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  1. Sachsen
  2. Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt

Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt

Tauben gehören zum Stadtbild in Sachsens Großstädten. Doch statt fester Konzepte setzen die Städte auf Fütterungsverbote und das Engagement Ehrenamtlicher.

16.01.2026, 04:00 Uhr
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    Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Nach einer Studie von 2022 bis 2024 leben zwischen 12.000 und 24.000 Brutpaare allein in Sachsen.
    Nach einer Studie von 2022 bis 2024 leben zwischen 12.000 und 24.000 Brutpaare allein in Sachsen. Foto: Jennifer Brückner/dpa
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    Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Eine Stadttaube legt im Jahr zwischen sechs und acht Eier.
    Eine Stadttaube legt im Jahr zwischen sechs und acht Eier. Foto: Jennifer Brückner/dpa
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    Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Zur Bestandsregulation werden Taubeneier durch Plastik- oder Gipseier ersetzt.
    Zur Bestandsregulation werden Taubeneier durch Plastik- oder Gipseier ersetzt. Foto: Jennifer Brückner/dpa
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    Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Alleine im Schlag am Bayerischen Bahnhof werden täglich ungefähr 18 Kilogramm Körner verfüttert.
    Alleine im Schlag am Bayerischen Bahnhof werden täglich ungefähr 18 Kilogramm Körner verfüttert. Foto: Jennifer Brückner/dpa
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    Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Konstanze Radke kümmert sich regelmäßig um den Taubenschlag am Bayerischen Bahnhof in Leipzig.
    Konstanze Radke kümmert sich regelmäßig um den Taubenschlag am Bayerischen Bahnhof in Leipzig. Foto: Jennifer Brückner/dpa
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    Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Häufig wird die Effektivität von Taubenschlägen angezweifelt.
    Häufig wird die Effektivität von Taubenschlägen angezweifelt. Foto: Jennifer Brückner/dpa
Leipzig

Pflegen oder sich selbst überlassen: Ob am Bayerischen Bahnhof in Leipzig oder am Hauptbahnhof in Dresden - Tauben werden schnell zu einem Problem. Zu viele Tiere, die zu viel Dreck erzeugen. Wie also umgehen mit den Vögeln? Während die Städte auf Fütterungsverbote setzen, schauen freiwillige Initiativen vor allem auf das Tierwohl. Eine Obhut und gute Nahrung sollen dem endlosen Dreck ein Ende setzen. Die Städte sind davon bislang nicht überzeugt. 

Städte als Paradies für Tauben

Doch warum sind überhaupt Maßnahmen notwendig? Zu viele Tauben gelten oft als Problem. Ob Hauseigentümer oder die Kommune: In großen Scharen werden sie schnell zu unliebsamen Gästen. 

  • Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Eine Stadttaube legt im Jahr zwischen sechs und acht Eier.
    Eine Stadttaube legt im Jahr zwischen sechs und acht Eier. Foto: Jennifer Brückner/dpa

Gerade in Städten finden die Stadttauben ein gutes Angebot an Nistmöglichkeiten, erklärt Sabine Krause von dem Verein Stadttauben-Initiative Dresden. Als Nachfahren der Felsentaube fühlten sich die Tiere besonders an und in Steinmauern wohl, ergänzt Konstanze Radke von der Stadttaubenhilfe Leipzig. Zugleich würden jährlich etliche Brief- und Zuchttauben über Abwege in der Stadt landen, so Radke.

Der Status quo: Tausende Brutpaare in Sachsen

Nach einer Studie von 2022 bis 2024 leben alleine im Freistaat Sachsen zwischen 12.000 und 24.000 Brutpaare, teilte das Landesministerium für Umwelt mit. Eine gesetzliche Verpflichtung, sich um die Tiere zu kümmern, haben die Kommunen grundsätzlich nicht. Tauben gelten als herrenlose Tiere, erklärt die Stadt Leipzig auf Anfrage. Pflege und Versorgung seien damit freiwillig. 

Die drei größten Kommunen Sachsens greifen dennoch regulierend ein. So gibt es in Leipzig, Chemnitz und Dresden Fütterungsverbote für die Tiere. Leipzig und Dresden begründen das Verbot vor allem mit dem Infektionsschutz, während Chemnitz den Wildtierschutz in den Vordergrund stellt. Ein Verstoß kann in der Landeshauptstadt sowie in Leipzig zu einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro führen.

Das Nahrungsangebot sei jedoch gar nicht ausschlaggebend für die Größe der Population, sagt Krause. "Alles, was sie hier an Nahrung finden, ist nicht artgerecht", erklärt sie. Das führe vor allem zu viel Durchfall bei den Tieren. Auch seien die verwilderten Haustiere es nicht gewohnt, sich Futter auf Wiesen zu suchen. Stattdessen griffen sie auf Müll zurück.

Fütterungsverbote, wie sie in den größten Städten Sachsens existieren, halten beide Vereine daher für ineffektiv. Es sei Tierquälerei, da die Tiere keine Chance haben, artgerechtes Futter zu finden, so Marta Broll, ebenfalls von der Stadttauben-Initiative Dresden.

  • Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Zur Bestandsregulation werden Taubeneier durch Plastik- oder Gipseier ersetzt.
    Zur Bestandsregulation werden Taubeneier durch Plastik- oder Gipseier ersetzt. Foto: Jennifer Brückner/dpa

Tiere brüten unter allen Umständen

Die Tiere, oft Nachkommen von Haus-, Zucht- und Brieftauben, brüteten oft das gesamte Jahr über. Eier legen die Tauben auch unter den widrigsten Bedingungen, bestätigt Radke. Zwischen sechs- und achtmal pro Jahr brüteten domestizierte Tauben, so Broll. Wildtauben hingegen nur ein- bis zweimal. Kommunale Gesamtkonzepte zum Umgang mit Stadttauben gebe es bislang nicht.

Freiwillige Initiativen statt kommunaler Konzepte

Die Stadt Dresden verweist auf private Taubenschläge in der Stadt. Der Verein Stadttauben-Initiative Dresden unterhält vier in Dresden. So wurde etwa im Herbst 2018 ein Taubenschlag am Bahnhof Mitte mit 350 Tauben errichtet. 

Die Taubenschläge, in denen die Eier der Brutpaare durch Kunsteier ersetzt werden, dienen der Bestandsregulierung. Jährlich werden so über 1.800 Eier alleine am Bahnhof ausgetauscht, erklärt Broll. Stadtweit seien es fast 4.500 Eier. Zusätzlich holen Freiwillige täglich bis zu 10 Kilogramm Kot aus dem Taubenschlag. Die Tiere verbringen hier fast 80 Prozent ihres Tages. So sei die Verschmutzung in der Umgebung deutlich zurückgegangen. 

  • Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Alleine im Schlag am Bayerischen Bahnhof werden täglich ungefähr 18 Kilogramm Körner verfüttert.
    Alleine im Schlag am Bayerischen Bahnhof werden täglich ungefähr 18 Kilogramm Körner verfüttert. Foto: Jennifer Brückner/dpa

Angelehnt ist das Konzept am Augsburger Modell. Bereits vor mehr als 20 Jahren wurden hier für alle Tauben Schläge gebaut und damit begonnen, Eier auszutauschen. 

Die Effektivität dieser Taubenschläge für die Bestandsregulierung sei unbekannt, erklärt jedoch die Stadt Dresden. Der Verein bestätigt, dass es für eine effiziente Bestandsregulierung an jedem Hotspot einen Taubenschlag geben müsste. Dafür bräuchte es jedoch mehr Unterstützung der Stadt: Vor allem an Flächen für neue Taubenschläge fehlt es. Weitere Freiwillige können sich finden lassen. 

Die Stadt Chemnitz spricht von drei Taubenhäusern, welche durch den "Tierschutzverein Chemnitz und Umgebung e.V." betreut werden. Wie der Verein jedoch auf Anfrage mitteilte, wurden diese Taubenhäuser aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten aufgelöst. Die Taubenschläge seien zum Teil abgerissen worden. Aktuell fehle es in Chemnitz damit an jeglicher Initiative für die Tauben. 

Auch Leipziger Helfer setzen auf Taubenschläge

  • Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Konstanze Radke kümmert sich regelmäßig um den Taubenschlag am Bayerischen Bahnhof in Leipzig.
    Konstanze Radke kümmert sich regelmäßig um den Taubenschlag am Bayerischen Bahnhof in Leipzig. Foto: Jennifer Brückner/dpa

In Leipzig sei die Zahl der Tauben nicht bekannt, so die Stadt. Das Ordnungsamt gehe jedoch von mehreren Tausend aus. Geld fehle aktuell, um ein freiwilliges Projekt zu unterstützen, erklärt ein Sprecher. Die Effektivität von Taubenschlägen wird jedoch bezweifelt.

Der Verein Stadttaubenhilfe in Leipzig hat drei Taubenschläge. Einer davon steht hinter dem Bayerischen Bahnhof. Ungefähr 200 Tiere werden hier ähnlich wie in Dresden betreut. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn soll so das Taubenproblem an der Haltestelle in den Griff bekommen werden.

Um noch effektiver den Taubenbestand in Leipzig zu regeln, bräuchte der Verein Unterstützung durch die Stadt. Vor allem leerstehende Gebäude bieten den Tieren günstige Bedingungen zum Brüten. Auch hier würde der Verein gerne Eier austauschen, um die Ausbreitung zu reduzieren. Doch auch neue Plätze für einen Taubenschlag nimmt der Verein gerne an. "Es wäre einfach schön, wenn sie uns mal zuhören", sagt Radke. Schließlich seien die Tiere nur durch den Menschen in der Stadt. 

  • Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt - Häufig wird die Effektivität von Taubenschlägen angezweifelt.
    Häufig wird die Effektivität von Taubenschlägen angezweifelt. Foto: Jennifer Brückner/dpa

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Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

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