Die Stadt Plauen hat ein Problem

Sicherheit Immer mehr Frauen meiden abends die Innenstadt - Bürger äußern sich

So friedlich wie auf diesem Bild soll es immer sein. Das wünschen sich die Plauener. Foto: Karsten Repert

Plauen. Die mehrfachen blutigen Auseinandersetzungen in der Plauener City haben Folgen. Weil die Stadt dem Konflikt scheinbar nicht Herr wird, meiden vor allem immer mehr Frauen den Bereich zwischen Bahnhofstraße, Postplatz und Nonnenturm.

Der Heimweg wird zur Qual

Es passiert in Plauen jede Woche. "Die Menschen unterschiedlicher Herkunft versammeln sich am 'Tunnel' und geraten dann irgendwann aneinander. Seit Monaten muss ich das miterleben. Es knallt direkt vor meinen Augen und keiner tut wirklich was", erzählt eine Gastronomie-Bedienstete. Sie hat unglaubliche Angst.

Ihr Gesicht oder ihren Namen in der Zeitung abzubilden (Name der Redaktion bekannt), hat die Plauenerin abgelehnt. Verständlich. Denn die 50-Jährige muss jeden Tag auf dem Heimweg direkt durch die Menschenmenge. "Im Winter, wenn es früher dunkel ist, wird es wohl wieder schlimmer", vermutet die Angestellte.

Skandal und Schande

Ihr Partner und einige Freunde werden dann so oft es geht als "Begleitschutz" kommen. Der BLICK-Reporter hat sich am Montag vor Ort umgehört. Viele Gesprächspartner hatten sich auf Nachfrage einfach abgewandt. Zu hören waren Wörter wie Skandal, Schande und immer wieder auch "das hätte es früher nicht gegeben."

Seit 1. August schickt die Stadtverwaltung ein Sicherheitsunternehmen in der Stadtmitte auf Streife.Dies geschieht in Ergänzung zum städtischen Vollzugsdienst. Der Erfolg ist mäßig. Die CDU-Stadtratsfraktion hat vergangene Woche einen Maßnahmenkatalog beantragt.

Das sagen die Bürger von Plauen:

Thomas Dolle (Gastronom): In anderen europäischen Ländern ist undenkbar, was in Plauen passiert. Weshalb setzen wir unsere Gesetze nicht durch? Wer hindert uns daran? Meine Mitarbeiter fahre ich seit Monaten abends nach Hause, wenn sie ohne Auto auf Arbeit kommen. Der Ruf unserer Stadt hat schwer gelitten, weil wir die zweitkriminellste Stadt in Sachsen geworden sind. Wozu bauen wir einen Campus für Studenten, wenn wir im Rathaus-Lichthof nach 25 Jahren aus Sicherheitsgründen die Disco verbieten müssen.

Jürgen Bauer (Versicherungskaufmann): Jeder Plauener wird sich vermutlich wünschen, dass unsere Stadt wieder positive Schlagzeilen schreibt. Als Anwohner und Gewerbetreibender hatte ich persönlich keine Probleme mit irgendwem, ob Asylsuchende oder Einheimische. Das gilt auch für meine Partnerin. Dennoch hoffen wir auf Videoüberwachung am Klostermarkt. Denn es kommt bei uns immer wieder zu Sachbeschädigungen, vermutlich durch Einheimische. Diese Taten ließen sich dann in einigen Fällen aufklären.

Sandy Walter (Operationstechnische Assistentin): Wenn ich mich abends als Frau in meiner Heimat nicht mehr alleine in die Stadt getraue, dann ist das eine Sauerei. Viele Frauen empfinden das so. Ich fahre zum Beispiel nach einem Besuch im Theater-Café entweder mit dem Taxi heim oder ich lasse mich abholen. Im Zweifel treffe ich mich mit Freunden woanders. Ich finde es krank, wenn wir einerseits nicht genug Polizisten haben, gleichzeitig aber Geld für einen Sicherheitsdienst ausgeben müssen.

Mario Siemon (Kraftfahrer): Ich habe im Spanien-Urlaub erlebt, wie man dort mit Menschen umspringt, die gegen Gesetze verstoßen. Wenn ich sehe, mit welcher unglaublichen Nachdringlichkeit alle deutschen Behörden Nachlässigkeiten der Bürger vom Schreibtisch aus verfolgen, dann liegt auf der Hand, wo unser Problem liegt. Unserer Gesellschaft fehlt der Mut, Gewalt- und Straftäter aus anderen Ländern mit Nachdruck zu verfolgen. Dass Plauen noch mehr Probleme bekommt, wenn sich nichts ändert, steht fest.