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Was ein Jahr Trump für Forschung und Gesundheit bedeutet

Masern-Epidemie, Vogelgrippe und weniger Impfungen: Wie Trumps Politik Wissenschaftler verunsichert und was das für Studierende und Talente weltweit bedeutet.

20.01.2026, 06:00 Uhr
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  • Was ein Jahr Trump für Forschung und Gesundheit bedeutet - Am 20. Januar ist US-Präsident Trump ein Jahr im Amt. (Archivfoto)
    Am 20. Januar ist US-Präsident Trump ein Jahr im Amt. (Archivfoto) Foto: Thomas Müller/dpa
Washington

Die Wissenschaft sei das "Juwel in der Krone unseres Landes", sagte der US-Materialforscher Omar Yaghi im vergangenen Jahr, kurz nachdem ihm und zwei Kollegen der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. "Also können wir nicht zulassen, dass uns das entgleitet."

Genau das aber passiere, seitdem US-Präsident Donald Trump am Dienstag vor einem Jahr (20. Januar) seine zweite Amtszeit angetreten hat, beschreiben viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Situation. Trumps Unterstützer und vor allem die des umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. und seiner Bewegung "Make America Healthy Again" (MAHA) feiern dagegen die drastischen Veränderungen. 

Universitäten und Forschungseinrichtungen

Viele der renommiertesten Universitäten und Forschungseinrichtungen des Landes erleben immensen Druck. Die US-Regierung wirft ihnen vor, Bastionen des Antisemitismus und der ideologischen Indoktrinierung zu sein und droht mit Etatkürzungen und Stellenstreichungen. Einige Universitäten sind deshalb eingeknickt, andere verhandeln oder versuchen, vor Gericht dagegen anzukämpfen wie beispielsweise Harvard.

Klimaforschung

Einige Forschungsbereiche bekommen den Druck der Regierung besonders stark zu spüren – allen voran die Klimaforschung, da Trump den menschengemachten Klimawandel leugnet. Drastische Budgetkürzungen unter anderem bei der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), den Erderforschungsprogrammen der US-Raumfahrtbehörde Nasa und bei anderen Klimaforschungseinrichtungen und -programmen sind vorgeschlagen. Der US-Kongress hat jedoch zumindest teilweise Widerstand angekündigt. Auch aus dem Weltklimarat IPCC, in dem Forscherinnen und Forscher aus aller Welt regelmäßig den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammenfassen, ziehen sich die USA zurück.

Impfungen

Nach nur rund einem Monat im Amt feuerte Gesundheitsminister Kennedy im August die Leiterin der Zentren zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC), Susan Monarez. Sie war unter anderem beim Thema Impfungen mit Gesundheitsminister Kennedy aneinandergeraten, der diesen sehr skeptisch gegenübersteht. 

Anfang des Jahres verkündete die Trump-Regierung nun, dass für Kinder künftig nur noch zu 11 und nicht mehr zu 18 Immunisierungen geraten werde – auch wenn weiterhin alle Impfungen möglich seien. Kinderärzte kritisierten die neuen Empfehlungen scharf.

Masern

Gegen Masern wird noch eine Impfung empfohlen. Trotzdem kämpfen die USA gerade gegen eine Masern-Epidemie. Rund 2.500 Fälle wurden seit Anfang 2025 dokumentiert, drei Menschen starben. 

Kennedy verwies in Interviews zunächst auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel, bevor er angesichts der dramatischen Entwicklung eine Impfung als wirksamste Methode zur Eindämmung der Verbreitung nannte.

Für die kommenden Wochen erwarten Experten, dass die Weltgesundheitsbehörde WHO verkündet, dass die USA nicht mehr masernfrei sind. Bereits im November hatte die WHO Kanada den entsprechenden Status entzogen. Trump hat vor einem Jahr den Ausstieg seines Landes aus der WHO erklärt.

2016 hatte die Behörde noch mitgeteilt, dass die hochansteckende Virusinfektion in ganz Nord- und Südamerika ausgerottet sei – als weltweit erste Region. Dafür darf es unter anderem zwölf Monate lang keine anhaltenden lokalen Übertragungen geben. Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und können in Extremfällen lebensbedrohlich sein. 

Vogelgrippe

Seit 2022 grassiert die größte je dokumentierte Vogelgrippewelle, die sich über mehrere Erdteile erstreckt. Der Erreger befällt vor allem Vögel, wurde aber auch schon bei vielen Säugetieren gefunden – in den USA auch bei Milchkühen. Auch rund 70 Fälle beim Menschen wurden in den USA dokumentiert, zwei Menschen starben. 

Experten kritisieren, es werde viel zu wenig getan, um die Vogelgrippe in den USA zu überwachen und einzudämmen. Damit wachse die Sorge vor einer weiteren Pandemie.

Ernährung

Minister Kennedy würde gern die Ernährung der Amerikaner umstellen: Mehr Proteine, Obst, Gemüse und Vollkorn – weniger Alkohol, Zucker und hoch verarbeitete Lebensmittel. Dazu hat er neue Empfehlungen veröffentlicht. Größtenteils stimmen sie mit den Empfehlungen der meisten Wissenschaftler überein – nur der Fokus auf Protein und den Verzehr von Fleisch von Säugetieren wie Rindfleisch stößt auf Stirnrunzeln. Außerdem spricht Kennedy immer wieder davon, dass hauptsächlich Rindertalg zum Braten verwendet werden solle – was viele Experten verwundert ablehnen. 

Eine Chance für Deutschland?

In Deutschland macht sich deutlich bemerkbar, wie sich der Wind in den USA gedreht hat. In einer Umfrage des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) unter US-Universitäten gaben Ende des vergangenen Jahres 67 Prozent der teilnehmenden Hochschulen an, das Interesse von Studierenden in den USA an einem Studium in Deutschland sei gestiegen. Bei Nachwuchsforschern waren es 70 Prozent, bei Professorinnen und Professoren 68 Prozent.

Von der Max-Planck-Gesellschaft heißt es mit Blick auf die Leitungsstellen von Forschungsgruppen, die Zahl der Bewerbungen aus den USA habe sich verdoppelt. In einem speziellen Programm zur Frauenförderung – dem Liese-Meitner-Exzellenzprogramm – seien es sogar dreimal so viele. "Das wird jetzt einige Karrieren durcheinander wirbeln", sagt eine Sprecherin der Gesellschaft auf Anfrage. Man werde versuchen, einige Talente zu halten und zu gewinnen. 

Auch von der Fraunhofer-Gesellschaft heißt es, die USA – einst "zentraler Anziehungspunkt für internationale wissenschaftliche Talente" – hätten an Attraktivität verloren. "Davon profitieren Europa insgesamt und Deutschland im Besonderen." Allerdings gebe es unter anderem durch tarifliche Regelungen noch immer deutliche Einkommensunterschiede, weshalb Forschungspositionen in den USA trotzdem weiter Anziehungskraft hätten.

Das Bundesforschungsministerium hat in Kooperation mit etablierten Förderern und Organisationen im vergangenen Jahr ein 1.000-Köpfe-Plus-Programm ins Leben gerufen, mit dem internationalen Forschern in Deutschland Perspektiven und "ein sicherer Hafen der Wissenschaftsfreiheit" geboten werden sollen. Im Dezember hieß es, die ersten 166 Wissenschaftler aus 25 Ländern seien ausgewählt worden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gab an, in einem ersten Schritt Bewilligungen in Höhe von zwölf Millionen Euro ausgesprochen zu haben.

Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

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