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Abschied in der Wackerbud: "Wir wollten euch unbedingt noch danke sagen!"

Abschied Wolfgang und Thea Dörschel übergeben die Wackerbud an den Verein

Plauen. 

Plauen. Ihr ganzes Leben haben sie knallhart gearbeitet. Jetzt genießen Wolfgang und Thea Dörschel den verdienten Ruhestand. Weil sich das Gastronomenehepaar pandemiebedingt scheibchenweise aus der "Wackerbud" verabschieden musste, hatte man sich kürzlich noch einmal in der Plauener Vereinsgaststätte mit einigen Geschäftspartnern verabredet. "Durch den Coronawahnsinn mussten wir am 1. November 2020 unsere Gaststätte zusperren, ohne uns richtig verabschieden zu können. Aber so wollen wir nicht gehen. Wir möchten euch heute würdig Dankeschön sagen", betonten die beiden Wirtsleute. Für sie fängt nun mit 66 Jahren ein neues Leben an.

 

Über diese Lebensleistung kann man nur staunen

 

"Im Rückblick kann man über die Lebensleistung der scheidenden Gastronomen nur staunen", waren sich alle Gäste einig. So blickt zum Beispiel Wolfgang Dörschel auf 60 Jahre Mitgliedschaft im 1. FC Wacker Plauen zurück. "Von dieser Konstanz, dieser Zuverlässigkeit, solch einer Treue lebt Wacker schon immer", stellten die beiden Sternquell-Geschäftsführer Jörg Sachse (im Ruhestand) und Nachfolger Jan Gerbeth fest. Gebietsverkaufsleiter Erik Walk betonte: "Wir sind stolz, als Brauerei mit euch gemeinsam über Jahrzehnte alle Höhen und Tiefen gemeistert zu haben." Im Anschluss feierten die befreundeten Geschäftspartner im kleinen Kreis.

Die Lebensgeschichte von Wolfgang und Thea ist bemerkenswert und überraschend zugleich.

 

Wolfgang Dörschel: Ein Seefahrer?

 

Ja! Wolfgang Dörschel ist nämlich eigentlich Seefahrer. Doch als DDR-Bürger konnte der Plauener keine Reisefreiheit genießen. Trotzdem gelang es dem gelernten Binnenschiffer im real existierenden Sozialismus durch Organisationstalent und geschicktes Management im Handel Fuß zu fassen. Als die Mauer in Berlin und dann auch in Gutenfürst fiel, war der Plauener 34 Jahre jung und Leiter einer Konsum-Kaufhalle im Chrieschwitzer Hang. Verrückt oder? Zuvor hatte "Dörsch" aber seine Thea nach Plauen geholt. "Ich bin Erzieherin und habe in Cottbus gearbeitet. Wolfgang war bei der Armee und gehörte zur Patenbrigade unserer Einrichtung. So haben wir uns kennengelernt", verrät Thea. Sie stammt aus dem schönen Jessen an der Schwarzen Elster und wechselte von schwarz auf weiß, sprich an die Weiße Elster nach Plauen, wo sie 21 Jahre an der Käthe-Kollwitz-Schule tätig war.

 

Wie war das 1989?

 

Und? Erinnert ihr euch noch an den 9. November 1989? Wolfgang Dörschel beantwortet die Frage wie aus der Pistole geschossen: "Natürlich. Als sich die Nachricht von der Grenzöffnung herumgesprochen hatte, haben wir in der Ostvorstadt am Stammtisch gesessen und gefeiert. Mir war in dem Moment klar, dass sich mein ganzes Leben ändern wird und ich meinen Bruder in Bayreuth besuchen und somit wiedersehen kann." Jetzt hatte Wolfgang die ersehnte Reisefreiheit geschenkt bekommen. Doch er und seine Thea sind bis zum heutigen Tag dageblieben und sie wurden so zur DNA in der Ostvorstadt.

 

Sie machen im Ehrenamt weiter!

 

Denn zur Freude aller wird die Gaststätte nun nicht geschlossen, wenngleich das Betreibermodell ein anderes ist. Der Fußballclub hat nämlich das "Vereinshaus Wackerbud" gegründet und so wollen es die Kicker künftig im Ehrenamt selbst betreiben. Dreimal darf geraten werden, wen die Fußballer als "Betriebsleitung" auserkoren haben. Wolfgang und Thea Dörschel haben somit die Wackerbud am 5. Dezember 1999 von den Wirtsleuten Karin und Siegfried Lerch (1976 - 1999) übernommen und dieses Kapitel ist nun doch noch nicht zu Ende geschrieben. Natürlich wird das Ganze eine Nummer kleiner, aber immerhin.

 

Seit 1907 gibt es Geschäftsbeziehungen zwischen Wacker und Sternquell

 

Zum beruflichen Abschied schwelgen Wolfgang und Thea noch einmal in Erinnerungen: "Wir haben hier schon wunderschöne, öffentliche Tanzabende veranstaltet. Zu Gast waren unter anderem die Toten Hosen, die Olympics, Happy Feeling, Mercedes Paulus & Band und viele andere Liveacts", blicken die Wirtsleute zurück. "Wenn hier in über vier Jahrzehnten nur zwei Wirte das Sagen hatten, dann spricht das für diese Gastronomie", findet Sternquell-Produktmanager Thomas Münzer. Die Plauener Brauerei und der Sportverein gehören übrigens auch seit Ewigkeiten zusammen. Bei Sternquell weiß man aus den Erzählungen: "Seit 1907 gibt es Geschäftsbeziehungen zwischen Wacker und Sternquell. Gerade in der heutigen Zeit spielen solche Faktoren eine entscheidende Rolle. Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt. Das soll so bleiben", versprach man sich beim Abschied.

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