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75 statt 100 Gramm: Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten

Quadratisch, praktisch, weniger drin: Ritter Sport verkauft sei kurzem eine Edelkakao-Linie mit deutlich leichteren Tafeln. Verbraucherschützer wittern "Shrinkflation". Was sagt der Hersteller dazu?

Von dpa
11.05.2026, 15:18 Uhr
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    75 statt 100 Gramm: Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten - Ritter Sport hat seit kurzem leichtere Schokoladentafeln im Angebot. (Archivbild)
    Ritter Sport hat seit kurzem leichtere Schokoladentafeln im Angebot. (Archivbild) Bild: Marijan Murat/dpa
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    75 statt 100 Gramm: Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten - Die Verbraucherschützer sehen Hinweise für eine versteckte Preiserhöhung bei Ritter Sport. (Archivbild)
    Die Verbraucherschützer sehen Hinweise für eine versteckte Preiserhöhung bei Ritter Sport. (Archivbild) Bild: Marcus Brandt/dpa
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    75 statt 100 Gramm: Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten - Die Kakaopreise sind zuletzt wieder gesunken. (Symbolbild)
    Die Kakaopreise sind zuletzt wieder gesunken. (Symbolbild) Bild: Oliver Berg/dpa
Waldenbuch/Hamburg

Die quadratischen Schokoladentafeln von Ritter Sport stehen seit Jahrzehnten für 100 Gramm Inhalt. Nun hat der Hersteller aus dem schwäbischen Waldenbuch drei neue Sorten mit einem Gewicht von 75 Gramm auf den Markt gebracht. Konkret geht es um Produkte mit besonders hohem Kakaoanteil. Die neue Edelkakao-Klasse ist seit Ende April im Handel erhältlich, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage bestätigte. Die bisherige Kakao-Klasse werde nicht mehr produziert. 

Verbraucherschützer sehen Parallelen zwischen Produkten

Die Verbraucherzentrale Hamburg wittert darin eine versteckte Preiserhöhung. Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis - wird auch als "Shrinkflation" bezeichnet. Shrink ist Englisch und heißt übersetzt schrumpfen. "Aus unserer Sicht spricht vieles dafür", heißt es in einem Beitrag auf der Internetseite der Verbraucherschützer. Ritter Sport versuche aber den Eindruck zu erwecken, dass es sich um eine neue Produktlinie handele.

Zuvor hatte das Unternehmen demnach bereits zwei Sorten Proteinschokolade mit diesem Gewicht im Angebot. Die Produkte der neuen Linie seien äußerlich so groß wie die Standardtafeln mit 100 Gramm, aber dünner. Konkret geht es um die Sorten "Die Vollmundige" mit einem Kakaoanteil von 55 Prozent, "Die Aromatische" (74 Prozent) und "Die Intensive" (81 Prozent).

  • 75 statt 100 Gramm: Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten - Die Verbraucherschützer sehen Hinweise für eine versteckte Preiserhöhung bei Ritter Sport. (Archivbild)
    Die Verbraucherschützer sehen Hinweise für eine versteckte Preiserhöhung bei Ritter Sport. (Archivbild) Bild: Marcus Brandt/dpa

Die Gestaltung unterscheide sich deutlich. Die Verbraucherschützer erkennen aber dennoch Parallelen zu den früheren Produkten der Kakao-Klasse. Zwei der neuen Sorten hätten beispielsweise denselben Kakaoanteil. Der Preis liege trotz der geringeren Füllmenge meist weiterhin bei 2,29 Euro je Tafel. "Unter der Annahme, dass die bisherigen Produkte faktisch ersetzt werden, entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von mehr als 33 Prozent".

Ritter Sport weist Vorwürfe zurück

Ritter Sport widerspricht der Darstellung der Hamburger Verbraucherschützer. Es handelt sich dem Sprecher zufolge um eine vollkommen neue Produktgruppe mit neuen Rezepturen sowie einem neuen Tafelformat. Die bisherige Kakao-Klasse sei dafür nicht angepasst oder verändert worden. Die neuen Produkte basierten vielmehr auf einer langfristig angelegten Entwicklung rund um die firmeneigene Kakao-Plantage in Nicaragua. Diese liefere inzwischen ausreichend Edelkakao für eine eigene Produktlinie. 

Zum geringeren Gewicht teilte Ritter Sport mit: "Aus der Marktforschung wissen wir, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bei Schokoladen mit hohem Kakaoanteil dünnere Tafeln bevorzugen". Eine kleinere Quadratgröße hätte demnach wieder dickere Tafeln zur Folge gehabt. Eine 100-Gramm-Variante wäre dagegen deutlich größer ausgefallen. Außerdem wäre der Preis so hoch gewesen, dass sie nach Unternehmensangaben voraussichtlich nicht am Markt angenommen worden wäre. Auf das reduzierte Gewicht werde unter anderem auf der Verpackung mehrfach hingewiesen.

Mogeln bei Milka?

Auch Ritter-Sport-Wettbewerber Mondelez war im vergangenen Jahr wegen seiner Packungsgrößen in die Kritik geraten. Die Schokoladentafeln der Marke verteuerten sich nicht nur von 1,49 auf 1,99 Euro, zudem verringerte sich der Packungsinhalt etlicher Milka-Sorten von 100 auf 90 Gramm. Der Grundpreis stieg damit um 48 Prozent.

Die Verbraucherzentrale Hamburg zog deshalb vor Gericht. Sie klagt wegen unlauteren Wettbewerbs und wirft Mondelez vor, die Kunden zu täuschen. Das Unternehmen weist die Kritik zurück. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen, heißt es. 

Mit dem Streit beschäftigt sich derzeit das Landgericht Bremen. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage, ob es sich bei der neuen Milka-Tafel um eine Mogelpackung handelt. Die Entscheidung soll am 13. Mai verkündet werden.

Starke Preiserhöhungen wegen schlechter Ernten

In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden. Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler gaben die höheren Rohstoffkosten an Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im März im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020. Verbraucher konsumierten wegen der höheren Preise zuletzt auch weniger Schokolade. 

  • 75 statt 100 Gramm: Kritik an neuen Ritter-Sport-Sorten - Die Kakaopreise sind zuletzt wieder gesunken. (Symbolbild)
    Die Kakaopreise sind zuletzt wieder gesunken. (Symbolbild) Bild: Oliver Berg/dpa

In den vergangenen Monaten haben die Lebensmittelhändler die Verkaufspreise zahlreicher Eigenmarkenprodukte wieder etwas gesenkt. Grund ist eine bessere Kakaoernte. Die Rohkakaopreise an den Börsen sind deutlich gesunken. 

Verlust und Stellenabbau bei Ritter Sport

Ritter Sport steht wirtschaftlich unter Druck. 2025 rutschte der Mittelständler trotz eines Umsatzanstiegs auf 712 Millionen Euro in die Verlustzone. Belastet worden sei das Ergebnis vor allem von stark gestiegene Kakao-, Energie- und Verpackungskosten. Gleichzeitig schwächte sich nach Unternehmensangaben die Nachfrage ab. Als Reaktion kündigten die Schwaben erstmals in der mehr als 110-jährigen Firmengeschichte einen Stellenabbau an: In der Zentrale in Waldenbuch soll etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

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