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Bernina ist die neue Kartoffel in Reuth

Landwirtschaft Neue Salzkartoffel-Sorte ist jetzt erhältlich

Reuth. 

Reuth. Frisch geerntete Kartoffeln sind gefragt bei den Leuten. "Der Geschmack hat sich aber gewandelt", sagt Wolfgang Sammer, Geschäftsführer der Agrarproduktion Reuth. Die Leute würden nicht mehr die mehligen Sorten wollen, sondern festkochende. Er zeigt ein stattliches Exemplar der Sorte Bernina. "Die ist mit die beste Sorte. Fest kochend und sie hat eine wunderbare Größe." Gut geeignet als Salzkartoffel. Wolfgang Sammer: "Ich hab' sie schon zur Probe gekocht." Denn klar ist, nur was schmeckt, wird in Reuth angebaut. Dazu gehört auch die Adretta, eine mehlige Sorte. "Die gibt es seit 1975." Neuer ist Laura, eine rotschalige Sorte, die Kartoffel ist eher fest kochend. "Zu unseren Standardsorten zählt die Milwa, das ist eine dankbare Sorte."

Außergewöhnliche Sorten baut die Reuther Agrarproduktion aus Rentabilitätsgründen nicht mehr an, das wird Steffen Janke aus Schönberg überlassen, der als Kartoffelspezialist für die Ursorten gilt. "Er hat bei uns einige Flächen an den Feldrändern." Da wächst beispielsweise die alte Kartoffelsorte Blauer Schwede, deren Inneres blauviolett aussieht.

Auf vier Hektar auf einem Feld bei Schönlind sind die Kartoffeln der Agrarproduktion Sammer gewachsen. Die Ernte läuft auf Hochtouren, das schöne Wetter wird genutzt. Pause wird nur gemacht, wenn es regnet oder wenn die Kartoffelkombine streikt. Die ist immerhin um die 50 Jahre alt. Am Montag früh, als sie nicht mehr laufen wollte, half ihr ein Schlosser auf die Sprünge, damit die Ernte weitergehen konnte. Die Erntefrauen lesen per Hand die Steine aus, wenn die Erdäpfel, wie der Vogtländer sagt, übers Band laufen. Im außen farbig bemalten Kartoffellagerhaus zwischen Reuth und Schönlind wird ebenfalls hantiert. Paul Grünzig hebt per Gabelstapler die Kartoffel in den Metallkästen und schüttet sie zum Sortieren aus, welches ebenfalls ins Handarbeit geschieht. Ausgesondert werden kleine und beschädigte Früchte, die als Futtermittel verkauft werden, sowie Steine. Einige Seniorinnen sind als Erntehelfer dabei. Fest angestellt ist neben weiteren polnischen Mitarbeitern Piotr Maciejewski, der zusammen mit Susann Hofmann die Kartoffeln in Zehn-Kilo-Säcken absackt. "Würde er über eine Zeitarbeitsfirma bei uns arbeiten, bekäme er weniger Geld", sagt Wolfgang Sammer. "So bekommt er das gleiche Geld wie die anderen."

Guter Ertrag in diesem Jahr

Pro Hektar Feldfläche werden 350 Dezitonnen Kartoffeln geerntet. "Der Ertrag ist sehr gut dieses Jahr", sagt er erfahrene Landwirt. "Der Regen kam immer zum richtigen Zeitpunkt. Und die warmen Nächte im August waren ideal. Kartoffeln sind ja Nachtschattengewächse."

Der Agrarbetrieb baut auch Winterweizen, Raps, Gerste und Erbsen sowie erstmals Ackerbohnen an. "Die sind ein guter Eiweißlieferant für unsere Rinder", so Sammer. So ganz zufrieden war er mit dem Ertrag der Bohnen aber noch nicht. 700 Rinden hat die Reuther Agrarproduktion, davon sind 240 Milchkühe. Die Mutterkühe sind auf der Weide. Die Kälber bleiben ein halbes Jahr bei ihnen, werden gesäugt. "Das ist nicht rentabel, aber sie sind auf Flächen, wie jetzt an der Reuther Linde, die nicht mit Maschinen abgeerntet werden könnten." Und, das werden viele Vorbeifahrende bestätigen: "Es ist einfach ein schönes Bild, wenn die Kälber mit den Mutterkühen auf der Weide stehen."

Verkauft werden Reuther Kartoffeln das ganze Jahr über an der Tankstelle Reuth, in Straßberg im Getränkehandel Gemeinhardt und neuerdings auch im Dorfladen Kloschwitz. Zur Erntezeit kann man direkt ins Kartoffellagerhaus zum Kauf kommen. Außerdem wird seit vielen Jahren an Kunden ausgeliefert. Fehlen wird dem Agrarbetrieb dieses Jahr der Herbstmarkt, denn auch da war man immer präsent. Der Reuther Herbstmarkt fällt wegen Corona aus.