Wenn das Mikro direkt nach dem Zieleinlauf wartet

Angemerkt Ein Kommentar von Wieland Josch

Foto: Berezko/Getty Images/iStockphoto

Wer erleben wollte, wie albern und fragwürdig man eine umfangreiche Sportübertragung anreichern kann, der hatte während der gerade zu Ende gegangenen European Championships Gelegenheit dazu. Es ist unklar, wer eines Tages auf den Gedanken gekommen ist, dass die Zuschauer daheim an den Bildschirmen es unglaublich klasse finden, wenn Schwimmern, Rennfahrern, Dauerläufern und anderen Extremathleten nur Sekundenbruchteile nach dem Durchqueren der Ziellinie ein Mikro unter die Nase gehalten wird, verbunden mit den immens wesentlichen Fragen "Wie fühlen Sie sich gerade?" oder "Freuen Sie sich?".

Aber wer auch immer für diese Form der Berichterstattung verantwortlich ist, ihm sei freundlich gesagt: Nein, das ist nicht informativ, wenn ein ausgepumpter Sportler Sätze von solch intellektuellem Schwergewicht wie "Super!" oder "Weißichauchnichwieso?" in ein Mikro japst. Sportlerinterviews sind schon zu einem späteren Zeitpunkt nur selten erhellend. Kurz nach dem Wettkampf aber haben sie gar keinen Sinn.