "Was mit meinem Körper geschieht, ist meine persönliche Entscheidung!", betonte der Bürgermeister. Das sei das Grundprinzip freier Menschen.

 

Auf intensive Impfberatung setzen

"Keine Grabenkämpfe" möchte Michael Hultsch (parteilos), Bürgermeister der Stadt Bad Lausick. "Mein Wunsch für die Thematik ist, dass wir verbindend wirken", äußerte er. Man solle Meinungen stehenlassen, Würde und Achtung vor dem Anderen bewahren. Bärbel Hartmann beurteilt die Impfpflicht als Amtsleiterin des Gesundheitsamts für den Landkreis Leipzig verhalten. Als Behörde komme sie den Verpflichtungen nach. Doch möchte sie auf intensive Beratung und freie Entscheidungen setzen. Sie erwartet hohen Umsetzungsaufwand.

 

Keine sterile Immunität erreichbar

Professor Dr. Henrik Ullrich, Facharzt für diagnostische Radiologie an der Collm-Klinik in Oschatz äußerte sich fachlich und persönlich. Die ersten Meldungen zur Einführung einer Impfpflicht gegen das SARS- Cov-2-Virus seien Ende 2020 davon ausgegangen, dass die Impfungen zu einer sterilen Immunität führten. "Wir müssen uns jetzt nach mehr als einem Jahr eingestehen, und das ist fachlicher Konsens, dass die Impfung mit mRNA- und auch anderen Impfstoffen nicht zu einer sterilen Immunität führt, erklärte er. Man müsse in Betracht ziehen, dass deshalb eine spezielle und allgemeine Impfpflicht ihre Sinnhaftigkeit verliere. "Der Erkrankungsverlauf ist zwar bei vielen Patienten durchaus gemildert", führte er aus und sagte: "Damit ist jetzt schon klar, und das ist auch Konsens unter den Fachleuten, dass wir zwar einen Schutz haben, aber keine sterile Immunität erreichen." Das müsse in der Politik als Tatsache ankommen. Es stimme ihn sehr traurig, dass auch heute noch ungeimpfte Mitarbeiter als Gefahr für ihre Patienten dargestellt würden. Omikron zeige indes im Infektionsmuster keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften.

 

 

"Pieks" nicht an Omikron festmachen

Dankbar für die bisherigen Impfungen ist Allgemeinärztin Katrin Kräcker aus Borna. Sie befürwortet die Impfpflicht und betreute bereits rund 600 Coronapatienten. Ein Reihe habe mit schweren Verläufen ins Krankenhaus gemusst. "Einige verstarben", gab sie wieder. Eine Impfpflicht ließe sich allerdings nicht an der milderen Omikron-Variante festmachen. Aber das "Danach?", fragt sie.

 

Alternativen zur Pandemiebekämpfung

Hausarzt Torsten Mahn behandelt seit zwei Jahren Coronakranke. Er setzt auf Alternativen zur Impfung. "Bis heute musste ich keinen meiner Patienten ins Krankenhaus einweisen", freut er sich. Er schaue sich die Symptome an und habe viele Medikamente, diese zu behandeln. Der Leipziger kritisierte auch, dass sich nach positiver Testung medizinisch niemand mehr um Betroffene in Quarantäne kümmere.

Fazit: Es herrscht Angst vor dem personellen Blackout im Gesundheitswesen. Die gespaltene Gesellschaft bereitet ebenfalls große Sorgen, und eine Impfpflicht wird mit Skepsis betrachtet. An einer zweiten Gesprächsrunde für Anfang März wird aktuell gebastelt. Die erste Diskussion hier zu hören.

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