Alle Busse stehen still: Wie geht's weiter im Vogtland?

Nahverkehr Weil Millionenklage droht kann Zweckverband nicht nachbessern

Plauen/Auerbach. 

Der Regionalbusverkehr im Vogtland ist über Nacht eingestellt worden. Die Bietergemeinschaft Bus (BG Bus) hat ihren Vertrag gekündigt. Landrat Thomas Hennig ist sich sicher, "dass diese fristlose Kündigung ungerechtfertigt und hochgradig verantwortungslos ist. Wir hätten als Landkreis hätten gegen Gesetze und geltendes Recht verstoßen müssen, wenn wir die Forderungen der Bietergemeinschaft Bus erfüllt hätten", so der Landrat im Gespräch mit BLICKonline. Damit eskaliert nun der Streit zwischen dem Zweckverband ÖPNV Vogtland (ZVV) und der BG Bus. Experten wissen: Ursächlich ist der aus dem Jahr 2018 stammende Vertrag, bei dem die Bietergemeinschaft Bus ihre "Kalkulation gemacht hat, ohne zu wissen, dass eine Coronapandemie und die Verdopplung der Kraftstoffpreise auf uns zukommt", betont Thomas Schwui, der als Geschäftsführer der Plauener Omnibus GmbH (POB) und der Verkehrsgesellschaft Vogtland (VGV) die Bietergemeinschaft mit weiteren Subunternehmen vertritt. Landrat Thomas Hennig ist der Zweckverbandsvorsitzende.

 

Eine komplizierte Situation

Im Oktober 2019 war das neue Vogtlandnetz+ in Betrieb gegangen. An Wochentagen fanden 1.700 Busfahrten statt. Durch die Coronapandemie und die Verdopplung der Kraftstoffpreise geriet die BG Bus in wirtschaftliche Nöte. Der Zweckverband ÖPNV Vogtland (ZVV) kam der BG Bus zwar durch Vorschüsse entgegen, "aber wir sind verpflichtet, auf dem Vertrag zu bestehen. Denn es handelte sich um eine europaweite Ausschreibung. Die hat die BG Bus gewonnen. Wenn jetzt nachgebessert würde, haben wir sofort eine saftige Klagen des Zweit, Dritt und Viertplatzierten auf dem Tisch. Und die müssten wir dann aller Voraussicht nach extra noch bezahlen, wenn wir verurteilt würden", vermutet Landrat Thomas Hennig. Donnerstag, 9 Uhr: Zur öffentlichen Verbandsversammlung des ZVV saßen bereits Vertreter der beim Vergabeverfahren unterlegenen Unternehmen im Saal in Auerbach. Es ist also offensichtlich, dass Klagen im Raum stehen.

 

Der Landkreis will künftig den Regionalbusverkehr organisieren

Wie Landrat Thomas Hennig betont, "sind wir in der Kürze der Zeit nicht in der Lage, den Regionalbusverkehr zu organisieren. Aber wir haben das Ziel, den ÖPNV zu kommunalisieren, sodass wir nicht mehr in solch eine katastrophale Situation geraten können." Der ZVV hatte die BG Bus mehrfach aufgefordert, weiter zu fahren. Doch mit Betriebsbeginn am Freitag, den 9. Dezember 2022, entfielen alle Fahrten der Plus-, Takt-, Ruf-, Bürger- und SchulBus-Linien sowie StadtBusse (außer Plauen) ersatzlos. Der Landkreis versucht nun, Ersatz zu organisieren. Da aufgrund der Kurzfristigkeit keine alternativen Anbindungen geschaffen werden können, bittet der Zweckverband öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ZVV) die Fahrgäste und Eltern solidarisch Fahrgemeinschaften zu bilden, um der prekären Situation entgegenzuwirken. Beim Verkehrsverbund Vogtland arbeitet man fieberhaft an einer ersten Lösung. Weitere Infos bei BLICKonline am Freitagabend.

Bereits am Donnerstagabend wurde vermutet, dass die Lage sich am Freitagmorgen so zuspitzen würde. Mehr dazu hier

Update 

Ab Samstag sollen alle Busse wieder planmäßig fahren. Darauf hat sich Landrat Thomas Hennig mit der Bietergemeinschaft Bus nach Verhandlungen am Freitag geeinigt. Mehr Informationen dazu im Artikel  Ab Samstag rollen wieder alle die Busse planmäßig.

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