Sicher und angenehm: So fasten Sie zu Hause richtig
Heilfasten ist ganz einfach. Aber zwischendurch auch ganz schön hart. Mediziner erklären, wie das Fasten zu Hause problemlos gelingt – und wie es sich in den Alltag integrieren lässt.
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Fasten ist gut für das Wohlbefinden und klappt auch in den eigenen vier Wänden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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Eine Fastentherapie kann unter ärztlicher Betreuung stattfinden - es geht aber auch zu Hause. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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Abnehmen ist nicht das Ziel des Fastens, aber ein willkommener Nebeneffekt. Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn
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Wer fastet, schont seinen Verdauungstrakt und gibt ihm Zeit, sich zu erholen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn
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Fastende sollten Stress vermeiden und eine gute Balance aus moderater Bewegung und Entspannung finden. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Berlin
Fasten ist gut für die Gesundheit. Am Ende fühlen Sie sich wahrscheinlich sogar glücklicher. Eine teure Kur braucht es nicht, um das Heilfasten einmal auszuprobieren – das klappt auch zu Hause. Hier erfahren Sie, wie Sie loslegen und durchhalten.
1. Wie funktioniert das mit dem Fasten?
Beim Fasten geht es darum, eine Zeit lang keine feste Nahrung zu essen. Eine der ältesten und bekanntesten Fastenmethoden ist das klassische Heilfasten. Heutzutage wird es meist in der von dem Arzt Otto Buchinger begründeten Form praktiziert.
Fünf Punkte sind wichtig:
1. Im Fastenzeitraum darf man - üblicherweise für 6 bis 8 Tage - nur kalorienarme Flüssigkeiten zu sich nehmen.
2. Gemäß den Leitlinien zur Fastentherapie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) findet die Fastenkur im Idealfall unter ärztlicher Betreuung statt. Es spricht aber auch nichts dagegen, eigenständig zu Hause zu fasten.
3. Eine gute Idee kann das Fasten mit Kolleginnen, Freunden oder der Partnerin oder dem Partner sein. Zusammen lässt sich die manchmal harte Zeit besser durchstehen. Wer keine Bekannten vom gemeinsamen Verzicht überzeugen kann, schließt sich örtlichen Fastengruppen an.
4. Während der Therapie sollten Fastende Stress vermeiden, rät die Ärztin Eva Lischka von der ÄGHE. Es kann sinnvoll sein, für den Fastenzeitraum Urlaub zu beantragen – das ist aber kein Muss.
5. Fastende sollten ein Gleichgewicht aus moderater Bewegung und Entspannung finden. Spaziergehen, Wandern und Radfahren sind gut. Auch leichter Sport ohne Wettkampfcharakter ist in Ordnung.
Eine Fastentherapie kann unter ärztlicher Betreuung stattfinden - es geht aber auch zu Hause. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
2. Welche Vorteile bringt das Fasten mit sich?
Beim Fasten wird dem Körper über längere Zeit weniger Energie zugeführt, als dieser eigentlich benötigt. Das klingt erst einmal nicht gesund, hat aber positive körperliche Effekte:
bessere Regulierung des Blutdrucks
Verbesserung des Blutzucker- und Blutfettstoffwechsels
Verminderung von Entzündungen
Verbrauch von überschüssigem Leberfett
Schonung und Erholung des Verdauungstrakts
Besonders bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten wirke sich die Schonung des Darmtrakts günstig aus, sagt Lischka.
Psychisch führe das Fasten einfach mal zum Innehalten, sagt der Diplom-Psychologe Jürgen Walter. Es schaffe ein neues Körpergefühl. "Körper und Kopf geben plötzlich Ruhe, obwohl der Magen leer ist." Das führe zu einem bewussteren Umgang sowohl mit dem eigenen Körper als auch mit Nahrungsmitteln.
Normalerweise ist es so: Wenn der Magen knurrt, führen viele Menschen ihrem Körper schnelle Energielieferanten wie Kohlenhydrate und Zucker zu. Schweres Essen also und Süßes. "Dann denke ich, ich habe dem Körper etwas Gutes getan - habe ich aber gar nicht", sagt Walter.
Eva Lischka zufolge wirkt das Fasten auch stimmungsaufhellend, weil das Glückshormon Serotonin in seiner Wirkung verstärkt wird. "Dadurch fühlen sich die meisten Fastengäste im Alltag wieder frisch und bereit, neue Aufgaben mit neuer Energie anzugehen." Darüber hinaus trage das Fasten zu einer gesteigerten Stressresistenz bei.
3. Wie viele Tage sollte ich fasten?
Gesunden Menschen rät Medizinerin Lischka zu einer Fastenzeit von einer Woche. Die Stoffwechselumstellung erfordere etwas Zeit.
Wer nicht so viel Zeit für eine Fastenkur entbehren kann oder will, kann allerdings auch kürzer fasten.
"Für den gesunden Menschen können bereits fünf reine Fastentage wertvolle positive Gesundheitseffekte bewirken, besonders was psychische Veränderungen betrifft", sagt die Ärztin.
4. Ist Fasten eine gute Methode um abzunehmen?
Ein paar Tage nichts essen und die Pfunde purzeln? Das ist ein häufiges Missverständnis.
"Die Gewichtsabnahme ist nicht das Ziel des Fastens", sagt Ernährungsberaterin Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es sei lediglich ein Nebeneffekt.
Das Fasten könne allerdings ein guter Einstieg sein, um anschließend achtsamer, langsamer und bewusster zu essen - und dadurch länger gesättigt zu sein und dadurch weniger Energie aufzunehmen.
Die Formel fürs Abnehmen ist eigentlich ganz einfach: Wer langfristig Kilos verlieren will, muss dem Körper weniger Energie zuführen, als dieser verbraucht. Und wie mache ich das?
Donalies empfiehlt, folgende Punkte zu beachten:
Wasser statt gesüßter Getränke als Durstlöscher
Verzicht auf Süßigkeiten
Verzicht auf Alkohol
maßvoller Einsatz von Fett und fettreichen Produkten
fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag
Vollkornprodukte für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl
tägliche Bewegung, regelmäßig Sport
Abnehmen ist nicht das Ziel des Fastens, aber ein willkommener Nebeneffekt. Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn
Wichtig:Wer seine Ernährung nicht gezielt und langfristig umstellt, nimmt die abgenommenen Kilos mindestens genauso schnell wieder zu. Diesen Jo-Jo-Effekt dürften viele von anderen Diäten kennen.
5. Wie beginne ich eine Fastenwoche?
Das traditionelle Heilfasten nach Buchinger beginnt am Tag vor der Fastenkur mit einer stark verminderten Energiezufuhr: Fastende sollten nicht mehr als 1000 Kilokalorien zu sich nehmen.
Auf Koffein, Alkohol und Nikotin ab diesem Tag verzichten.
Etwas körperliche Bewegung wie Spaziergehen ist empfehlenswert.
Stress vermeiden, sich viel Ruhe gönnen.
Der erste Fastentag beginnt dann mit einer Darmreinigung. Besonders gängig: der Griff zum abführend wirkenden Glaubersalz.
Fastende sollten etwa 3 bis 4 Teelöffel (30 bis 40 Gramm) von dem Salz in einem Liter Wasser lösen und dieses innerhalb von 20 Minuten austrinken. Nach rund 30 Minuten wird mit einem halben Liter bis einem Liter Wasser oder Tee nachgespült.
Viele bekommen die bitter schmeckende Lösung kaum herunter. Die DGE rät in diesem Fall, den Geschmack mit Zitronensaft zu verbessern.
Ab dem ersten Fastentag sollten Fastende dann mit kalorienarmen Getränken nicht mehr als 250 bis 300 Kalorien täglich zu sich nehmen.
6. Was sollte ich beim Fasten zu mir nehmen?
Ganz wichtig ist viel Flüssigkeit.
Beim Heilfasten nach Buchinger ist folgendes erlaubt:
Obst- oder Gemüsesäfte (0,25 Liter pro Tag, am besten frisch gepresst)
Gemüsebrühe (0,25 Liter pro Tag)
Kräutertee (mit Honig, 30 Gramm)
Wasser (2 bis 3 Liter)
Fastende sollten vor allem ausreichend Kräutertee und Wasser trinken, um die Ausscheidungsvorgänge über die Niere anzukurbeln, rät Lischka – am besten rund 3 Liter pro Tag.
Die Säfte und Gemüsebrühe liefern wertvolle Mineralien und Vitamine. Bewährt habe sich auch die Aufnahme von Basenpräparaten und Magnesium, um Krämpfe zu vermeiden, so Lischka.
7. Was passiert beim Fasten mit dem Darm?
"Der Verdauungstrakt wird geschont und kann sich erholen", sagt Lischka. "Die Darmschleimhaut ist in vielen kleinen Ausbuchtungen mit Bakterien, dem Mikrobiom, besiedelt und erneuert ihre Zellen alle vier bis sieben Tage." Die abgestorbenen Zellen werden ausgeschieden.
Einer Studie zufolge wirkt sich das Fasten positiv auf die Zusammensetzung eben dieses Darm-Mikrobioms aus. Demnach erhöht sich etwa der Spiegel einer Fettsäure, die dafür bekannt ist, Darmerkrankungen und Entzündungen vorzubeugen.
Außerdem verbessert sich nach Angaben der Forscher die Zusammensetzung zweier Bakterien im Darm, die für Übergewicht mit verantwortlich sein sollen. Zumindest ein unterstützender Effekt beim Abnehmen ist also durchaus anzunehmen.
Wer fastet, schont seinen Verdauungstrakt und gibt ihm Zeit, sich zu erholen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn
8. Welcher Tag ist der schlimmste - und wie halte ich durch?
"Im Grunde ist es der erste", sagt Diplom-Psychologe Jürgen Walter, der selbst viele Jahre Fastenerfahrung hat. An diesem Tag rebelliere der Körper besonders.
"Wenn ich den ersten Tag überstanden habe und gemerkt habe, dass ich auch ohne etwas zu essen überlebt habe, normal einschlafe, durchschlafe und entspannt aufwache, dann wird's aus meiner Sicht ab dem zweiten Tag einfacher", sagt Walter.
Wenn das Hungergefühl übermächtig erscheint, hilft es, sich kleine Ziellinien innerhalb des Fastenzeitraums zu setzen - etwa den nächsten Tag. Dann gilt es zunächst nur, die Zeit bis zur nächsten Ziellinie ohne Essen zu überbrücken. Wer sich so von Meilenstein zu Meilenstein hangelt, kommt dem Gesamtziel leichter näher.
Besonders gut ist es Walter zufolge, in der Gruppe zu fasten oder zumindest mit einer weiteren Person. Austausch und Verabredungen zur gemeinsamen Bewegung helfen beim Durchhalten.
9. Wie vereine ich Fasten und Familienleben?
Wer fastet, ist oft dünnhäutiger. Deshalb sollte man sein Vorhaben mit der Partnerin oder dem Partner besprechen. Gerade dann, wenn man Kinder hat. Jürgen Walter rät: einfach darüber reden.
"Man reagiert auf Außenreize wie Geschrei oder Ärger sensibler", sagt der Psychologe. Daher sei man auf die Unterstützung des Partners oder der Partnerin angewiesen.
Und was, wenn ich mich den familiären Verpflichtungen nicht wenigstens teilweise entziehen kann? Dann ist eine Auszeit von der Familie denkbar - und eine Fastenkur in der Urlaubszeit.
Eine kleine Herausforderung kann das Kochen sein. Wer fastet und trotzdem für die Familie Essen zubereitet, kann nicht abschmecken. Hier muss ein anderes Familienmitglied einspringen.
Ernährungsberaterin Donalies verweist noch auf eine andere Hürde: Wer ständig leckere Speisen riecht, hält womöglich schwieriger durch.
Ob das am Ende wirklich so schlimm ist, muss man wohl selbst herausfinden. Jürgen Walter sagt aus eigener Erfahrung: "Ich habe gerne gekocht und auch abgeschmeckt - aber immer ausgespuckt."
10. Wie kann ich das Fasten mit dem Job in Einklang bringen?
Das kommt ganz auf den Job und die Anforderungen an.
Während des Fastens sind große Kraftanstrengungen nicht wie sonst möglich. "Das betrifft also Menschen, die viel und stark körperlich arbeiten, zum Beispiel im Bauwesen oder Handwerk", sagt Donalies. Aber auch jemand, der am Schreibtisch arbeitet, kann durch die fehlende Energiezufuhr weniger konzentriert und ausdauernd sein.
Fastende sollten Stress vermeiden und eine gute Balance aus moderater Bewegung und Entspannung finden. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Gut zu wissen: Beim Heilfasten kann übler Mundgeruch entstehen. "Das kann bei enger Zusammenarbeit für das Gegenüber unangenehm sein", sagt die Ernährungsexpertin. Über diese Einschränkungen sollten sich Fastende im Klaren sein und eventuell Gegenmaßnahmen ergreifen.
Karrierecoach Madeleine Leitner empfiehlt, zumindest mit dem Einleiten des Fastens an einem Wochenende zu beginnen. Denn der erste Tag ist bekanntlich der schwierigste.
Wer beim Fasten total abbaut und dünnhäutig ist, sollte das Fasten besser in eine arbeitsfreie Zeit legen, rät Leitner.
Das kommt der Fastentherapie im Zweifel ohnehin entgegen.
Stress lässt sich im Job nicht immer vermeiden - ist aber kontraproduktiv für die Kur.