Saisonal (mehr) arbeiten: Berufsporträts von Frühling bis Winter

Manche Berufsgruppen haben im Winter besonders viel zu tun, andere gibt es gar nicht mehr, sobald der Herbst Einzug hält. Während der Frühling die Wartezimmer der Ärztinnen mit schwer erkälteten Menschen und ersten übereifrigen Marathontrainierenden überschwemmt und Menschen in Outdoor-Jobs die Sommersonne und andere Jahreszeitenvorteile hautnah miterleben dürfen, sind Scheidungsanwälte gerade im Winter gefordert, wenn die Familien besinnlich eng die Weihnachtsfeiertage miteinander verbringen. "Mach was!" stellt ein paar besonders saisonale Jobs vor.

Frühling

Hochzeitsfotograf*in

Im Frühling wird geheiratet. Und die meisten frisch vermählten Paare suchen einen mehr oder weniger professionellen Hochzeitsfotografen, der diesen Tag bildlich festhält. Mehr oder weniger bedeutet, dass man keine Ausbildung zur Fotografin für dieses Berufsbild benötigt, sondern nur noch eine Gewerbeanmeldung und einen Eintrag in der Handwerkskammer. Natürlich solltest du aber für überdurchschnittliche Fotos Kenntnisse mitbringen in Sachen Kameratechnik und Belichtungszeiten, Ästhetik und Nachbearbeitung. Zudem kann Kreativität nicht schaden, um deinen Kund*innen neue Shooting-Ideen vorschlagen zu können. Auch Kenntnisse in der Selbstvermarktung schaden nicht - auch wenn gute Hochzeitsfotograf*innen gern weiterempfohlen werden. All das kann man sich vor dem ersten Einsatz zum Beispiel in einem Workshop aneignen.

Gärtner*in

Bäume beschneiden, Wege und Terrassen pflastern, Blumenmeere pflanzen, Teiche und Biotope anlegen - der Job der Gärtnerin ist vielfältig. Je nach Spezialisierung kannst du im Baumarkt Pflanzen züchten und verkaufen, Parkanlagen und Friedhöfe pflegen oder deine eigene Baumschule eröffnen. Um zum Pflanzenprofi zu werden, sind körperliche Fitness, ein Interesse an Naturwissenschaften und ein rudimentäres Verständnis von Technik zur Bedienung von Maschinen unerlässlich; schließlich wirst du in Biologie, handwerklichem Geschick und Organisation geprüft. Gerade der Frühling kann im Freien auch mal nass und kühl werden, aber wer würde seine Arbeitszeit nicht gern zwischen den ersten Krokussen und Maiglöckchen verbringen wollen? Arbeitslos werden Gärtner*innen natürlich auch in den anderen Jahreszeiten nicht: Dann muss gehegt und gepflegt werden, was im Frühjahr gesät wurde…

Sommer

Bademeister*in

Sie retten im Ernstfall Leben und werden händeringend gesucht: Bademeister*innen - oder um den offiziellen Terminus zu verwenden: Fachangestellte für Bäderbetriebe. Nach einer dreijährigen Ausbildung bist du der Herrscher auf dem Aufsichtsstuhl und trägst eine ganz schön große Verantwortung. Wassersicherheit und Erste Hilfe in kleinen und großen Notfällen sind die Voraussetzungen, um das unbeschwerte Vergnügen der Freibad- oder Hallenbadgäste sicherzustellen, die sich in deine Obhut begeben. Außerdem qualifiziert dich diese Ausbildung zur Schwimmlehrerin und zur Wartung und Instandhaltung von Badeanstalten, indem du lernst, wie man Wasserqualität bestimmt, welche Hygienevorschriften es zu befolgen gilt und wie man als Animateur selbst die sportmuffligsten Sonnenanbeter*innen ins Wasser bekommt. Die Saisonalität wird durch das Vorhandensein von Hallenbädern abgefedert - und von der Tatsache, dass irgendwo auf der Welt eigentlich immer gerade Sommer ist…

Eisverkäufer*in

In Zeiten des fortschreitenden Klimawandels, in denen jährlich neue Rekorde für das heißeste Jahr überhaupt aufgestellt werden, ist Abkühlung erforderlich. Als Fachkraft für Speiseeis vermagst du an so manchem Sommertag die Temperatur erhitzter Gemüter mittels schmackhaften Zitronensorbets zu regulieren, entweder in deiner eigenen Eisdiele oder auch als Eisbombenkonditor in Industrie oder Cateringunternehmen. In dieser Ausbildung lernst du nämlich nicht nur, wie du Speiseeis, Eistorten oder Halbgefrorenes zubereitest, sondern du wirst auch auf Kundenkontakt und Betriebslehre vorbereitet. Falls du also Spaß am Kellnern hast, in der Küche originelle Rezepte entwickelst und dich nicht davor scheust, deine eigene Buchhalterin zu sein, könnte dieser Beruf für dich in Frage kommen.

Herbst

Natur- und Landschaftspfleger*in

Diese Berufsgruppe kann die karmesinroten und kurkumagelben Blätter des Herbstwaldes voll auskosten: Natur- und Landschaftspflegerinnen arbeiten nämlich mittendrin. Ihr Job ist Erhalt und Regeneration natürlicher Landschaften, die Pflege städtischer Grünflächen, die Entwicklung von Begrünungskonzepten sowie die Beratung von Privatpersonen mit Garten oder von öffentlichen Behörden. Neben der Ästhetik spielt der Naturschutz die Hauptrolle: Tier- und Pflanzenarten werden beobachtet und Gewässerproben entnommen, ehemals kultivierte Flächen werden renaturiert und Waldschäden analysiert. Um daraus Schutzkonzepte entwickeln, Standortbedingungen einschätzen und Arten bestimmen zu können, solltest du Interesse an Biologie, Chemie und Mathe sowie handwerkliche Fähigkeiten mitbringen.

Erntehelfer*in

Zu den wortwörtlichen Saison-Jobs gehört die Hilfe bei der Ernte. In der Regel wird für diese Beschäftigung kein Abschluss gefordert, höchstens Erfahrung in der Landwirtschaft und im Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen. Wer darüber hinaus am Ende des Tages sehen möchte, was er getan hat, gut im Team arbeitet und körperlich fit ist, hat alle Voraussetzungen erfüllt, um als Erntehelferin auf dem Feld mitanzupacken. Je nach Obst, Gemüse oder Getreide muss im Akkord gepflückt, geschnitten oder gesammelt werden und zwar ohne dabei die Ausdauer zu verlieren. Ziel ist eine möglichst effiziente Ernte, damit qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt gebracht werden können.

Winter

Skilehrer*in

Winter bedeutet Schnee (zumindest früher), auf Schnee folgt der Schneesport und der muss ordentlich gelernt werden. Wenn du selbst eine begnadete Ski- oder Snowboardfahrerin bist und deine Begeisterung vermitteln kannst, dann solltest du mal über eine Ausbildung beim Deutschen Skilehrerverband nachdenken. Als haupt- oder nebenberuflicher Ski-, Skilanglauf-, Snowboard- oder Telemarklehrer unterrichtest du Menschen aller Altersstufen in deiner Disziplin. Im Vergleich zu konventionellen dualen Ausbildungen hast du nicht nur einen außergewöhnlichen Arbeitsplatz oben auf dem Berg und den bequemsten Arbeitsweg der Welt in Form eines Skiliftes, sondern die Lehre ist in vier Level gestaffelt, an die sich jeweils eine Praxisphase anschließt, ehe du staatlich geprüfter Meister der schwierigen Situation und deiner Sportart bist.

Weihnachtsmann

Die Katze ist aus dem Sack: Es gibt eigentlich gar keinen Weihnachtsmann. Sondern ganz viele Weihnachtsmänner und -frauen! Doch sie werden weniger, weshalb es nun unter anderem für ausgebildete Schauspieler*innen eine Schulung gibt, wie man sich den perfekten weißen Vollbart züchtet - oder anklebt -, in der stressigsten Nacht des Jahres trotz kreischender Kinder und streitsüchtiger Erwachsener die Ruhe bewahrt und wie der Geschenkesack getragen werden muss, um im Rahmen des Weihnachtsmann-Ehrenkodex authentisch zu wirken und Traditionen zu bewahren. Doch die Schulung ist nicht exklusiv für Menschen in der Film- und Theaterbranche, sondern geöffnet für jede und jeden, der oder die den Kindern gerne in der Adventszeit ein Lächeln aufs Gesicht zaubern möchte. Aber Achtung: Dieser Job ist wirklich saisonal - und anders als die Märchenfigur darfst du die elf Nicht-Dezember-Monate nicht in Gesellschaft einer Horde Rentiere und jeder Menge fleißiger Wichtel am Nordpol verbringen. Hilft nur: die Weiterbildung zum Osterhasen oder zum Vergnügungsparkmaskottchen.

Auch interessant für dich

Auch interessant