Tierschützer schlagen Alarm: Immer mehr Igel werden verletzt

Gartentiere Ordnungssinn und moderne Technik gefährden die kleine Stacheltiere erheblich

Region. 

Region. Der Igel hat es nicht leicht. Zwar wurde er kürzlich zum "Gartentier des Jahres 2020" gewählt, doch das nützt dem Stacheltier wenig. Er wird auch in der Region seltener, was verschiedene Gründe hatte. Einer davon ist ziemlich blutig und eine Qual für das kleine Säugetier. Denn es wird durch moderne Gartengeräte schwer verletzt. Tierheime und Igelstationen schlagen Alarm, denn die Zahl der verletzten Igel ist offenbar deutlich gestiegen.

"Es ist wirklich schlimm", sagt auch Kathrin Effenberger von der Igelstation in Lugau, die seit April regelmäßig Tiere mit erheblichen Wunden versorgt hat. Tiefe Schnitte im Kopf, abgetrennte Hautfetzen oder fehlende Gliedmaßen rührten sie dabei fast zu Tränen. Als Grund hat sie vor allem Mähroboter und Motorsensen ausgemacht, die ohne Rücksicht auf Gartenbewohner eingesetzt werden.

Vorsicht statt Nachsicht

"Mähroboter sollten nur tagsüber fahren. Wer mit der Motorsense arbeitet, musst vorher schauen, ob sich Tiere im hohen Gras oder in Heckenrändern verstecken", fordert die Tierschützerin, die zum Verein "Stachel & Co. Erzgebirge" gehört, der in Lugau eine Igelstation betreibt.

Den meisten Patienten mit Schnittwunden konnte Kathrin Effenberger allein nicht helfen. Deswegen fuhr sie in den vergangenen Wochen regelmäßig zur Tierärztin nach Crimmitschau, die den Verein unterstützt. Es ist zwar erstaunlich, welche schweren Verletzungen die Igel überleben können, doch für manche kommt die Hilfe auch zu spät. Wie viele unbemerkt und schwer verletzt im Dickicht verenden, will Kathrin Effenberger gar nicht mutmaßen.

Menschen verdrängen Lebensbereiche von Igel und Co.

"Wir brauchen unbedingt mehr Natur und wilde Ecken in den Gärten. Leider hat sich aber ein extremer Ordnungssinn entwickelt, vor allem wenn Leute Langweile haben", sagt sie. Wo aller zwei Wochen mit dem Rasenmäher Kahlschlag gemacht wird oder Schottergärten entstehen, fehlt jede biologische Vielfalt. Diese fast toten Bereiche bieten dem Igel keine Nahrung. Laub- und Geästhaufen könnten genauso helfen, wie naturnahe Wiesen. Wer Igeln füttern will, sollte auf Katzenfutter und Wasser zurückgreifen. Milch oder Obst nützen nichts und können den Igeln sogar schaden. Informationen zum Igelschutz gibt es unter www.pro-igel.de.