Vom letzten Fahrer zum Zweiten Europas: Lukas Kaufmanns unglaubliche Aufholjagd

Ein Rennen durch Sachsen, das in Erinnerung bleibt

Oschatz

900 Kilometer, kaum Schlaf und ein ständiges Aufholen: Lukas Kaufmann blickt auf ein Wochenende zurück, das weniger von Zahlen als von Ausdauer, Teamgeist und mentaler Stärke geprägt war.

Ein Rennen, das sich von hinten aufrollte

Als am Freitag, dem 23. Mai, um 14:55 Uhr der letzte Starter auf die Strecke geschickt wurde, begann für Lukas Kaufmann eine besondere Aufholjagd. Rund um Sachsen warteten 900 Kilometer und 8.500 Höhenmeter – verteilt auf schnelle Passagen, lange Wellen und jene Anstiege, in denen sich der Oberösterreicher traditionell am wohlsten fühlt.

Dass Kaufmann als letzter Fahrer ins Rennen ging, machte die Ausgangslage besonders. Doch genau daraus entwickelte sich im Verlauf der Nacht und des darauffolgenden Tages eine Dynamik, die ihn immer weiter nach vorne brachte. Fahrer um Fahrer wurde eingeholt – bis nach rund 700 Kilometern nur noch zwei Konkurrenten vor ihm lagen.

„Es war jedes Mal eine riesige Motivation, den nächsten Teilnehmer vor mir einzuholen.“

Zwischen Müdigkeit und Momentum

Ultracycling ist selten nur ein Kampf gegen die Strecke. Es geht um Rhythmus, Energie, mentale Stabilität – und um ein Team, das im Hintergrund jede Entscheidung mitträgt.

Wie schon bei seinem Rennen in Amerika war Lukas Kaufmann auch in Sachsen mit einem großen Betreuerteam unterwegs. Zwei Pace-Car-Teams und ein eigenes Media-Car begleiteten das Rennen rund um die Uhr. Während draußen Kilometer vergingen, lief im Hintergrund ein präzise abgestimmtes Zusammenspiel aus Versorgung, Navigation und Motivation.

Gerade in den hügeligen Rennabschnitten spielte Kaufmann seine Stärke aus. Die langen Anstiege sorgten dafür, dass sich das Rennen zunehmend verschob. Kurz vor dem Ziel gelang schließlich auch noch das Überholmanöver gegen den Polen Mariusz Cukierski – ein Moment, der den Kampf um das Podium endgültig entschied.

Silber nach 31 Stunden und 14 Minuten

Nach 31 Stunden und 14 Minuten erreichte Lukas Kaufmann das Ziel in Oschatz als Vize-Europameister im Ultracycling. Sieger wurde der Deutsche Sebastian Mayr.

Doch im Rückblick wirkt weniger die Platzierung selbst entscheidend als die Art und Weise, wie dieses Rennen gefahren wurde: kontrolliert, offensiv und mit der Fähigkeit, auch nach mehr als einem Tag im Sattel noch Druck machen zu können.

„Dieser Vize-EM-Titel gehört meiner Familie, meinen Sponsoren und meinem gesamten Team.“

Kein großes Pathos, sondern echte Leidenschaft

Wer Lukas Kaufmann kennt, weiß, dass hinter solchen Erfolgen keine lauten Inszenierungen stehen. Vielmehr ist es die Mischung aus Disziplin, Bodenständigkeit und echter Freude am Sport, die seine Rennen prägt.

Nach dem Europameisterschafts-Wochenende richtet sich der Blick bereits wieder nach vorne: auf Zeit mit der Familie, auf die Streckenbesichtigung der Salzkammergut Trophy und auf gemeinsame Rennradausfahrten im Mühlviertel.

Denn auch nach einem EM-Silber bleibt eines spürbar: Die großen Geschichten im Ausdauersport entstehen oft dort, wo Leistung und Menschlichkeit eng zusammenliegen.

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