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Auerbach wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe von Hertha

Spielabbruch In der B-Junioren-Regionalliga soll es was gegeben haben

Auerbach. 

Auerbach. Riesenaufregung im Vogtland! Die B-Junioren von Hertha BSC sind zwölf Minuten vor Spielschluss vom Platz gegangen. Es gab Rassismusvorwürfe gegen den VfB Auerbach. "Mehrere Spieler unserer Mannschaft sind von ihren Gegenspielern rassistisch beleidigt worden." So steht es in einer Pressemitteilung auf der Internetseite des Fußball-Bundesligisten. Allerdings klingen die deutlichen Aussagen der Berliner Nachwuchsbetreuer nach diesem Regionalligaspiel merkwürdig, wenn man den Vorfall hinterfragen möchte. Denn offenbar hat Hertha BSC lediglich einen Generalverdacht als Pressemitteilung veröffentlicht.

BLICK hat nachgefragt...

Beim VfB Auerbach erfuhr der BLICK am Sonntagnachmittag: "Wir wissen weder, welcher oder welche unserer Spieler ausfällig geworden sein sollen, noch wissen wir, welche Aussagen ihnen vorgeworfen werden. Es ist irre", stellt Volkhardt Kramer als Sportlicher Leiter des VfB Auerbach fest. Weil Hertha BSC ohne weitere Nachforschungen den Sachverhalt auf seiner Homepage öffentlich machte, steht der nun gleich der ganze VfB Auerbach bundesweit am Pranger. Ohne nachzufragen berichten fast alle Medien. Dazu muss man wissen, dass bei diesem B-Jugendspiel 15-Jährige auf dem Rasen standen. Deren Betreuer und Vereine haben somit eigentlich auch einen pädagogischen Auftrag, besonders die höherklassigen Klubs. Auerbacher Eltern berichten jedoch, dass sich während dieses Spiels die Berliner zunächst untereinander beschimpft und beleidigt hätten. Dieser Sachverhalt steht nicht in der Pressemitteilung.

Um was ging es in dem Spiel?

"Es spielte der Tabellenletzte gegen den Tabellenersten. Und es ging vor diesem Spiel um die Frage, ob das Ergebnis zweistellig wird oder nicht. Dann aber führte Berlin nur 2:0", schilderte Volkhardt Kramer das Geschehen. Nach bisheriger Auskunft des VfB Auerbach haben die Unparteiischen nichts mitbekommen von Diskriminierungen. Der Spielabbruch erfolgte demnach nicht durch die Schiedsrichter, sondern von den Berlinern, die einfach den Platz verließen. Der Sportliche Leiter, Volkhardt Kramer, eilte nach dem Spielabbruch sofort in die Kabinen, um von seinem Recht auf Auskunft Gebrauch zu machen. Was dann passierte, steht ebenfalls nicht in der Pressemitteilung von Hertha BSC. Volkhardt Kramer berichtet: "Ich habe mich im Sozialtrakt vorgestellt und wurde von Hertha-Trainer Sofian Chahed weggeschickt. Mehr will ich dazu gar nicht sagen." Nach BLICK-Informationen hat Volkhardt Kramer inzwischen wörtlich zu Protokoll gegeben, dass Sofian Chahed zu ihm gesagt hat: "Wer bist du? Mach' dich auf deinen Bauernhof."

Volkhardt Kramer im eigenen Haus unerwünscht

Demnach hatte der frühere Bundesligaspieler Sofian Chahed gar nicht richtig hingehört. Denn Volkhardt Kramer hätte eigentlich sogar das Hausrecht. Und einem Sportlichen Leiter sportlich fair wenigstens Auskunft geben, das gehört natürlich schon zu den sportlichen Werten, auf die sich in der Pressemitteilung Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsleitung von Hertha BSC, beruft: "Es gibt Situationen, in den auch für uns der Fußball zweitrangig wird. Wir haben eine Verantwortung uns, unseren Spielern und auch der Gesellschaft gegenüber. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst und deshalb war es die einzig richtige Entscheidung, dieses Spiel nicht fortzuführen. Vielleicht ist diese Maßnahme ein Weckruf, dass wir alle gemeinsam - Spieler, Vereine, Verbände und Fans - endgültig diesem Problem Herr werden. In einer solchen Situation sind uns Werte und eine klare Haltung wichtiger als ein Sieg oder eine Niederlage auf dem Platz." So schreibt es der Bundesligist.

Jetzt steht der ganze VfB Auerbach am Pranger!

Hertha BSC hat es mit dieser einen Veröffentlichung geschafft, dass 70 Nachwuchsbetreuer eines kleinen Vereins in der Provinz einen katastrophalen Sonntag hatten. Die Telefone stehen nicht mehr still. Auerbach steht unter Generalverdacht. Ausgerechnet der Verein, der im Vogtland (240.000 Einwohner) als besonders vorbildlich gilt, weil er nie Schulden macht und seit 30 Jahren einen beispiellosen Weg gegangen ist. Ausgerechnet dieser Klub ist jetzt dran. In den sozialen Netzwerken schreiben jetzt aufgrund der Hertha-Stellungnahme Internetnutzer üble Kommentare: "Dreckspack, alles Nazis, den Verein sollte man zusperren" und so weiter. Bitter ist das vor allem für Volkhardt Kramer, von Beruf Lehrer nach pädagogischem Studium. Trainer der Auerbacher B-Junioren ist übrigens Lothar Winczek. Der Mann war Fußballprofi in der damals zweithöchsten Spielklasse der DDR, beim Armeeklub ASG Vorwärts Plauen. Er spielte auch bei Dynamo Dresden und Energie Cottbus. Nach der Wende leitete Lothar Winczek zwei Jahrzehnte das Sportbüro der Vereine in Elsterberg und er gilt als DFB-Stützpunkttrainer als weltoffen. Sollte es also rassistische Beleidigungen gegeben haben, wird es entsprechende Strafen geben.



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