Immer dann, wenn uns Menschen verlassen, die auf einzigartige Weise das Leben bereichert haben - immer dann trifft es einen besonders hart, wenn so jemand geht. Michael Betz - „der liebe Mick“ - war so ein Unikum. In der Nacht von Freitag auf Samstag ist das Plauener Original still und leise für immer eingeschlafen. Dass Mick nach 73 Jahren plötzlich und unerwartet gegangen ist, es passt zu dieser Frohnatur. Denn als Entertainer stand er zwar gerne im Mittelpunkt. Doch nach der Show saß er am Rande. Mick konnte beides, laut und leise.
Er war ein Arbeiter
Mick stammt aus der Ost. Er war Arbeiter. In einem der größten und wichtigsten Betriebe von Plauen. In der Plamag, einem zu DDR-Zeiten und auch danach international erfolgreichen Druckmaschinenhersteller, war sein berufliches Zuhause. Wacker-Urgestein Wolfgang Dörschel (71) erinnert sich: „Wir kannten uns schon als Jugendliche, sind zusammen groß geworden.“
Mit seiner lieben Ehefrau Karin (mit ihr feierte Mick vor wenigen Wochen noch Goldene Hochzeit) gehörte er über Jahrzehnte zu den „Gesichtern der Ost“. Er war bekannt wie ein bunter Hund. Und zwar auch deshalb, weil Mick in jungen Jahren zur legendären Plauener Boxerstaffel gehörte.
Mick war einst ein bekannter Boxer
Mick war Boxer? Ja. Und was für einer. Die Plauener Boxstaffel verdiente sich Ruhm und Ehre. Die Haudegen von einst gehörten in ihren Glanzzeiten zwischen 1955 und 1980 durch die Bank zur Spitzenklasse im DDR- und Bezirksmaßstab. Unter Trainerlegende Adolf Walter (verstorben im Oktober 2020) war auch Michael „Mick“ Betz in den Ring gestiegen.
Die pfiffigen Vogtländer mussten immer schlau agieren. Unter den Namen Wismut und anschließend Plamag boxten die Spitzenstädter in der ersten und zweiten Liga. Diese Haudegen konnten aber nicht einfach nur draufhauen. „Wir mussten immer klug agieren, uns den Gegner zurechtlegen, weil die großen Klubs natürlich zu DDR-Zeiten ganz andere Möglichkeiten hatten“, berichtete Adolf Walter bei einem der vielen Treffen.
Die legendäre Boxstaffel hält bis heute zusammen
Ordnung, Disziplin, Pünktlichkeit, Fachwissen. Das alles hat Adolf seinen Jungs beigebracht. Wer Mick erlebte, hatte scheinbar einen Hans-Dampf-in-allen-Gassen vor Augen. Doch dieser Michael Betz war eben auch ein Stratege. Die Plauener Boxer waren vor 50 oder 60 Jahren in Plauen so bekannt wie Popstars! Tausende pilgerten zu den legendären Kämpfen in die Festhalle.
Von bis zu 2.000 Zuschauern und mehr ist die Rede. Wahnsinn oder? Als Trainer Adolf Walter nicht mehr konnte, war Mick an seiner Seite. „Ich habe Adolf so oft wie möglich im Pflegeheim besucht. Wir halten in einer WhatsApp-Gruppe Kontakt und wissen so auch heute noch wie es den Sportkameraden geht“, erzählte Mick. Jetzt wird sein Freund Udo Zenner (78) keine Nachrichten mehr bekommen. „Ich bin unglaublich traurig und fassungslos. Wir haben so viel miteinander gelacht. Mick hatte immer einen Spruch auf Lager“, berichtet Boxfreund Udo Zenner.
Drei Jahrzehnte hat Mick Musik gemacht
Mick gehörte aus Wackersicht zu einer ganz wichtigen Generation. Er wurde Fußballtrainer für den Nachwuchs bei der BSG Stadtbau Plauen. Als alle in den Westen gingen, hat Mick zusammen mit seiner Karin zu jenen Sportfreunden gehört, die den wiederbelebten 1. FC Wacker Plauen über Wasser hielten. Und Mick nutzte die neue Freiheit, um sein Hobby, die Musik, als DJ so richtig auszuleben. So wurde Mick zu einem richtigen Original. Wolfgang Dörschel erzählt: „Unser Sommerfest, das Erdbeerfest, das Oktoberfest, der Frauentag, der Männertag: Mick hat jeden Spaß mitgemacht.“ Drei Jahrzehnte hat Mick Musik gemacht.
Beisetzung soll im engsten Familienkreis stattfinden
Auch bei anderen Vereinen - so zum Beispiel beim SV Concordia Plauen - oder privaten Veranstaltungen hat Mick mit seiner Musik vom Band den Menschen Freude bereitet und sie unterhalten. Aufgewachsen war Mick einst verbotenerweise mit dem Kult-Radiosender „RIAS Berlin, eine freien Stimme, der freien Welt.“ Und genau diese Veranstaltung, die Feier zum 80. Geburtstag von RIAS Berlin in seiner Wackerbud, sollte für Michael Betz den Schlussakkord darstellen.
Mit seiner lieben Frau Karin und der ganzen Familie trauern all seine Freunde und Bekannten, die Sportkameraden und Arbeitskollegen. Die Beisetzung soll im engsten Familienkreis stattfinden. Plauen sagt danke, lieber Mick!
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