Update zu Haus-Einsturz in Görlitz: Ermittler nehmen zwei Tatverdächtige ins Visier

Die Ermittler hoffen auf Hinweise von Anwohnern, Pendlern sowie Touristen und loben Belohnung in Höhe von 5.000 Euro aus.

Görlitz

Nach dem Einsturz eines Mehrfamilienhauses an der James-von-Moltke-Straße in Görlitz am Nachmittag des 18. Mai laufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft weiterhin auf Hochtouren. Bei dem Unglück kamen drei Menschen ums Leben. Die Ursache des Einsturzes ist bislang nicht abschließend geklärt.

Tatverdächtige im Visier

Inzwischen haben die Ermittler zwei Tatverdächtige identifiziert und festgenommen. Beide Männer stehen im Verdacht, Rohrleitungen in dem später eingestürzten Gebäude beschädigt oder manipuliert zu haben.

Verdacht auf Explosion durch Manipulation von Leitungen

Die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei ermitteln gegen die beiden Männer wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Explosion mit Todesfolge in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung. Die Ermittlungsbehörden weisen darauf hin, dass der im Straftatbestand verwendete Begriff „Sprengstoffexplosion“ nicht zwingend auf klassischen Sprengstoff hinweist. Für die rechtliche Bewertung genügt jede plötzliche Ausdehnung von Gasen oder Dämpfen, die zu einer explosionsartigen Kraftentfaltung führt.

Tatverdächtige bereits in Untersuchungshaft

Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 27-jährigen polnischen Staatsangehörigen sowie einen 33-jährigen afghanischen Staatsangehörigen. Beide befinden sich bereits in anderer Sache in Untersuchungshaft.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen hielten sich die Männer am 18. Mai im Bereich mehrerer Straßen in Görlitz auf, darunter die Augustastraße, Emmerichstraße, Kleine Konsulstraße, Konsulstraße, Theodor-Körner-Straße, Schillerstraße sowie die James-von-Moltke-Straße.

Gezielt nach Diebesgut gesucht?

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tatverdächtigen gezielt nach Diebesgut suchten. Ihr Interesse soll insbesondere Fahrrädern, Schrott und Buntmetallen gegolten haben. Dabei überprüften sie offenbar zahlreiche Haustüren auf unverschlossene Zugänge zu Hausfluren und Kellern.

Zutritt zum späteren Einsturzhaus nachgewiesen

Inzwischen gilt als gesichert, dass sich die beiden Männer Zugang zum Gebäude James-von-Moltke-Straße 21 verschafften. Welche Handlungen sie dort vorgenommen haben und ob diese unmittelbar mit dem späteren Einsturz zusammenhängen, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.

Die Aufklärung gestalte sich laut der Ermittlungsbehörden dschwierig. Durch den Einsturz des Gebäudes und die notwendige Beräumung des Trümmerfeldes konnten wichtige Bereiche bislang noch nicht untersucht werden. Insbesondere die Kellerräume sind nach Angaben der Ermittler derzeit noch nicht begehbar.

Polizei startet umfangreiche Öffentlichkeitsfahndung

Um die Geschehnisse vom 18. Mai lückenlos rekonstruieren zu können, wenden sich Polizei und Staatsanwaltschaft nun mit einer umfassenden Öffentlichkeitsfahndung an die Bevölkerung.

Die Ermittler hoffen insbesondere auf Hinweise von Anwohnern, Pendlern, Touristen sowie Personen, die sich am Tattag zwischen 13 und 20 Uhr im Bereich der James-von-Moltke-Straße, Emmerichstraße oder Konsulstraße aufgehalten haben.

Gesucht werden Zeugen und Videoaufnahmen

Von besonderem Interesse sind mögliche Videoaufnahmen aus dem Bereich des Einsturzortes. Die Polizei bittet daher Personen, die mit Mobiltelefonen gefilmt oder fotografiert haben, entsprechende Aufnahmen zur Verfügung zu stellen.

Ebenso werden Betreiber privater oder gewerblicher Videoanlagen gebeten, vorhandenes Bildmaterial zu sichern. Auch Aufzeichnungen von Dashcams können für die Ermittlungen von Bedeutung sein.

Darüber hinaus prüfen die Ermittler mögliche Bewegungen der Tatverdächtigen im deutsch-polnischen Grenzgebiet zwischen Görlitz und Zgorzelec. Deshalb werden auch Autofahrer gesucht, die am 18. Mai die Stadtbrücke passiert haben und über entsprechende Dashcam-Aufnahmen verfügen.

Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt

Für Hinweise, die zur vollständigen Aufklärung der Tat sowie zur Verurteilung der Verantwortlichen beitragen, haben Polizei und Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro ausgelobt.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Görlitz unter der Telefonnummer 03581 468 5000 entgegen. Fotos und Videos können zudem über das offizielle Hinweisportal der Polizei Sachsen übermittelt werden.

Weitere Ermittlungen laufen

Die Ermittlungen zur Ursache des Gebäudeeinsturzes dauern weiterhin an. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sämtliche in Betracht kommenden Szenarien geprüft. Da zentrale Bereiche des Gebäudes bislang noch nicht untersucht werden konnten, rechnen die Ermittler damit, dass die Aufarbeitung des Falls noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Hinweise in Form von Fotos und Videos können über das Hinweisportal der Polizei Sachsen unter dem Link https://sn.hinweisportal.de/ hochgeladen werden.

Fotos sowie Beschreibungen der Tatverdächtigen und ein Kartenausschnitt des erwähnten Stadtteils gibt es hier.

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