Auf Du und Du mit Spinne Sissi

Forschung Cassandra und Jahne und ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr

Wer im Chemnitzer Museum für Naturkunde ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren möchte, darf nicht zimperlich sein. Schaben, Stabschrecken und nicht zuletzt Vogelspinne "Sissi" wollen täglich gehegt und gepflegt werden. Kein Problem für Cassandra Schubert und Jahne Harmeling, die seit September im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres in verschiedene Arbeitsfelder des Museums schnuppern. "Jedes Insekt hat eine eigene Macke", lacht Cassandra Schubert aus Leipzig, die täglich mit dem Zug den Weg zur Arbeit bestreitet.

Zu den Lieblingsinsekten der 17-Jährigen gehören neben den "besonnenen" Gottesanbeterinnen auch Orangekopfschaben: "Das sind eigentlich ganz ruhige Zeitgenossen. Erst bei der Paarung legen sie ihre verrückte Seite an den Tag." Das Interesse an der genauen Beobachtung von Verhaltensweisen sei eine optimale Voraussetzung für das einjährige Praktikum, sagt Betreuerin Marion Meixner. "Daneben stehen täglich scheinbar profane Aufgaben wie Füttern und Säubern auf dem Programm. Diese sind aber wichtig für einen ansprechenden Eindruck der Insektenausstellung - schließlich wollen wir kein Gruselkabinett betreiben." Während sich Cassandra Schubert im Insektarium auf ihr Fachabitur Biologie und die Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin vorbereitet, will Jahne Harmeling durch das Freiwillige Ökologische Jahr vor allem selbstständiger werden. "Im Fachbereich Entomologie bin ich dafür bestens aufgehoben", so die 20-Jährige, die das Museum in seiner Forschungsarbeit unterstützt. "Für das Projekt 'German Barcode of Life' übernehme ich die Bestimmung von Schmetterlingen aus den Regionen Sachsen und Thüringen. Das Projekt verfolgt das Ziel, ein DNA-basiertes Identifikationssystem für mehrzellige Lebewesen zu entwickeln." Neben der praktischen Arbeit bietet der Träger des Ökologischen Jahres, die Paritätische Freiwilligendienste Sachsen gGmbH, regelmäßig Seminare zur Weiterbildung an. So erfahren die Praktikanten bei Ausflügen in die Natur mehr über Pilzkunde, Archäologie oder auch das Entzünden von Feuer ohne technische Hilfsmittel. "Wir würden uns aber noch nicht als Überlebenskünstler bezeichnen", schmunzeln Cassandra und Jahne.