So wird der neuen Citroën C3 zur Ente der Generation E

Autotest Während VW noch mit dem bezahlbaren Alltagsauto mit E-Antrieb ringt, baut Citroën jetzt einen Stromer fürs Volk - und macht so Elektromobilität bezahlbar. Das hat bei den Franzosen Tradition.

Ganz früher waren die Anforderungen noch einfach: "Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht."

Und das außerdem eine bestmögliche Federung hat, sodass ein Korb mit Eiern Fahrten über holprige Feldwege übersteht. Das stand im Lastenheft, nach dem der Citroën 2CV entwickelt wurde.

Aber rund 75 Jahre nach dem Debüt der Kleinwagen-Ikone, die als "Ente" die Massen bewegte, muss ein Auto fürs Volk schon ein wenig mehr können - erst recht im Zeitalter der Elektromobilität. Deshalb ringen gerade viele Hersteller um ein Auto, das wie die "Ente" alltagstauglich, erschwinglich und eben auch noch elektrisch ist.

Citroën nimmt diese Herausforderung an und schickt im Sommer den neuen C3 als E-Auto ins Rennen - für einen Kampfpreis von 23.300 Euro.

Kein Zwerg für die Kurzstrecke

Anders als Preisbrecher wie der Renault Twingo oder der Dacia Spring und erst recht der Opel e-Rocks oder der Fiat Topolino ist der ë-C3 weder ein Zwerg, noch hat er Fahrleistungen, die ihn zum Verkehrshindernis machen. Und auch die Reichweite ist so ausgelegt, dass man nicht nur von Ladesäule zu Ladesäule hecheln muss.

Sondern für einen Preis, der rund 11.000 Euro unter einem elektrischen Opel Corsa liegt, gibt es einen hoch aufragenden Kleinwagen von 4,02 Metern Länge, der zwar bullig ist wie ein SUV, dem aber alle optischen Aggressionen fremd sind.

Stattdessen schaut er freundlich drein und lädt ein zu einer Mitfahrt in einer schlichten, aber charmanten Kabine. Diese bietet mit vier Türen zur Not auch fünf Menschen Platz. Der Fond wirkt sogar etwas geräumiger als im Vorgänger. Zudem sind auch 310 Liter Kofferraumvolumen in dieser Klasse nicht so schlecht.

Mit spitzem Stift entwickelt

Dass der Wagen trotzdem halbwegs bezahlbar bleibt, liegt an der Produktion im kostengünstigen Slowenien, einer radikal reduzierten Palette ohne viele Varianten oder Optionen sowie einer vergleichsweise frugalen Grundausstattung - etwa ohne Navigation im Basismodell - und natürlich am abgespeckten Antrieb.

Der Motor leistet deshalb nur 83 kW/113 PS und der billige Lithium-Eisen-Phosphat-Akku nur 44 kWh. Das klingt bescheiden, passt aber zu einem Kleinwagen, der sich ohnehin die meiste Zeit nur in der Stadt oder im Umland bewegen dürfte. Erst recht aber, weil der C3 zumindest für ein E-Auto mit knapp 1,5 Tonnen vergleichsweise leicht ist.

Deshalb beschleunigt er auch trotzdem noch flott von der Ampel weg und stromert spritzig durch die Stadt. Und deshalb kommt er auf eine Normreichweite von 326 Kilometern. Außerdem hat der kleine Akku noch einen Vorteil: Auch bei eher durchschnittlichen Ladeleistungen von maximal 11 bzw. 100 kW (AC/DC) braucht es weniger als eine halbe Stunde von 20 auf 80 Prozent. Nur auf der Autobahn fühlt sich der C3 fremd an, weil bei 132 km/h Schluss ist.

Handlich und überraschend komfortabel

Dafür bietet der C3 noch eine weitere Tugend, die typisch ist für Citroën und selten für Kleinwagen: Weil die Batterie den Schwerpunkt senkt, fährt der C3 stabil und federt satt. Im Klassenvergleich wirkt der C3 deshalb solider und erwachsener und schmatzt souveräner über die Unzulänglichkeiten des Straßenbaus hinweg. Und anders als einst die "Ente" im Watschelgang hält sich der C3 in Kurven freilich aufrecht und rollt ganz ohne Nervenkitzel ums Eck.

Es geht noch weniger

Ja, Citroën hat schon kräftig an der Preisschraube gedreht und ist so dem Ideal des 2CV als bezahlbarem Wagen fürs Volk näher gekommen als bislang etwa Volkswagen, Renault, koreanische oder chinesische Marken. Aber die Franzosen wollen noch mehr.

Im nächsten Jahr bringen sie eine Version mit einem Akku, der nur noch für 200 Kilometer reichen muss, die dann aber auch nur noch 19.990 Euro kosten soll. Das ist zwar wirklich wenig für ein Elektroauto, aber natürlich noch immer viel Geld für einen Kleinwagen.

Doch wie fast immer bei den Stellantis-Marken gibt es auch eine konventionelle Version - in diesem Fall mit einem Dreizylinder-Benziner von 1,2 Litern Hubraum und 74 kW/101 PS. Diese kostet dann nur noch 14.990 Euro. Ach ja, und die Reichweite ist mit 800 Kilometern mehr als doppelt so groß, und das Spitzentempo erst bei 183 km/h erreicht.

Fazit: Na also, es geht doch

Während alle Welt über die horrenden Preise für E-Autos stöhnt, beweist Citroën noch vor den Chinesen, dass Stromer auch bezahlbar oder zumindest deutlich billiger sein können als bisher. Ob das allerdings reicht, um die abgekühlte Begeisterung fürs E-Auto wieder anzufachen, das entscheidet sich eher in den Köpfen der Kunden als in ihren Kassen.

Nur wenn die Masse akzeptiert, dass Reichweiten von nominell 326 und real dann vielleicht 250 Kilometern tatsächlich für den Alltag taugen, wird ein Auto wie der C3 auch angenommen - und wie die Ente einst zum Massen-Modell.

Datenblatt: Citroën ë-C3

Motor und Antrieb:Elektromotor
Max. Leistung:83 kW/113 PS
Max. Drehmoment:125 Nm
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Eingang-Automatik

Maße und Gewichte
Länge:4015 mm
Breite:1813 mm
Höhe:1577 mm
Radstand:2540 mm
Leergewicht:1491 kg
Zuladung:419 kg
Kofferraumvolumen:310 Liter

Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:132 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:11 s
Durchschnittsverbrauch:17,4 kWh/100 km
Batteriekapazität:44 kWh
Ladeleistung AC/DC:11/100 kW
Reichweite:326 km
CO2-Emission:0 g/km
Kraftstoff:Strom
Schadstoffklasse:Eu6d
Energieeffizienzklasse:k.A.

Kosten:
Basispreis des Citroen C3:14.990 Euro
Grundpreis des Citroen ë-C3: 23.300 Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:0 Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sechs Airbags, Notbrems- und Spurhalte-Assistent
Komfort:Klimaanlage, Einparkhilfe hinten, Smartphone-Station

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