Alter Kloschwitzer Konsum zu neuem Leben erwacht

Dorfladen Was Kathrin Metzner und Michael Ehrhardt auf die Beine gestellt haben, ist indes viel mehr.

Kloschwitz. 

Kloschwitz. In Kloschwitz gibt es wieder einen Dorfladen. Was Kathrin Metzner und Michael Ehrhardt auf die Beine gestellt haben, ist indes viel mehr. Sie regen zu Produkten aus der Region und zum Umdenken an. Und das in aller Gemütlichkeit.

Kloschwitz. Leben ist in den ehemaligen Konsum in Kloschwitz eingezogen. Kathrin Metzner und Michael Ehrhardt, sie kommt aus Kobitzschwalde, er aus Neuensalz, haben hier ihren Traum verwirklicht. "Ich bin immer mit meinem Pferd vorbei geritten", erinnert sich die gelernte Kindererzieherin. Das war, als der Konsum nach der Wende längst geschlossen hatte. "Die Idee, etwas Eigenes zu machen, war da schon da." Zu zweit packten sie es an, das Gebäude wurde von der Gemeinde Weischlitz gekauft. Seitdem hat sich hier viel getan.

Kathrin Metzner dekoriert gerne, und so hat sie den Laden in ein Kleinod verwandelt, wo man sich kaum satt sehen kann. "Die originalen Regale haben wir behalten", zeigt sie an die Wand. Sie standen schon im alten Konsum. Jetzt liegen darin Nudeln aus Hermsgrün, Mehl aus Straßberg und anderes mehr. Im neu hergerichteten Ladenraum versprühen ein alter Niederwürschnitzer Getreidereiniger, der früher Spreu vom Weizen trennte, ein alter Seekoffer, Bilder von anno dazumal und ein altmodisches Radio nostalgischen Charme. Alles wurde harmonisch drapiert, um die feine Naturkost aus der Region zu präsentieren. "Seit kurzem bieten wir auch Gurken, Salat, Kohlrabi und anderes Gemüse aus der Gärtnerei der Vogtlandwerkstätten in Stelzen an." Dazu kommen Kartoffeln aus Reuth in verschiedenen Sorten.

"Die Kühltheke im Laden ist neu", zeigt der gelernte Fleischer. Hier werden frische Wurst- und Fleischwaren angeboten, die vom Biohof in Rößnitz geliefert werden. Michael Ehrhardt hat zudem ein eigenes Schlachthaus in Neuensalz, wo er Schweinehälften, die er aus Irfersgrün bezieht, selbst zerlegt und Wurst herstellt. Diese will er als Konserven verkaufen, für die Schinkenherstellung hat er einen eigenen Räucherofen. Wichtig ist ihm, dass alles vom Schwein verwendet und nichts weggeworfen wird. "Aus Respekt vor dem Tier, dass für unsere Ernährung gestorben ist", sagt Kathrin Metzner, die keine Vegetarierin ist, wie sie betont. "Ich esse nicht viel Fleisch, aber mit Bedacht."

Überhaupt, im Einklang mit der Natur zu leben, ist den beiden Selbstständigen wichtig. Auch dass nicht so viel weggeworfen wird. "Man muss nicht alles neu kaufen, ich schätze altes Handwerk und unterstütze alles Regionale. Ich kaufe da, wo ich lebe." Und immer saisonal. Auch dafür steht der Dorfladen. Zudem macht die junge Frau vieles selbst. Holunderblütengelee, verschiedene Öle oder sauer eingelegtes Gemüse.

Ihr Herz schlägt für die Tiere draußen im Hof und in den Ställen. Da wollen die Kaninchen genauso wie Kälbchen Anna und Olaf, gestreichelt werden. Olaf hat Kathrin Metzner zu sich genommen, da er nicht richtig laufen kann, den Tierarzt hat sie schon bestellt. Die Schweine Rocky und Rambo lassen sich von Michael Ehrhardt, der auch selbst das Heu für den Winter macht, streicheln. Eine der Enten hat eine Schar flauschig gelber Küken. Und Erpel Günther führt seine Enten über den Hof, während mehr als 40 Hühner hier und da picken. Dazu kommen drei Schafe und ein älteres Kalb, Elsa. Eigentlich alle Tiere, wie man sie von einem früheren Bauernhof kennt. Wenn die Rede auf Massenhaltung oder Tiertransporte kommt, wird die Vogtländerin einfach nur zornig, wenn sie daran denkt, wie Menschen das den Tieren antun können. Auch deshalb agiert sie mit dem Laden bewusst dagegen, im Kleinen eben, wie es ihr möglich ist.

Die meiste Zeit verbringt Kathrin Metzner mit den Pferden, die draußen auf der Weide sind. Mit dem Verein der Natur- und Tierfreunde Goldbachtal e.V. will sie "Kindern was Normales" zeigen. "Die Natur und die Vögel, wie wichtig Bienen sind, dass man Wasser aus dem Bach trinken und Erdbeeren im Wald essen kann." Es sei so vieles aus dem Ruder gelaufen, es sei so eine hektische Zeit. "Pferde machen Kinder zufrieden, wirken entspannend. Keiner muss dabei ein teures Dress anhaben, es geht um Zusammenhalt und um das Erden. "Ich wünsche mir, dass Kinder kochen lernen, wie man Eierkuchen macht, dass sie wissen, wie Kartoffeln wachsen." Klar sollen die Kinder das Reiten lernen, sattelfest werden, aber sie sollen auch erfahren, dass Pferde keine Sportgeräte sind, sondern sensible Tiere. Im August bietet sie zusammen mit dem Bio-Bauernhof Seiler in Rößnitz eine Urlaubswoche für Kinder an. Mit Reiten und selber Kochen, mit Tieren, Lagerfeuer und vielen Erlebnissen.

In ihrem Dorfladen kommen die beiden Neu-Kloschwitzer gerne mit den Leuten ins Gespräch. Es halten Vorüberfahrende aus Hof, aus dem Thüringischen, ob mit dem Motorrad, Fahrrad oder sogar Wohnmobil. Und die Kloschwitzer freuen sich, dass es wieder einen Laden im Ort gibt. Draußen vor dem Dorfladen genießt man im Strandkorb nahe des Traktors sitzend einen Kaffee oder ein Eis, oder man sitzt drinnen in der nostalgischen Sitzecke und bestaunt das nostalgische Sammelsurium.

Geöffnet ist der Kloschwitzer Dorfladen an der Hauptstraße am Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Samstag von 12 bis 15 Uhr. Oder man hält an, wenn das Geöffnet-Schild zu sehen ist. Informationen zum Angebot sowie zu den Kinderferien auf dem Bauernhof erhält man unter Telefon 0173/4744115.