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Ich weiß nicht, wie's mir geht - und jetzt?

"Wie geht's dir?": Dieser Frage kann keiner aus dem Weg gehen. Doch was, wenn wir darauf keine Antwort haben? Das ist ein Anlass, den Gefühlen wieder mehr zuzuhören. Eine Anleitung.

19.01.2026, 00:05 Uhr
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    Ich weiß nicht, wie's mir geht - und jetzt? - Abgeschnitten von den eigenen Gefühlen? Das kennen viele Menschen.
    Abgeschnitten von den eigenen Gefühlen? Das kennen viele Menschen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
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    Ich weiß nicht, wie's mir geht - und jetzt? - "Wie geht es dir?": Fällt diese Frage, haben wir längst nicht immer das Gefühl, dass eine ehrliche Antwort erwünscht ist.
    "Wie geht es dir?": Fällt diese Frage, haben wir längst nicht immer das Gefühl, dass eine ehrliche Antwort erwünscht ist. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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    Ich weiß nicht, wie's mir geht - und jetzt? - Wut, Trauer, Angst: So gern wir diese vermeintlich negativen Gefühle auch wegdrücken wollen - sie tragen eine Botschaft in sich.
    Wut, Trauer, Angst: So gern wir diese vermeintlich negativen Gefühle auch wegdrücken wollen - sie tragen eine Botschaft in sich. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
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    Ich weiß nicht, wie's mir geht - und jetzt? - Einchecken mit sich selbst: Dabei kann auch Journaling, also das Aufschreiben von Gedanken, helfen.
    Einchecken mit sich selbst: Dabei kann auch Journaling, also das Aufschreiben von Gedanken, helfen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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    Ich weiß nicht, wie's mir geht - und jetzt? - Was ist in mir los? Den Dialog mit sich selbst kann man üben. Und es ist okay, wenn sich nicht direkt Antworten zeigen.
    Was ist in mir los? Den Dialog mit sich selbst kann man üben. Und es ist okay, wenn sich nicht direkt Antworten zeigen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Berlin

Noch bevor der Kaffee bestellt oder die Speisekarte aufgeklappt ist, fällt bei der Verabredung die eine Frage: "Wie geht's dir?" Ein leichter Einstieg ins Gespräch - sollte man meinen. 

Doch während die Lippen "Gut - und dir?" formen, ploppt ein ganz anderer Gedanke im Kopf auf: "Mist, keine Ahnung, wie ich mich gerade fühle." Oft begleitet von Selbstvorwürfen - es weiß doch jeder, was bei ihm oder ihr emotional los ist, oder? 

Das Problem: Keine Verbindung zu sich selbst

Wer sich damit ganz allein fühlt, ist es in Wahrheit nicht. "Es passiert ganz häufig, dass Menschen nicht wissen, wie es ihnen geht", sagt die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß. Das ist ein Signal dafür, dass wir mit uns selbst nicht richtig in Verbindung stehen. 

Die Ursachen können unterschiedliche sein: Sie können etwa in der Kindheit liegen, in der wir vielleicht nie richtig gelernt haben, auf uns selbst zu achten, weil das Erfüllen der Erwartungen anderer immer wichtiger war. 

Dazu kommt: "In einer Gesellschaft, die oft nicht hinter die Fassade schauen möchte, wird natürlich auch weniger der Impuls gesetzt, sich selbst zu fragen: Wie geht es mir?", sagt Prieß. Ob im Gespräch mit dem Kollegen oder der Bekannten: Oft haben wir den Eindruck, dass das Gegenüber gar nicht offen für eine ehrliche Antwort ist. 

Zwei Strategien, um den Gefühlen wieder näherzukommen

Doch wie kann man nun herausfinden, wie man sich fühlt? Mirriam Prieß liefert diese Anregungen: 

  • Den Dialog mit sich selbst suchen 

Wer spürt, dass die Verbindung zu den eigenen Gefühlen abhandengekommen ist, kann einen Dialog mit sich selbst aufnehmen. Heißt: "Ich frage mich selbst mit interessierter Offenheit "Wie geht es mir?" und fühle in mich hinein. Und wenn da erstmal Stille ist, respektiere ich das", sagt Prieß.

Fühlt sich erstmal ungewohnt an, mit sich selbst ins Zwiegespräch zu gehen? Keine Sorge: "Das kann man richtig üben", sagt die Expertin. 

Aber bitte nicht mit Druck, sondern mit einer großen Portion Sanftheit und Geduld. Wichtig ist auch, dieses Einchecken mit sich selbst immer wieder zu wiederholen - bis sich mit der Zeit ein Gefühl für die eigenen Gefühle einstellt. 

  • Ehrlich hinterfragen: Verbiete ich mir Gefühle? 

Kritisch hinterfragen kann man auch, ob man sich in Sachen Gefühle selbst Tabus auferlegt. Zum Beispiel: "Ich bin doch gerade im Urlaub, da muss es mir gutgehen." Vielleicht hat man auch die Überzeugung, dass man in der eigenen Rolle - etwa als Mutter - bestimmte Gefühle nicht haben darf. 

Wer sich allerdings Angst, Traurigkeit, Wut und Co. innerlich verbietet, verliert den Anschluss zu sich selbst. Denn diese Gefühle tragen eine wichtige Botschaft in sich. "Sie zeigen uns, dass wir nicht im Gleichgewicht sind", sagt Prieß. Grund genug, sie ohne Bewertung anzuschauen, statt wie einen Ball unter die Wasseroberfläche zu drücken. Denn dann brechen sie irgendwann unkontrolliert heraus. 

Das Schöne: Wenn wir auch schwierige Gefühle zulassen und zu verstehen versuchen, verlieren sie ihre Wucht und fühlen sich für uns weniger schlimm an.

Hilfe holen ist okay

All das braucht Übung. Daher ist es wichtig, sich selbst immer wieder ein echtes Interesse zu schenken - und Respekt. "Die Grundlage ist: So wie ich bin, bin ich gut. Das, was in mir ist, ist. Erst wenn ich das anerkenne, kann ich einen Umgang damit finden", fasst Mirriam Prieß zusammen. 

Und wenn man trotz allen Bemühungen feststeckt und die Antwort auf die Frage "Was fühle ich?" weiterhin im dichten Nebel bleibt? Dann ist es sinnvoll, Profis dazuzuholen. Dann steckt womöglich eine psychische Erkrankung - etwa eine Depression - dahinter, die behandelt werden sollte.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

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