25 Jahre 1. FC Ranch: Aus den Stammtischkickern ist der Herbstmeister geworden

Plauener Verein hat alle Spiele gewonnen und ist jetzt Topfavorit

Plauen

Weil dieser Verein selbst kein Archiv hat, klemmte sich der BLICK-Reporter dahinter. Inzwischen gibt es einiges an Material aus den Gründungsjahren. Langsam sammeln sich im Fundus viele Raritäten. Die Gründergeneration ist in großen Teilen nicht mehr dabei. Aber die DNA der "Rancher", die gibt es noch. Genau deshalb hatte sich der aktuelle Vereinsvorsitzende an unsere Redaktion gewandt. Denn falls es klappt mit dem Aufstieg 2026, sollte auch die Geschichte des Vereins vollständig vorliegen. Aber der Reihe nach...

Ranch auf Rekordkurs

Der 1. FC Ranch Plauen ist auf Rekordkurs. Hinter diesem Sturmlauf steckt jedoch eine unglaubliche Enttäuschung. Die Neundorfer Kreisligakicker verpassten im Sommer noch den Aufstieg, als man im Herzschlagfinale den punktgleichen Post SV Plauen vorbeiziehen lassen musste. Die Rancher wurden am Ende "nur" Dritter, weil man gegen den Tabellenletzten Elsterberg nur ein 1:0 schaffte. Der Post SV netzte am letzten Spieltag gegen Unterlosa zum 14:0-Schützenfest ein und stieg nach dem SC Syrau II als Zweiter auf.

Der verpasste Aufstieg hat eine Trotzreaktion ausgelöst

"Dieses Erlebnis war bitter. Aber es hat uns auch unglaublich zusammengeschweißt", berichten FCR-Fußballer. Jetzt erst Recht. So lautet das Motto. Sie haben bislang tatsächlich jedes Spiel gewonnen. Nach zwölf von 24 Partien bringen es die "Rancher" auf die volle Punktzahl und 59:13 Tore. Willi Schwarzmeier (16 Tore), Bader Mezni (11), Felix Forbriger (7), Lucas Forbriger (7) und Sandro Trost (7) rockten als Ranch-Quintett die Liga. Im Rahmen des großen Sportfestes würde man gerne am 14. Juni 2026 den Aufstieg in die Vogtlandklasse feiern. Trainer Kai Hohmuth weiß aber, dass der Weg bis dorthin noch lang und steinig ist. Doch damit kennen sie sich beim 1. FC Ranch bestens aus. Berge versetzen, das können die Schwarz-Weißen vom Neundorfer Wasserturm schon immer. Ein Rückblick...

Viele glaubten an ein schnelles Ende des 1. FC Ranch

Es war wirklich eine Schnapsidee. In der Traditionsgaststätte des Deutschen Hofes auf der Stresemannstraße saßen 1999 viele Fußballer zusammen. Die ehemaligen Fortschritt-Helden, aber auch Kicker anderer Vereine trafen sich in der Innenstadt regelmäßig am Stammtisch. Oft zog man später am Abend in den legendären Rockschuppen gegenüber. "Dort ist er dann entstanden: Der 1. FC Ranch", erinnert sich Jörg Brandl. Das Szenelokal bot neben Livemusik auch Billard und Darts. Der ehemalige Vizepräsident Jörg Brandl gehörte zu den Gründern des Vereins, dem viele nur eine sehr begrenzte Lebenszeit vorhersagten. "Uns gegenüber gab es ganz viel Skepsis. Das war auch verständlich. Aber der Verein hat durchgehalten und steht heute so gut da wie nie. Darüber freue ich mich sehr, wenngleich ich vor 23 Jahren aus persönlichen Gründen Abschied von dem Projekt genommen habe", berichtet Jörg Brandl, der die folgenden Jahre aus der Distanz verfolgt hat.

Protagonisten jener Gründerjahre

Nach den Protagonisten jener Gründerjahre haben längst die Nachfolger das Zepter in die Hand genommen. Es ist unmöglich, alle Namen aufzuzählen. In den Gesprächen mit den Gründern sind folgende Namen gefallen, die an dieser Stelle stellvertretend genannt werden. Das sind Gerhard Kirsch und Mirko Modes ebenso wie Heiko Plüschke und Frieder Stephan, genauso auch Dirk Lorenz sowie anschließend Uwe Sadzewicz. Sie stehen stellvertretend für alle Geburtshelfer.

Viele Namen fehlen noch

Viele Namen müssen dabei in der kommenden Zeit noch ergänzt werden, dass sie nicht verloren gehen. "Wir haben in Thiergarten gespielt. Es war eine wunderbare Zeit. Aber es mussten sich irgendwie erstmal alle zurechtfinden", erinnert sich Jörg Brandl an die anfängliche Fluktuation. Der Verein lotste seinerzeit sogar den damaligen Superstürmer Steffen "Mo" Mothes aus Mühltroff zur Ranch.

 

Vereinsrekord: Lutz Oberst hat in einem Spiel 8 Tore erzielt

Etliche Anekdoten werden erzählt. Manche Legenden müssen jetzt aber noch korrigiert werden. So erzählen sie heute beim 1. FC Ranch, dass Lutz Oberst einst 13 Tore in einem Spiel erzielte. Auf Nachfrage korrigiert der BLICK: "Es waren 8 Stück. Der Gegner war der Plauener FC", berichtet Lutz Oberst. Über die Jahre war demnach immer mal noch ein Tor dazu gedichtet worden. Vereinsrekord ist und bleibt es aber allemal. Schiedsrichterlegende und Verbandsvizepräsident Manfred Jahn ergänzt: "Der Plauener FC war in der Saison 2001/2002 an den Start gegangen. Das Spiel gegen die Ranch habe ich selbst gepfiffen. Es fand am 21. September 2001 statt."

 

Mirko Modes an vorderster Front

Im Laufe der Zeit wuchs mit Mirko Modes ein Multifunktionär heran, der dem Verein Charisma und Struktur verlieh. Doch nach 20 Jahren trennten sich die Wege. Im Rückspiegel stellen die Nachfolger von Mirko Modes fest: "Dass der 1. FC Ranch heute so gut dasteht, das verdanken wir natürlich ihm und seinen Mitstreitern. Mirko hat 20 Jahre alles gegeben und den Grundstein gelegt für die heutige Infrastruktur", stellt Thomas Sadzewicz fest. Voller Demut fügt der 38jährige Vereinsvorsitzende hinzu: "Es ist an der Zeit, dies auch immer wieder öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Wir alle sollten großen Respekt haben vor denen, die unseren Verein geschaffen und durch die Anfangsjahre gebracht haben. Das ist eine große Leistung gewesen", betont Thomas Sadzewicz.

Das ist der 1. FC Ranch heute

Der 1. FC Ranch hat heute 220 Mitglieder und ist auf einem sehr ordentlichen Vereinsgelände in Neundorf zu Hause. Der FCR rekrutiert sich aus fünf Sektionen: Fußball (135 Aktive), Ranch Whoop Girls (35), Ranch Darters (20), Ranch Line Dancer (20) und Cornehole (10). Durch den Zuwachs neuer Abteilungen und der entsprechenden Nachwuchsarbeit ist die Mitgliederzahl von 105 in nur fünf Jahren auf 220 Vereinsangehörige gestiegen. Und genau im Zuge dieser Nachhaltigkeit wäre ein Aufstieg der Fußballer in die Vogtlandklasse natürlich ein weiterer Meilenstein am Wegesrand. Das 25. Lebensjahr beendet die Ranch jetzt erstmal als dienstälteste Kreisliga-Mannschaft (13 Jahre) und als Herbstmeister. Mal sehen, was da noch kommt.

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