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So soll der Präsenzunterricht gesichert werden

Bildung Israel führt neue Strategie für Drei- bis Zwölfjährige ein - ein Vorbild für andere Länder?

Das neue Schuljahr hat begonnen. Seit dieser Woche sitzen Sachsens Schülerinnen und Schüler wieder auf der Schulbank. Das bedeutet vor allem eins: Testen, testen, testen und hoffen, dass kein Ergebnis positiv ausfällt, denn sonst heißt es "Ab in Quarantäne". Israel hingegen schlägt eine neue Strategie ein: Zum Schulbeginn werden alle Kinder zwischen drei und zwölf Jahren auf Antikörper geprüft, um festzustellen, wer bereits immun gegen das Coronavirus ist. Was genau hinter dieser Strategie steckt, weiß Gunther Burgard, medizinischer Direktor der Pharmact GmbH. Das Unternehmen ist einer von drei Antikörpertest-Lieferanten für Israel.

 

Antigen- vs. Antikörpertest: Wo liegt der Unterschied?

Beim sogenannten Antigen-Test, der in Sachsens Schulen zum Einsatz kommt, wird das Virus anhand bestimmter Eiweiße, sogenannter Antigene, nachgewiesen. Bei Menschen, die das SARS-CoV-2-Virus in sich tragen, befinden sich diese Eiweiße in Nase, Mund und Rachenraum. Für den Antigen-Test wird deshalb ein Abstrich aus dem Mund-, oder Rachenraum genommen und auf den Test aufgebracht. Der Test ist positiv, wenn in beiden Anzeige-Fenstern ein farbiger Strich erscheint. Das Ergebnis ist nach wenigen Minuten ablesbar, eine Analyse im Labor nicht nötig.

Der Antikörper-Test, der jetzt in Israels Schulen angewendet wird, ist dagegen kein direkter Nachweis für das Coronavirus. Er eignet sich deshalb nicht, um zu prüfen, ob jemand aktuell infiziert oder ansteckend ist. Dieser Test kann jedoch zeigen, ob jemand Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus gebildet hat - also schon einmal mit dem Virus infiziert war. Für den Test wird Blut abgenommen, das im Labor auf Antikörper untersucht wird. Ein positives Ergebnis bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass jemand immun gegen das Virus ist.

 

Warum bevorzugt Israel den Antigen-Test?

"Mit ihrem Projekt möchte die israelische Regierung verhindern, dass bei einem positiv getesteten Fall die gesamte betroffene Klasse in Quarantäne gehen muss", erklärt Gunther Burgard. "Das heißt: Wenn sich bei einem Schüler das Virus nachweisen lässt, werden alle Klassenkameraden ebenfalls überprüft. Wer bereits Antikörper in sich trägt und auch ein negatives Antigen-Schnelltestergebnis hat, darf weiter zur Schule kommen. Die Kinder ohne Antikörper bleiben zu Hause und werden eine Woche lang täglich mit einem Antigentest auf Corona getestet - bleibt das Ergebnis negativ, dürfen auch sie wieder am Präsenzunterricht teilnehmen."

Da bei vielen Drei- bis Zwölfjährigen eine Infektion asymptomatisch verläuft, wisse man, wer über eine Immunabwehr verfügt und wer nicht. Burgard: "Vermutlich besitzen wesentlich mehr Schüler Antikörper, als offiziell bekannt ist. Bei einem Pilotprojekt in einer israelischen Gemeinde wurde zum Beispiel festgestellt, dass fast jedes fünfte Kind Antikörper aufweist."

 

 

 

 

Quarantäne ganzer Klassen auch in Deutschland vorbei

Auch hierzulande geht bei einem positiven Fall nicht der ganze Klassenverbund in Quarantäne. Darauf haben sich die Länder kürzlich geeinigt. Dabei setzt man jedoch nach wie vor ausschließlich auf die Ergebnisse von Antigentests. Eine Untersuchung auf Antikörper ist nicht vorgesehen. "Es gilt: So viel Quarantäne-Anordnungen wie nötig, so wenig wie möglich", fasst Sachsens Gesundheitsministerin Petra Kipping den gemeinsamen Beschluss zusammen.

Heißt: In der Altersgruppe bis 12 Jahre soll grundsätzlich nur der positiv getestete Schüler in Quarantäne, gegebenenfalls (ungeimpfte) Erwachsene mit engem Kontakt. Die anderen Schüler - sofern nicht genesen - sollen unter Einsatz einer erhöhten Testfrequenz (dreimal wöchentlicher Antigenschnelltest) über 14 Tage beobachtet werden. Dies gilt auch für den betroffenen Lehrer.

In der Altersgruppe ab 12 Jahre an Schulen soll nur der betroffene Schüler in Quarantäne. In der Klasse sollen nur die direkten Sitznachbarn der infizierten Person sowie Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, die in engem Kontakt standen, als "enge Kontaktpersonen" mit Quarantänepflicht gelten, sofern keine Maske getragen wurde. Ausnahme sind Geimpfte und Genesene. Die anderen Schüler - sofern nicht geimpft oder genesen - sollen über 14 Tage dreimal wöchentlich getestet werden.

 

Quarantäneentscheidung kann auch abweichen

In Kitas sollen das betroffene Kind und gegebenenfalls ungeimpfte Betreuer mit engem Kontakt in Quarantäne. Für weitere symptomlose Kinder der Gruppe soll keine Quarantäne angeordnet werden. Die Kinder und Betreuer der Gruppe sind aber für 14 Tage von anderen Gruppen der Einrichtung räumlich zu trennen. Die betroffene Gruppe erhält während dieser Zeit alle zwei Tage so genannte "Lollitests". Die Bereitstellung und Abholung wird über die Gesundheitsämter organisiert.

 

Das Gesundheitsministerium betont: Letztlich bleiben die Quarantäneanordnung aber in jedem Einzelfall eine Entscheidung des Gesundheitsamtes entsprechend der Lage vor Ort. Es komme auch darauf an, wie übersichtlich sich die Infektionslage und die Kontaktnachverfolgung darstellt.