Sachsen-Monitor: Ein "irritierendes Ergebnis"

Bevölkerung Demokratie geschätzt, Parteivertrauen gesunken

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Foto: Dirk Baltrusch/Getty Images

Dass die Demokratie hochgeschätzt wird, während zugleich Politik und Parteien schlecht abschneiden, sei ein irritierendes Ergebnis. Zu dem Schluss kommt Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, bei der Auswertung des "Sachsen-Monitors 2017".

Er enthält die Ergebnisse einer repräsentativen, von der Sächsischen Staatskanzlei in Auftrag gegebenen Umfrage. Dabei wurden unter anderem die Haltung zur Demokratie, menschenfeindliche und extremistische Einstellungen und Gerechtigkeitsempfinden erfasst.

Das Ergebnis:

Insgesamt schauen die Sachsen weiterhin zufrieden auf das seit 1990 Erreichte und blicken optimistisch in die eigene Zukunft. Grund dafür ist die Wahrnehmung der persönlichen Lebensumstände wie Lebenshaltungskosten, Wohnsituation, Freizeit, soziale Absicherung oder Sicherheit im öffentlichen Raum. Mit diesen Umständen sind - je nach Antwortkategorie - 55 bis 90 Prozent der Sachsen eher oder sogar sehr zufrieden.

Gleichzeitig sorgen sich viele Menschen (83 Prozent) darum, dass die Gegensätze zwischen Arm und Reich zunehmen. Die Sorgen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht, teilen 71 Prozent der Befragten.

Vertrauen in aktuelle Demokratie gestiegen

Auffallend gestiegen ist gegenüber den Ergebnissen des Sachsen-Monitors 2016 das Vertrauen in die Funktionsweise der Demokratie und deren Institutionen. So vertrauen 27 Prozent der Befragten der EU-Kommission. 2016 waren dies nur 18 Prozent.

Gegenüber rund einem Drittel im vergangenen Jahr vertrauen nun etwa 40 Prozent dem Bundestag beziehungsweise der Bundesregierung. Ressentiments gegen Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit sind ebenfalls in Teilen der sächsischen Bevölkerung verbreitet. So sind 56 Prozent der Sachsen der Meinung, dass Deutschland in einem gefährlichen Maß "überfremdet" sei.

Menschenfeindlichkeit ist und bleibt ein Thema

Löffler: "Grund zur Sorge bereitet das weiterhin hohe Maß an gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, gerade in der jüngeren Generation. Hier ist die politische Bildung in den und außerhalb der Schulen gefordert, ebenso aber auch alle gesellschaftlichen Kräfte und ganz besonders die Familien."

Staatsminister Fritz Jaeckel ergänzt: "Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, Extremismus zurückzudrängen und die Menschen für das freiheitliche und demokratische Gemeinwesen zu gewinnen. Denjenigen, die Hass und Zwietracht in der Gesellschaft säen, müssen Grenzen aufgezeigt werden."

Ein Kommentar zum Ergebnis des Sachsen-Monitors von Wieland Josch.



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