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31 Jahre Mauerfall: Es gibt nur noch neun Grenztürme!

Denkmal Andreas Heinz hat das Relikt der DDR-Vergangenheit im Auge behalten

Heinersgrün. 

Heinersgrün. Dass es diesen Grenzturm in Heinersgrün noch gibt, das verdanken die Vogtländer ein paar Unentwegten. Ganz vorne dran Andreas Heinz! Vorne weg: Dieser Beitrag soll nicht die politische Leistung eines Einzelnen huldigen. Vielmehr geht es darum dazustellen, von welcher Bedeutung bescheidene Hartnäckigkeit sein kann. Denn der einstige Traktorist hat nicht locker gelassen. 30 Jahre lang fragte der diplomierte Agraringenieur immer wieder nach dem Turm und so hat dieser Mann die Weichen gestellt. Jetzt hat es endlich geklappt. Der Grenzturm ist aus privater Hand ins Eigentum des Vogtlandkreises übergegangen. Andreas Heinz hatte erstmals beim Bau der Bundesstraße B173 den zehn Meter hohen B-Turm ins Auge gefasst. "Ich habe 1981 in Geilsdorf gearbeitet. In dieser Zeit habe jeden Tag ins Schaufenster des Westens geguckt. Ich sah den hell erleuchten Grenzbahnhof in Gutenfürst. Es war eine Grenze des Grauens. Sie hat dafür gesorgt, dass keiner abrücken konnte." Wenn Andreas Heinz seine Geschichte erzählt, dann versteht man sofort, weshalb dieser Grenzturm stehen bleiben und zugänglich gemacht werden muss. Denn wo sich früher Hund und Katze gute Nacht gesagt haben, da tobt jetzt die Autobahn A72 im Herzen Europas. Dass hier Menschen starben, darf nie in Vergessenheit geraten.

"Wir sind in einem riesigen Käfig aufgewachsen!"

Bis vor 31 Jahren war es hier noch totenstill! Andreas Heinz war damals 29 Jahre jung. "Wir sind in einem riesigen Käfig aufgewachsen. Ich kam frühzeitig zu der Erkenntnis, dass dieser Staat so ganz sicher nicht die großen Erfolge feiert. Das musste schief gehen", mutmaßte Andreas bereits 1981. Er sollte Recht behalten. Nach wochenlangen Protesten öffnete die DDR-Staatsmacht am 9. November 1989 die Grenzen. Das Land existierte danach nur noch elf Monate. "Und von da an wollte keiner mehr was mit den Überbleibseln aus der DDR zu tun haben", erinnert sich Andreas Heinz. Er sitzt seit 1991 für die CDU im Sächsischen Landtag. Und Andreas hat niemals diesen Grenzturm im Vogtland aus den Augen gelassen. "Dadurch steht er noch heute", erwidert man im Landratsamt auf BLICK-Nachfrage. Stark! Vor allem hat sich der Politiker auch jetzt nicht mit seiner Leistung gerühmt. "Brauchen wir wirklich einen Zeitungsartikel deshalb?" Seine Frage beantworten die Historiker mit "Ja."

790 Menschen verloren an deutsch-deutscher Grenze ihr Leben

Jüngere Leser müssen folgendes wissen: Die B-Türme sind das Symbol der deutsch-deutschen Teilung. Mitten im Sperrgebiet standen diese Beobachtungsposten der DDR-Grenztruppen. Hier zog sich die Mauer mitten durch das Land. Hier wurde scharf geschossen. Insgesamt registrierten die Behörden der ehemaligen DDR 790 Grenztötungen. Alleine 238 Menschen verloren im sogenannten Todesstreifen ihr Leben, als sie in den Westen flüchten wollten. Es war eine unglaubliche Erleichterung zu spüren, als dieser Eiserne Vorhang 1989 vom Volk selbst eingerissen wurde. Ohne Blut zu vergießen, wurde die ehemalige DDR "abgewickelt" und das Land trat der Bundesrepublik Deutschland bei. Schnell wurde alles vereint. Deshalb existieren heute nur noch neun richtige Original-Grenztürme auf insgesamt 1.400 Kilometern Grenzstreifen. Das hier sind die Orte: Katharinenberg, Nieder Neuendorf, Hohen Neuendorf, Börgerende, Kühlungsborn, Gompertshausen, Lenzen, Karnberg und Heinersgrün. Der Turm wird gegenwärtig saniert, damit er künftig begehbar ist. Sachsen will das mahnende Denkmal erhalten. Und zwar in seiner Natürlichkeit. Ohne Schnickschnack und Show. Im Weischlitzer Ortsteil Heinersgrün wird diese zehn Meter hohe Führungsstelle der DDR-Grenztruppen künftig vom Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth betreut.