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Voll im Trend: Urban Gardening wird immer beliebter

TIPP Wiederbelebter Trend lässt Hinterhöfe der Großstädte ergrünen

Graue Hinterhöfe in Großstädten erstrahlen plötzlich in neuem Grün und eigenes Gemüse liegt voll im Trend "Urban Gardening". Lockdowns, Social Distancing und nächtliche Ausgangssperren sorgen seit bald einem Jahr dafür, dass besonders in urbanen Gebieten nach neuen Hobbys innerhalb oder nahe der eigenen vier Wände gesucht wird. Viele greifen daher jetzt zu Schaufel und Mulch und folgen diesem Trend, der nicht erst seit der Corona-Pandemie besteht. Worum handelt es sich bei Urban Gardening und welche Projekte in Deutschland existieren schon?

Die Philosophie 

Als Urban Gardening wird das Gärtnern auf kleinen, meist vernachlässigten Flächen inmitten der Stadt bezeichnet. Auch der eigene Balkon oder die eigene Terrasse zählen dazu. Dabei geht es aber nicht nur um das bloße Pflanzen von dekorativen Blumen oder der praktischen Verwendung von Büschen als Sichtschutz - mit Urban Gardening wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Im Mittelpunkt stehen daher das Ausführen einer sinnstiftenden Tätigkeit, die bewusste Auseinandersetzung des Konsumenten mit der Erzeugung landwirtschaftlicher Konsumprodukte und der Wunsch nach einer Alternative.

Diese gesteigerte Aufmerksamkeit für die Umwelt geht mit dem vorherrschenden Zeitgeist des 21. Jahrhunderts einher: Die Ausmaße des Klimawandels sind Jahr für Jahr stärker zu spüren und Wissenschaftler warnen schon seit Jahrzehnten davor, dass wir auf fossile Brennstoffe verzichten und alternative Energiequellen wie Windenergie effektiver nutzen müssen. Aber auch Selbstverständlichkeiten, die den Menschen zu wenig bewusst sind, gefährden das Klima nachweislich. An erster Stelle steht hierbei der Konsum von Fleisch. Statistiken belegen, dass die durch Massentierhaltung erzeugten Treibhausgase bis zu 20 Prozent der Emissionen weltweit ausmachen. Die daraus resultierenden Ernährungstrends von Vegetarismus und Veganismus hängen mit der größer werdenden Popularität von Urban Gardening stark zusammen.

Die Funktion

Das Begrünen und Verschönern vieler Bereiche ist ein schöner Nebeneffekt, doch nicht der eigentliche Grund des Trends. Im Mittelpunkt steht das Thema Nachhaltigkeit, weswegen Urban Gardening ein nachhaltiges Gärtnern ist. Angebaut werden somit hauptsächlich Pflanzen als Lebensmittel, Gemüse, Obst und Kräuter. Das wird per Hand und damit ohne große Maschinerie gemacht, auch kommen keine Pestizide jeglicher Art zum Einsatz. Damit wird nicht nur der Einsatz von fossilen Brennstoffen reduziert, sondern auch das Sterben von Insekten wie der Honigbiene verhindert, die für ein gesundes Ökosystem notwendig sind.

Hinzu kommt, dass mit dem urbanen Anbau weite Transportwege wegfallen und so der Ausstoß von Treibhausgasen noch weiter reduziert wird. Die geernteten Produkte haben so gegenüber jenen aus Supermärkten ökologisch betrachtet entscheidende Vorteile. Gleichzeitig hilft das Urban Gardening der Umwelt nicht nur passiv durch das Verhindern von Emissionen, sondern auch aktiv. Jede erzeugte Grünanlage dient ebenso als biologisches Filtersystem, das CO² aus der Luft filtert und in Sauerstoff und Zucker umwandelt. Die zusätzlichen Lebensräume unterstützen die Insektenpopulation, die wiederum für das Bestäuben der Pflanzen notwendig ist.

Projekte in Deutschland

Schon seit mehreren Jahren entstehen in Deutschlands Großstadträumen verschiedenste Projekte, die unter das Konzept des Urban Gardening fallen.

Besonders gut zu beobachten, ist der Trend in Berlin, wo es inzwischen viele verschiedene alternative Versuche zur Gewinnung von Lebensmitteln im urbanen Gebiet gibt. Einer davon ist eine 6000 m² große, ehemals brache Fläche im Ortsteil Kreuzberg. 2009 beseitigten Bürger den dortigen Unrat und gründeten die Prinzessinnengärten. Der gesamte Garten ist mobil - die Pflanzen werden direkt in Kisten angebaut, damit sie später leichter transportiert werden können. Auch eine eigene Imkerei mit mehreren Bienenvölkern ist vorhanden. Private Beet-Plätze gibt es nicht, stattdessen teilt die Gemeinschaft ihr Wissen mit jedem, der es möchte.

In Düsseldorf wurde das Projekt Düsselgrün entwickelt. Dabei handelt es sich um einen Gemeinschaftsgarten, bei dem ohne kommerzielle Ziele gemeinsam Entscheidungen getroffen werden und gegärtnert wird. Regelmäßig werden auch Informationsveranstaltungen abgehalten, bei denen alles rund um den Garten gelernt werden kann: Welche Samen sollten verwendet werden, warum sollte keine Torferde verwendet werden, wie halte ich Pflanzen gesund und widerstandsfähig und vieles mehr.

In Köln haben inzwischen die Studenten der Universität einen eigenen Campusgarten gebaut, der den Menschen der Stadt die Möglichkeit geben soll, eine klimagerechte, ökologisch nachhaltige Produktion von eigenen Lebensmitteln zu gewährleisten und bieten ebenfalls Workshops an, die tiefer in die Materie der ökologischen Landwirtschaft eintauchen.

Heute gibt es in jeder deutschen Großstadt ähnliche Gemeinschaftsgärten. Urban Gardening als Bewegung allein wird den Klimawandel natürlich nicht aufhalten, der Trend bildet diese und die kommende Generation aber dafür aus, bewusster auf die Umwelt und jene Produkte zu achten, die man konsumiert und bietet eine ökologische Alternative zum gewöhnlichen Supermarkt.