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Formel 1-Aus in Belgien? Spa auf der Kippe

MOTORSPORT Formel-1-Kommerz macht auch vor Traditionsrennstrecken nicht halt

Spa-Francorchamps/BEL. 

Den diesjährigen Formel 1 Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps gewann der Niederländer Max Verstappen in einem Red Bull vor seinem mexikanischen Teamkollegen Sergio Perez und dem Spanier Carlos Sainz jr. in einem Ferrari. Sie könnten die vorletzten Formel-1-Podestler auf der Ardennen-Achterbahn gewesen sein, denn auch der aktuelle Vertrag der Traditionsrennstrecke mit dem derzeitigen Formel-1-Vermarkter Liberty Media aus den USA lief mit dem heutigen Rennen aus. Wie am Rande mitgeteilt wurde, ist der Belgien-Grand-Prix auch im nächsten Jahr im Kalender. Was danach passiert steht in den Sternen. Üblich sind bezüglich der Planungssicherheit für beide Vertragspartner mehrjährige Übereinkommen.

Angesichts finanzpotenter aber seelenloser Veranstalter aus den mittleren Osten und den USA könnte das nächste Kultrennen in Europa wenig traditionsbewusst aussortiert werden. Ähnlich steht es um den Großen Preis von Monaco im Stadtstaat Monte Carlo sowie generell um den Grand Prix von Frankreich mit gleich mehreren möglichen Rennstrecken. Eine strohalmähnliche Option ist für die Franzosen eine Kalenderrotation mit Spa.

 

Formel 1 und Spa mit langer gemeinsamer Historie

In 73 Jahren Formel 1 war Spa-Francorchamps 55 Mal Gastgeber. Damit nimmt die überdurchschnittlich anspruchsvolle und von nahezu fast allen Fahrern geliebte Strecke hinter Monza in Italien (72 F1-Rennen), Monte Carlo (69) und Silverstone (56) Rang vier ein. Zusammen mit den zehn weiteren Rennen in Zolder sowie deren zwei in Nivelles bringt es Belgien auf 67 Teilnahmen am Formel-1-Zirkus. Die meisten Formel-1-Grand-Prix in Deutschland erlebte der nicht allzu weit von Spa entfernte Nürburgring, nämlich deren 41, wo an diesem Wochenende die DTM ebebfalls um die Zuschauergunst buhlte.

In der einstigen Autonation Deutschland fand 2019 in Hockenheim das letzte richtige Formel-1-Rennen statt. Jenes 2020 auf dem Nürburgring war lediglich eine einmalige Notlösung im ersten Corona-Jahr, um mangels Rennen den Sport, sorry, um möglichst viel Geld zu retten.

 

Selbst Verstappen-Boom könnte nichts nützen

Für Spa-Francorchamps wurden für dieses Wochenende über 300.000 Tickets verkauft. Die meisten auf Grund des Höhenflugs von Max Verstappen an Niederländer. Und das, obwohl schon am nächsten Wochenende dessen echtes Heimrennen in Zandvoort an der niederländischen Nordseeküste auf dem Programm steht.

Aber all das zählt beim Ausquetschen einer Zitrone wenig. Wenn andere in Lauerstellung stehende Austragungsorte mit mehr als doppelt so vielen Millionen winken (man spricht von 22 Millionen Antrittsgebühr, die Spa-Francorchamps entrichten muss, und 55 Millionen, die in den Wüstensand gesetzte Rennstrecken bieten), ist das Argument Tradition wenig stichhaltig. Die beiden Deutschen im diesjährigen Formel-1-Feld, Sebastian Vettel und Mick Schumacher, hatten unterschiedlichen Erfolg. Der vierfache Weltmeister wurde Achter und fuhr somit immerhin in die Punkteränge, die dem Sohn von Michael Schumacher auf der Strecke, auf der 1991 die Karriere seines Vaters Michael begann, ein weiteres Mal verwehrt blieben. Er kam als 17. Ins Ziel.

 

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