Benjamin Meschke hat es allen gezeigt!

Handball Der Plauener ist zurück in der stärksten Liga der Welt

Plauen/Balingen. 

Plauen/Balingen. Er ist der gleiche Junge geblieben, der er einst im Nachwuchs beim SV 04 Oberlosa war. Gleichwohl ist Benjamin Meschke der erfolgreichste Handballer geworden, den das Vogtland jemals hervorgebracht hat. Denn der Plauener spielt nun bereits zum vierten Mal in der 1. Bundesliga. Es ist die stärkste Liga der Welt. Selbst war ihm dieser Umstand gar nicht bewusst.

"Bester Vogtländer zu werden, das ist natürlich eine große Ehre für mich. Und ich freue mich sehr über diese Überraschung. Aber wichtiger ist für mich jetzt dieser Aufstieg", stellt der 28-Jährige voran. Beim SC DHfK Leipzig hatte man ihn im letzten Jahr aussortiert. Mit der HBW Balingen-Weilstetten ist er Zweitligameister geworden und zurückgekommen. Wieder gehört er so zu den zehn besten deutschen Kreisläufern. Wahnsinn!

Im Himmel: Opa Siegfried ist ganz stolz auf seinen Enkel

Rückblick: Genau vor 15 Jahren (2004) hatte "Benny" sein erstes Interview gegeben. Dem BLICK-Reporter sagte er damals wörtlich: "Ich will nach Magdeburg. Und Bundesliga spielen und das Nationalmannschaftstrikot tragen, das will ich." Es folgte eine unglaublich bewegende Karriere mit ganz viel Auf und Ab. Der "BeMex" hat es wirklich allen gezeigt. Sogar seinen Kritikern. Denn der ungemein bodenständige Oberlosaer Junge hob in all den Jahren niemals ab.

Gründe dafür hätte es zur Genüge gegeben. Bereits als 16-Jähriger durfte Benjamin Meschke das Trikot der Bundesrepublik Deutschland tragen. In der Jugendauswahl und beim SC Magdeburg wuchs der heutige 1,96-Meter-Hüne sportlich und mental zu einem wahren Spitzensportler heran. Genau das hatten sein leider verstorbener Opa Siegfried Wolfrum (er war ein großer Oberlosaer Feldhandballer) und ein gewisser Christian Prokop frühzeitig erkannt. Letzterer war mehrfach der Trainer von Benjamin Meschke. Heute ist Christian Prokop Bundestrainer.

Der Plauener Kreisläufer schaffte es beim SC Magdeburg (2005 - 2011) zum ersten Mal in die 1. Bundesliga. Dann ging es über Empor Rostock (2011 - 2012), Eintracht Hildesheim (2012 - 2013) bis nach Solingen/Wuppertal (2013 - 2015). Beim dort ansässigen Bergischen HC spielte der Plauener das zweite Mal 1. Bundesliga.

Benjamin Meschke gehörte zum "Wunder von Leipzig"

Es folgte das "Wunder von Leipzig". Mit dem SC DHfK Leipzig (2015 - 2018) sorgten Trainer Christian Prokop & Co in der ganzen Republik für Furore. Mittendrin ein Plauener: Benjamin Meschke. Zweimal hatten die Messestädter sogar Platz 8 in der 1. Bundesliga erobert. Benjamin Meschke bestritt für diesen Verein über 100 Spiele. Und dann bleibt vor allem eins in Erinnerung: "Wir durften vor 13.200 Zuschauern das Final Four in Hamburg spielen, hatten damals in der Liga Kiel geschlagen, und gegen meinen Jugendverein SC Magdeburg haben wir auch gewonnen."

Das Jahr 2017 war grandios. Benjamin Meschke war sehr traurig, als sein Trainer in die Nationalmannschaft abberufen wurde und sein Leipziger Verein zugleich zu viel wollte. In Leipzig waren einige der Meinung, dass man mit einem 120-Kilo-Mann am Kreis zwar vorn recht durchschlagskräftig ist. Aber die leichtfüßige Arbeit in der Deckung traute man ihm nicht zu. Paradox: Benjamin Meschke ist nach seinem Wechsel nach Balingen Abwehr-Chef geworden. Und auch dort hat er mal wieder eine spektakuläre Geschichte geschrieben.

Rote Karte, schwer verletzt und ganz schlecht gestartet

Denn nach dem schweren Abschied aus Leipzig lief es im eine Autostunde von Stuttgart entfernten Balingen zunächst gar nicht. "Im ersten Spiel in Schwartau habe ich die Rote Karte gesehen. Und wir haben verloren. Am 3. Spieltag kam es für mich noch schlimmer. Ich habe mir in Hamm das Wadenbein gebrochen und das Sprunggelenk ausgekugelt. Das Spiel ging außerdem verloren. Das war ein ganz bescheidener Tag."

Für Benjamin Meschke folgten eine sofortige Operation, zwölf Wochen Gips und sechs Monate Reha. Dass er diese Saison noch einmal spielen würde, keiner hatte es geglaubt. Zu allem Übel sorgte man sich beim ambitionierten Aufstiegskandidaten Balingen-Weilstetten am 4. Spieltag (3:5 Punkte) um das Saisonziel.

Dieser Meschke kommt immer zurück, versprochen!

Doch Trainer Jens Bürkle behielt die Nerven und auch seinen Kreisläufer immer im Auge. Ganz behutsam wurde der Plauener wieder an das Spitzenniveau in der 2. Bundesliga herangeführt. Täglich! Am 31. Januar wurden sämtliche Metallschienen aus dem Wadenbein entfernt. "Und Ende Februar war ich im Kader. Ich habe zwar über 20 Spiele verpasst. Aber jetzt sind wir Meister geworden und ich halte bereits wieder über 30 Minuten Spielzeit durch, was bemerkenswert ist, weil ich ja vorne und hinten spielen muss", lacht der Vogtländer.

Der freut sich jetzt auf den Urlaub mit seiner Claudia, einer Juristin, die aus Wurzen stammt und mit nach Balingen gezogen ist. Und dann freuen sich die beiden auf das Zuhause und die Freunde in Plauen.

Hinter Ex-Nationalspieler Martin Strobel der zweite Chef

Benjamin Meschke ist also wieder zurück in der 1. Bundesliga. Zum vierten Mal. Und er ist so stark wie noch nie. Die Kapitänsbinde darf er tragen, wenn Ex-Nationalspieler Martin Strobel ausfällt. Der "BeMex" kommt also als Co-Kapitän zurück nach Leipzig und Magdeburg. Und vielleicht wird er auch in der kommenden Saison vielen Experten beweisen, dass es seine Liga ist, die 1. Bundesliga. In Großwallstadt hat er am Samstagabend mit Balingen-Weilstetten gewonnen und ist Meister geworden. Es war vielleicht sein letztes Zweitligaspiel.